Caracas will sich nicht "beugen"USA streben jahrelangen Zugriff auf Venezuelas Öl an

Seit der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro betonen die USA immer wieder, Caracas sei bereit zur engen Zusammenarbeit. Das Ziel Washingtons sind Einnahmen aus den Ölvorkommen. Doch die neue Staatschefin Delcy Rodríguez klingt zumindest öffentlich nicht sonderlich kooperationswillig.
Die USA wollen sich langfristig den Zugriff auf venezolanisches Erdöl sichern. Präsident Donald Trump erwarte, dass die Vereinigten Staaten über Jahre hinweg Venezuela führen und die riesigen Ölreserven dort fördern werden, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf ein Gespräch mit dem US-Präsidenten. Die venezolanische Führung sei bereit, alles zu geben, was die US-Regierung für notwendig halte, habe Trump weiter gesagt.
Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez wies den Druck aus Washington hingegen zurück. "Wir haben uns der wirtschaftlichen Aggression nicht gebeugt und werden uns auch keiner anderen Art von Aggression beugen", sagte sie. Vielmehr strebt die neue Führung in Caracas eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Beziehungen des südamerikanischen Landes an. "Wir reichen allen Ländern der Welt die Hand, um die Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Handelskooperationen und die Zusammenarbeit im Energiebereich auszubauen", sagte Rodríguez.
Trump hatte schon zuvor Ansprüche auf die Einnahmen aus dem Export venezolanischen Öls angemeldet. Das südamerikanische Land verfügt mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel (je 159 Liter) über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik raffiniert werden kann. An der US-Golfküste sind mehrere Raffinerien auf solches Rohöl spezialisiert.
Industrie muss wieder aufgebaut werden
Trotz der enormen Reserven ist die Ölproduktion mit rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag derzeit recht niedrig - vor 20 Jahren wurden noch fast 3 Millionen Barrel Öl pro Tag in Venezuela gefördert. Dennoch ist Öl die wichtigste Devisenquelle des Landes. Zuletzt war China der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl.
Der Wiederaufbau der maroden venezolanischen Ölindustrie dürfte nach Einschätzung von Experten Jahre dauern und Investitionen in Milliardenhöhe erfordern. Das räumte auch Trump in dem Interview ein. "Wir werden es auf sehr gewinnbringende Weise wiederaufbauen", sagte er über Venezuela. "Wir werden Öl nutzen, und wir werden Öl nehmen. Wir senken die Ölpreise und wir werden Venezuela Geld geben, das sie dringend brauchen."