Ölpreis zieht weiter anWall Street schließt trotz starker Unternehmensbilanzen schwächer

Zunächst stützen robuste Konjunkturdaten und die anhaltende Begeisterung für KI die Kurse. Doch Sorgen über die Entwicklung im Nahen Osten überwiegen. Im späten Handel weiten die Aktienmärkte ihre Verluste aus. Ein Konzern steht nach einer Chefwechsel-Ankündigung unter Druck.
Die Wall Street hat am Dienstag nachgegeben. Erneute Sorgen über die Entwicklung im Iran-Krieg überwogen den anfänglichen Optimismus der Anleger über eine Reihe starker Unternehmensbilanzen. Alle drei großen Indizes schlossen am Ende 0,6 Prozent schwächer. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stand damit bei 49.149 Zählern, der breiter gefasste S&P 500 bei 7064 Zählern und der Index der Technologiebörse Nasdaq bei 24.260 Stellen.
Die Aktienmärkte weiteten ihre Verluste im späten Handel aus, nachdem Berichte aufkamen, wonach US-Vizepräsident JD Vance seine Reise zu Friedensgesprächen nach Pakistan abgesagt hat. Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump noch gesagt, Vance werde binnen weniger Stunden in Pakistan sein. Die Börsen hatten in den vergangenen Wochen in der Hoffnung auf ein baldiges Friedensabkommen zugelegt.
Ein ranghoher iranischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Iran könne an Gesprächen mit den USA in Pakistan teilnehmen, falls die US-Regierung ihre Politik des Drucks und der Drohungen aufgäbe. Verhandlungen, die auf eine Kapitulation abzielten, lehne Teheran jedoch ab.
"Der unberechenbare Faktor ist in der Tat, was mit dem Iran passiert", sagte Thomas Martin, Portfoliomanager bei Globalt Investments. Niemand wisse dies, und es sei verblüffend, dass die Menschen glaubten, alles werde gut gehen.
Zuvor hatten robuste Konjunkturdaten und die anhaltende Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) die Kurse zeitweise gestützt. Die US-Einzelhandelsumsätze stiegen im März um 1,7 Prozent und damit so stark wie seit März 2025 nicht mehr. Volkswirte hatten mit einem Plus von 1,4 Prozent gerechnet. Der Krieg mit dem Iran trieb die Benzinpreise in die Höhe und führte zu einem Rekordanstieg der Einnahmen an den Tankstellen.
Gleichzeitig sorgten positive Unternehmensbilanzen für Zuversicht. LSEG-Daten zufolge liegen die Gewinnerwartungen für das erste Quartal bei rund 14 Prozent. Unter den Einzelwerten stachen UnitedHealth hervor. Der Gesundheitskonzern hob seine Jahresgewinnprognose an und übertraf die Erwartungen der Wall Street für das erste Quartal, was den Dow Jones maßgeblich stützte.
Der S&P-Energiesektor verzeichnete wegen der durch die Nahost-Spannungen gestiegenen Rohölpreise die stärksten Gewinne. Die Öl-Sorte Brent verteuerte sich am Dienstag pro Fass um rund vier Prozent auf knapp 100 Dollar. Apple gaben dagegen nach. Der Technologiekonzern hatte mitgeteilt, dass Vorstandschef Tim Cook die Führung an den langjährigen Hardware-Chef John Ternus übergeben werde.
Im Blickpunkt stand zudem die Anhörung von Kevin Warsh, dem von US-Präsident Donald Trump nominierten Kandidaten für den Vorsitz der US-Notenbank Fed. Warsh erklärte vor dem Senat, er habe Trump keine Zinssenkungen versprochen. Er versicherte, unabhängig vom Weißen Haus zu agieren. Der republikanische Senator Thom Tillis kündigte jedoch an, Warshs Bestätigung zu blockieren, bis das Justizministerium eine Untersuchung gegen den amtierenden Fed-Chef Jerome Powell einstellt. Diese gefährde die Unabhängigkeit der Zentralbank, sagte Tillis. Die Blockade könnte Auswirkungen auf die Geldpolitik haben, zumal Trump gedroht hat, Powell zu entlassen, sollte dieser nach dem Ende seiner Amtszeit im Mai nicht freiwillig zurücktreten.