Wirtschaft

Deutschbanker kaufen Maßanzüge Verärgerter Sewing klingelt durch

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Mitarbeiter eines teuren Schneiders verlassen die Deutsche-Bank-Zentrale in London.

(Foto: REUTERS)

Während im Londoner Hauptquartier der Deutschen Bank die ersten Kündigungen ausgesprochen werden, bestellen zwei Banker Maßschneider ins Haus. Konzernchef Sewing ruft die Manager an - und versichert, dass sie das Gespräch nicht vergessen werden.

Die Deutsche Bank hat vor rund sieben Jahren den Kulturwandel ausgerufen und noch immer bleibt hier offensichtlich jede Menge zu tun. Jüngstes Beispiel: Als am vergangenen Montag Hunderte Banker ihre Büros räumen mussten, verließen zwei Mitarbeiter des Edel-Schneiders Fielding & Nicholson die Zentrale. Sie hatten Maß an hochrangigen Managern genommen. Das verärgerte Vorstandschef Christian Sewing so sehr, dass er die Führungskräfte anrief.

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"Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die beiden Kollegen meinen Anruf nicht vergessen werden", sagte Sewing dem "Handelsblatt". Ihm fehle jegliches Verständnis für die Order von Maßanzügen. "Am gleichen Tag mussten wir vielen Mitarbeitern im Aktienhandel sagen, dass sie gehen müssen, weil wir ihre Abteilung schließen." Dass jemand an so einem Tag Schneider kommen lässt, sei respektlos. Ein Anzug des Schneiders kostet dem "Guardian" zufolge umgerechnet mindestens 1300 Euro.

"Dieses Verhalten steht in keiner Weise im Einklang mit unseren Werten", sagte Sewing. Auf die Frage, ob der Vorfall Konsequenzen haben werde, antwortete er: "Wenn Sie es als Konsequenz ansehen, dass der Vorstandschef persönlich bei den Kollegen anruft und mit ihnen darüber spricht, dann ja."

Beim angestrebten Kulturwandel sieht Sewing die Bank noch nicht am Ziel. "Wir als Führungskräfte müssen aufmerksam bleiben. Denn es passieren immer noch Dinge, die uns nicht gefallen können. Da müssen wir sofort eingreifen und gegensteuern", sagte er. Insgesamt attestierte Sewing der Deutschen Bank aber Fortschritte beim Kulturwandel. "Uns holen allerdings immer wieder Vorfälle aus der Vergangenheit ein - und die werden in der Öffentlichkeit so wahrgenommen, als seien sie Gegenwart. Dabei gab es in den vergangenen zwei, drei Jahren keine großen neuen Fälle mehr. Das zeigt mir, dass unsere Bank sich ändert."

Quelle: n-tv.de, jga/dpa/rts

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