Wirtschaft

Warren Buffet warnt Vorsicht bei Aktienrückkäufen

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Apple kauft eigene Aktien im Wert von 100 Milliarden Dollar zurück.

(Foto: REUTERS)

US-Firmen kaufen dieses Jahr so viele eigene Aktien zurück wie noch nie. Die Rekordkurse an der Wall Street scheinen ihnen Recht zu geben. Doch diese Maßnahme ist nicht so gut wie ihr Ruf.

Allein in diesem Jahr werden amerikanische Firmen für schätzungsweise 1000 Milliarden US-Dollar eigene Aktien kaufen. Damit wird der Rekord aus dem Jahr 2007 deutlich übertroffen. Damals hatten sich die Aktienrückkaufprogramme in den Vereinigten Staaten auf 589 Milliarden Dollar summiert. Allein der Technologie-Konzern Apple hat ein Programm mit einem Volumen von 100 Milliarden US-Dollar aufgelegt. Das ist mehr als die sieben kleinsten Dax-Konzerne - von Eon bis Lufthansa - zusammen wert sind.

Für die Beliebtheit von Aktienrückkaufprogrammen gibt es mehrere Gründe: Die US-Unternehmen schwimmen in Geld. Ihre Gewinne befinden sich auf Rekordniveau. Dazu kommt die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, die die Firmen deutlich entlastet und darüber hinaus die Rückführung von den im Ausland liegenden immensen Geldbeträgen geringversteuert ermöglicht. Außerdem sind Aktienrückkäufe in den USA steuerlich besser als Dividenden gestellt.

Nicht nur die Aktionäre, auch die Mitarbeiter fahren in den Vereinigten Staaten mit Aktienrückkaufprogrammen besser als mit Dividenden, da deren Ausschüttung den Wert ihrer Aktienoptionsprogramme schmälern würde. Denn mit den Dividendenzahlungen fließt Geld aus den Unternehmen, was bei den Aktienkursen zu entsprechenden Abschlägen am Auszahlungstag führt. Rückkäufe steigern dagegen die Nachfrage nach den entsprechenden Papieren und wirken grundsätzlich kurstreibend, wovon auch entsprechende Aktienoptionen profitieren.

Insider verkaufen

Schließlich orientieren sich häufig die Vergütungsmodelle der Top-Manager am Gewinn je Aktie. Da sich der Gesamtprofit eines Unternehmens bei Rückkaufprogrammen auf weniger Aktien als zuvor verteilt, steigt der Gewinn je Aktie, selbst wenn die Firma insgesamt nicht mehr verdient als zuvor. Das Gehalt der Manager steigt. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der amerikanischen Börsenaufsicht, die die Rückkaufprogramme der zurückliegenden 18 Monate untersucht hat. In der Hälfte der Fälle hat mindestens ein Vorstandsmitglied kurz nach Ankündigung eines Kaufprogramms selbst Aktien verkauft. Während das Unternehmen also eigene Anteilsscheine erwerben soll, trennen sich die Top-Manager von ihren Beständen. Vertrauen in eine rosige Zukunft des eigenen Unternehmens sieht anders aus.

Vor allem am Timing von Aktienrückkäufen stört sich auch Warren Buffett. Grundsätzlich hält die Investorenlegende zwar viel von entsprechenden Programmen - aber nur dann, wenn die Unternehmen ihre eigenen Aktien kaufen, wenn sie preiswert sind. Das ist jedoch vor allem bei den fixen Programmen, die üblich sind, keineswegs sichergestellt. Buffett glaubt vielmehr, dass viele Unternehmen beim Timing schiefliegen: "Viele Führungskräfte entscheiden nur, dass sie x Milliarden in x Monaten zurückkaufen werden. So kauft man nicht. Man kauft, wenn der Preis günstig ist."

Doch genau daran sind derzeit Zweifel erlaubt. Denn sowohl der Dow Jones als auch der breiter gefasst S&P 500 notieren auf Rekordniveau. Dasselbe gilt für die Technologiebörse Nasdaq. Die Bewertungen, wie das gängige Kurs-Gewinn-Verhältnis, liegen zum Teil deutlich über den Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre.

Negativbeispiel IBM

Wie sich mit Aktienrückkaufprogrammen Geld vernichten lässt, veranschaulicht IBM. Der amerikanische Technologiekonzern hat seit 1995 sage und schreibe 162 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben. Der Börsenwert von IBM beläuft sich aktuell auf weniger als 140 Milliarden Dollar. Hätte der Konzern das Geld einfach zur Seite gelegt, wäre allein der Cashbetrag mehr wert als der gesamte Konzern.

Nun sollen Aktienrückkaufprogramme nicht generell verteufelt werden. Sie können durchaus Sinn ergeben - vor allem dann, wenn das Management ermächtigt ist, ob und wann es Aktien vom eigenen Unternehmen kauft. Nach Buffet sollte die Aktie unter ihrem inneren Wert, auch Substanzwert genannt, notieren. Dieser entspricht den Vermögenswerten und den stillen Reserven eines Unternehmens. Aber genau das ist häufig bei Aktienrückkaufprogrammen nicht der Fall.

Zu den wesentlichen Aufgaben eines Managements gehört es, für verschiedene Maßnahmen den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Häufig bringt es langfristig mehr, in das Wachstum des eigenen Geschäfts zu investieren als einfach Aktien zu kaufen. Auch etwas Puffer in der Bilanz schadet nicht – die nächste Krise kommt bestimmt.

Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der Fiduka.

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Quelle: n-tv.de