Wirtschaft

Ein Jahr Wirtschaft im Lockdown Vom Lebenstraum bleibt nur ein Schuldenberg

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Eine Insolvenz muss keineswegs das Ende, sondern kann auch der Beginn einer nachhaltigen Sanierung für ein Unternehmen sein.

(Foto: AP)

Die Pandemie hat das Lebenswerk Tausender Unternehmer zerstört, Vermögen an den Börsen vernichtet und neu geschaffen, Millionen Arbeitsplätze unsicher gemacht und Deutschlands so solide Staatsfinanzen erschüttert. Unter anderem. Ein Jahr nach Beginn des bis dahin Undenkbaren, einem staatlich verordneten Shutdown großer Teile der Wirtschaft, zieht ntv.de eine Bilanz in Schlaglichtern. Die erste Folge handelte von Millionen Aktien-Neulingen und ntv-Börsenveteran Frank Meyer. Die zweite Folge erklärt, warum es kein Grund zur Freude ist, dass die befürchtete Pleitewelle ausgeblieben ist:

Immer wieder hatte sie es "durchkalkuliert, gerechnet, überlegt und nach neuen Einnahmemöglichkeiten gesucht", doch dann war Sabine Claßen klar: Ihr Bus-Unternehmen ist pleite, ihr "Lebenstraum", den sie sich vor fünf Jahren verwirklicht hatte, geplatzt. Dabei lief das Geschäft gut. Bis nach Skandinavien fuhr die "Busfahrerin mit Leib und Seele" Reisegruppen. Doch dann kam Corona. Im ersten Lockdown stand ihr Bus vollständig still und auch die Hoffnung auf einen Aufschwung danach erfüllte sich nicht. Als sie die Raten für ihren Bus nicht mehr aufbringen konnte, stellte die Bank des Herstellers sofort den gesamten Kredit fällig. Damit waren insgesamt 350.000 Euro Schulden bei der Unternehmerin aufgelaufen, wie sie ntv erzählt.

Eine Aussicht, diese Summe je abbezahlen zu können, bestand nicht mehr. Auf Raten ihres Anwalts meldete Claßen im Sommer 2020 Insolvenz an.

Ähnlich wie Claßen ergeht es in der Krise Hunderttausenden Unternehmern und Unternehmerinnen, deren Geschäft monatelang praktisch stillsteht in der Pandemie. Verbände etwa der Einzelhändler oder Gastronomen berichten, dass ein Großteil der Branchenunternehmen akut um ihre Existenz bangen. Allerdings meldeten "nur" 16.300 Unternehmen 2020 Insolvenz an. Das sind so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr. Für dieses Paradox in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten hat der Staat gesorgt: zum einen mit Milliardenhilfen. Da diese nicht sofort alle Betroffenen erreichen, hat der Gesetzgeber zudem die Pflicht, Insolvenzanträge zu stellen, zuerst weitgehend und dann zumindest teilweise ausgesetzt.

Viele Fachleute halten es nicht für eine gute Nachricht, dass der Staat Insolvenzen auf diese Weise nun seit über einem Jahr verhindert. Denn diese vermeintliche Hilfe führt dazu, dass viele Unternehmer nicht wie Bus-Unternehmerin Claßen die Notbremse ziehen, sondern weiter Monat für Monat hohe Schulden auftürmen und im schlimmsten Fall als Zombie-Firmen am Ende auch gesunde Partnerunternehmen, Gläubiger oder Kunden mit in den Abgrund reißen könnten.

Dabei, so betonte etwa der Vorsitzende des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands, Christoph Niering, im Interview mit ntv.de, böte betroffenen Unternehmern gerade ein Insolvenzverfahren häufig die beste Chance auf eine nachhaltige Sanierung und einen Neuanfang. Diese Chance ergreifen in der Corona-Krise allerdings nur wenige.

Mehr zum Insolvenzparadox in der Corona-Krise lesen Sie in der ausführlichen Berichterstattung von ntv.de:

Quelle: ntv.de, mbo

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