Wirtschaft

Aktionär klagt auf Schadenersatz Vermögen von Ex-Wirecard-Chef eingefroren

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Markus Braun sitzt wegen des Bilanzskandals bei Wirecard in Untersuchungshaft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der ehemalige Wirecard-Vorstand Markus Braun muss um sein Privatvermögen bangen. Ein Aktionär verklagt den in U-Haft sitzenden Manager des insolventen Zahlungsabwicklers auf Schadenersatz. Um eine Zwangsvollstreckung zu gewährleisten, verhängt ein Gericht nun Vermögensarrest.

Ein Wirecard-Aktionär hat vom vormaligen Vorstandschef Markus Braun persönlich Schadenersatz gefordert und beim Oberlandesgericht München einen Vermögensarrest erreicht. Das Gericht erklärte in seinem Beschluss, eine vorsätzliche Schädigung des Aktionärs durch Braun sei ausreichend wahrscheinlich. Zur Sicherung der Zwangsvollstreckung wegen der Forderung auf 20.000 Euro Schadenersatz ordnete das OLG "dinglichen Arrest in das gesamte Vermögen des Antragstellers" an. Der in Untersuchungshaft sitzende Manager könne den anteiligen Vermögensarrest allerdings durch Hinterlegung der geforderten Summe plus Zinsen außer Vollzug setzen.

Der Aktionär - ein Münchner Rechtsanwalt - hatte vor einem Jahr für rund 27.000 Euro Wirecard-Aktien gekauft und kurz vor der Insolvenz im Juni für gut 4000 Euro verkauft. Er sagte der dpa: "Jeder Aktionär kann versuchen, Vermögen von Dr. Braun anteilig einzufrieren." Braun habe wenige Tage vor der Insolvenz eigene Aktienpakete in Millionenwert verkauft und dürfte Immobilien im In- und Ausland haben, sagte der Rechtsanwalt.

Merkel verteidigt Werben für Wirecard bei China-Reise

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und Insolvenz angemeldet. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Unterdessen hat Kanzlerin Angela Merkel ihren Einsatz für Wirecard bei einer China-Reise vor einem Jahr verteidigt. "Es ist Usus, nicht nur in Deutschland, dass man bei Auslandsreisen natürlich die Anliegen von Unternehmen auch anspricht. Das macht man nicht nur in China, das gibt's auch bei anderen Auslandsreisen natürlich", sagte Merkel bei ihrer Sommer-Pressekonferenz in Berlin. Die Kanzlerin hatte im September 2019 in China bei der Pekinger Führung für den geplanten Markteintritt des Konzerns in der Volksrepublik geworben. Damals seien die Unregelmäßigkeiten bei Wirecard noch nicht bekannt gewesen, sagte Merkel, die aber auch betonte: "Das, was da passiert ist, muss natürlich aufgeklärt werden, das ist klar."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa