Wirtschaft

Milliarden-Fusion den USA Verizon streckt die Hand nach Kabel-Riesen

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(Foto: REUTERS)

Der Telekom-Konzern Verizon will sich mit dem Kabel-Anbieter Charter stärken. Bei einem Erfolg der neue Konzern zum Rivalen AT&T aufschließen. Allerdings hatte sich US-Präsident Trump früher wenig begeistert von Mega-Fusionen gezeigt.

In den USA deutet sich eine Großfusion in der Telekom- und Medienbranche an: Verizon Communications prüft offenbar den Zusammenschluss mit Charter Communications. Informierte Personen berichten, dass Verizon-Chef Lowell McAdam einen ersten Anlauf bei dem Rivalen unternommen habe und derzeit mit Beratern ausführlich eine mögliche Transaktion evaluiere.

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Eine Fusion würde zwei Großkonzerne zusammenbringen, die sich in der rasant entwickelnden Branche nach Wachstumsmöglichkeiten umsehen. Derzeit sei ungewiss, so die Informanten, ob es zu einem Deal komme. Unklar sei auch, ob Charter-Chef Tom Rutledge einer Transaktion mit Verizon offen gegenüberstehen würde, nicht zuletzt wegen der komplizierten Eigentümerstruktur von Charter. Unter anderem ist Kabelmogul John Malone bei dem US-Unternehmen mit an Bord. 

Verizon kommt auf eine Marktkapitalisierung von 194 Milliarden US-Dollar und hat mehr als 100 Milliarden Dollar an Schulden. Charter ist aktuell an der Börse rund 85 Milliarden Dollar wert. Bei einem Zusammenschluss würden Verizons mehr als 114 Millionen Handy-Vertragskunden mit den rund 17 Millionen TV-Kunden sowie etwa 21 Millionen Breitbandabonnenten von Charter kombiniert.

Sowohl Verizon als auch Charter müssen in ihrem jeweiligen Kerngeschäft ziemlich stark kämpfen. Das Wachstum im US-Handymarkt hat sich verlangsamt und der Preisdruck frisst an den Gewinnen. Außerdem ist das Kabelfernsehen unter anderem durch Over-the-Top-Videodienste in die Bredouille geraten.

Verizon schielt auch auf Yahoo-Teile

Ein möglicher Deal wäre ein immenser Lackmustest für die Kartellwächter unter dem neuen Präsidenten Donald Trump. Dieser hatte im Wahlkampf ziemlich stark gegen die Konsolidierungswelle in den Medien gewettert. Im Oktober kündigte er ein Veto für den 85,4 Milliarden US-Dollar schweren Kauf Time Warners durch AT&T an. Seine Begründung: Zu viel Macht liege dann in den Händen von zu wenigen. Seit der Wahl hat er sich aber zu diesem Thema nicht mehr geäußert. Viele Strippenzieher für Fusionen und Übernahmen hoffen, dass die Republikaner Konsolidierungen wohlwollender gegenüberstehen als die bisher regierenden Demokraten. 

Jede Transaktion, bei der es um Charter geht, braucht grünes Licht von Malone. Seine Liberty hält 25 Prozent der Stimmrechte. Allerdings hatte der Tycoon schon angekündigt, dass er mit seinen restlichen Anteilen im Kabelgeschäft nicht verheiratet sei und zum richtigen Preis verkaufen würde.

Mit einem Kauf von Charter würde Verizon ein wenig mehr wie AT&T aussehen. Der Konkurrent mauserte sich vor zwei Jahren zum größten US-Bezahlfernsehanbieter, nachdem er den Satellitenkonzern DirecTV für 49 Milliarden Dollar geschluckt hatte. Damit kommt AT&T jetzt auf rund 25 Millionen TV-Kunden und mehr als 91 Millionen Telefon-Abonnenten.

Verizon will auch das Yahoo-Kerngeschäft mit Online-Werbung, der Suchmaschine sowie Mail- und Messenger-Diensten für 4,8 Milliarden Dollar übernehmen. Nach Bekanntwerden von zwei beispiellosen Hackerangriffen bei Yahoo hängt das Geschäft aber in der Schwebe. Experten gehen zwar nicht davon aus, dass Verizon die Transaktion abbläst, es wird aber erwartet, dass der Konzern einen spürbaren Preisnachlass durchsetzt.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ