Wirtschaft

Strafe für US-Drogenepidemie Verhasster Pharmakonzern kurz vor Insolvenz

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Purdue hat seit der Einführung im Jahr 1996 mehr als 35 Milliarden Dollar mit Oxycontin verdient.

(Foto: AP)

Der Opioid-Hersteller Purdue gilt in den USA als Hauptverursacher der dramatischen Drogen-Krise. Die juristische Aufarbeitung könnte die Eignerfamilie Sackler nicht nur Milliarden kosten, sondern auch mit der Insolvenz des Unternehmens enden.

In den USA sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast 400.00 Menschen an den Folgen von Opioid-Missbrauch gestorben. Allein im Jahr 2017 verzeichnen die USA rund 48.000 Todesfälle. Hauptschuldige an dieser Opioid-Krise sind laut Kritikern das Pharmaunternehmen Purdue und dessen Eignerfamilie Sackler. Im Prozess um die Aufarbeitung der Drogenepidemie zeichnet sich eine Einigung ab, die das Ende des Konzerns in seiner jetzigen Form bedeuten würde.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Risiken opiathaltiger Schmerzmittel verschleiert und das massenhafte Verschreiben der Medikamente befördert zu haben. Der Hersteller des Schmerzmittels Oxycontin soll jetzt laut einem Medienbericht zu einer Milliardenzahlung bereit sein, um einen Großprozess zu vermeiden - mit schwerwiegenden Folgen.

Es gehe um eine Gesamtsumme von zehn bis zwölf Milliarden Dollar, zitiert die "New York Times" zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Davon solle die Familie drei Milliarden Dollar aus ihrem Privatvermögen zahlen. Der Großteil der Mittel würde aus der Umstrukturierung des Unternehmens im Rahmen eines Insolvenzantrags stammen, der den Konzern in eine öffentlich-rechtliche Stiftung verwandeln würde.

Umsatz erstmals unter einer Milliarde Dollar

Damit könnten alle künftigen Einnahmen, einschließlich des Opioid-Schmerzmittels Oxycontin, an die Kläger gehen. Zusätzlich zu den drei Milliarden Dollar würden die Sacklers ein weiteres Pharmaunternemen verkaufen und damit weitere 1,5 Milliarden Dollar zur Entschädigungszahlung beitragen. Der Vorschlag umfasse ebenfalls die Spende von Medikamenten zur Behandlung von Süchtigen und eines Opioid-Überdosis-Gegenmittels, die das Unternehmen entwickelt.

Die Vergleichsgespräche laufen seit Monaten. In Cleveland werden fast 2300 Verfahren zusammengeführt, bei denen Bundesstaaten, Städte und weitere Kläger Entschädigungszahlungen fordern. Purdue will eine sogenannte globale Einigung erreichen, die alle Klagen beenden würde. Sollte es dazu kommen, würde Purdue sofort Insolvenz anmelden und unter Aufsicht eines Konkursrichters stehen. Künftig würde ein unabhängiges Kuratorium gemeinsam mit dem Vorstand alle Entscheidungen darüber treffen, was mit den Einnahmen von Purdue passieren soll. Die Familie verliert damit den Konzern, der seit der Gründung in den 1950er-Jahren in ihrem Besitz ist.

Purdue steht schon lange finanziell unter Druck. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen gesamten Außendienst abgebaut und beschäftigt nur noch 500 Mitarbeiter, gegenüber rund 1700 noch im Jahr 2017, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Es werde erwartet, dass dieses Jahr der Umsatz zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt unter eine Milliarde Dollar falle.

Auslöser für Opioid-Krise

Purdue hat seit der Einführung im Jahr 1996 mehr als 35 Milliarden Dollar mit Oxycontin verdient. Obwohl der Pharmakonzern einen relativ kleinen Anteil am Opioidmarkt in den Vereinigten Staaten hält, wird die Einführung des verschreibungspflichtigen Schmerzmittels und die Verkaufstaktik dahinter weithin als Auslöser für die Krise angesehen.

Der Druck wird immer größer. Eine mögliche Insolvenz des Unternehmens ist bereits seit Anfang dieses Jahres im Gespräch. Doch die Familie fürchtet nicht nur rechtliche Konsequenzen - längst fürchten die Sacklers auch um ihren Ruf. In einem Interview mit der "Vanity Fair" äußerte sich zuletzt David Sackler. Seine Familie werde "endlos gegeißelt", sie habe die Krise nicht ausgelöst.

Quelle: n-tv.de, jki

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