KI-Branche profitiertWall Street setzt Trend fort - aber alle Augen auf Nvidia

Die positive Tendenz an der Wall Street setzt sich zur Wochenmitte fort. Neben den nach Börsenschluss erwarteten Zahlen von Nvidia kann der große SAP-Rivale Salesforce kräftig vom KI-Push profitieren.
An den US-Börsen herrschte am Mittwoch vor den als Lackmustest für die KI-Branche geltenden Zahlen von Nvidia gute Stimmung. Gestützt auf Kursgewinne bei Technologiewerten erreichten der S&P 500 und der Nasdaq ihre höchsten Stände seit zwei Wochen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,6 Prozent auf 49.482 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,3 Prozent auf 23.152 Zähler vor und der breit gefasste S&P 500 legte 0,8 Prozent auf 6946 Stellen zu.
"Der Fokus auf KI wird bis zur Bekanntgabe der Nvidia-Zahlen anhalten", sagte Bob Savage, Stratege bei BNY. "Insgesamt hat das Ausbleiben neuer Nachrichten zur weltweiten Stabilisierung der Märkte beigetragen." US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag in seiner Rede zur Lage der Nation auf weitere Zolldrohungen verzichtet. Am selben Tag trat ein von Trump verhängter vorübergehender globaler Zoll von zehn Prozent in Kraft. Der Oberste Gerichtshof hatte in der vergangenen Woche die meisten der von ihm im Vorjahr auf einer anderen Rechtsgrundlage verhängten Zölle für ungültig erklärt.
SAP-Rivale Salesforce mit Rekordergebnis
Eine gestiegene Nachfrage nach KI-gestützter Firmensoftware hat Salesforce zu überraschend starken Geschäftszahlen verholfen. Daraufhin kündigte der SAP-Rivale am Mittwoch einen 50 Milliarden Dollar schweren Aktienrückkauf an und erhöhte die Zwischendividende auf 0,44 Dollar je Aktie. "Wir haben ein phänomenales Quartal zum Abschluss eines Rekordgeschäftsjahres hingelegt", sagte Konzernchef Marc Benioff. Die jährlichen wiederkehrenden Umsätze mit der KI-Plattform Agentforce seien um fast 170 Prozent auf 800 Millionen Dollar gestiegen.
Aktien des Chipherstellers Nvidia legten im Vorfeld der nach Börsenschluss erwarteten Bilanz um 1,4 Prozent zu. KI-Investoren erhoffen sich Hinweise, dass sich die Investitionen der großen Technologiekonzerne in Künstliche Intelligenz (KI) für Nvidia auszahlen. Da Nvidia die Prognosen in den vergangenen 13 Quartalen regelmäßig übertroffen hat, dürfte der Markt auf noch bessere Zahlen hoffen. Börsianern zufolge hat vor allem der Ausblick das Potenzial, für einen gehörigen Dämpfer zu sorgen. "Verfehlt Nvidia in irgendeiner Art und Weise die Schätzungen, könnte nicht nur der Aktienkurs des Big-Tech-Konzerns unter die Räder geraten, auch der gesamte Aktienmarkt würde darunter leiden", sagte IG-Analyst Christian Henke.
Für mehr Zuversicht bei den Tech-Investoren sorgte zuletzt das KI-Start-up Anthropic mit neuen Software-Werkzeugen, die Geschäftskunden bei Aufgaben im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung unterstützen sollen. Eine andere KI-Anwendung von Anthropic für juristische Aufgaben hatte zuletzt einen massiven Ausverkauf bei Software-Aktien ausgelöst. Anleger befürchteten, dass die KI-gestützte Automatisierung große Teile der Einnahmequellen traditioneller Anbieter untergraben könnte. Der Ausverkauf hatte binnen sechs Handelstagen weltweit einen Börsenwert von 830 Milliarden Dollar vernichtet.
Zollbelastungen machten dem weltgrößten Hersteller von Solarmodulen First Solar zu schaffen. Er prognostizierte einen Jahresumsatz unter den Erwartungen. Die Aktien büßten 13,6 Prozent ein. Steigende US-Ausgaben für Sicherheit lassen hingegen beim Taser-Hersteller Axon die Kassen klingeln. Nach einem überraschend starken vierten Quartal legten die Aktien um 17,6 Prozent zu.
Nach einem von Simbabwe verhängten Exportstopp für Lithiumkonzentrate erhielten Aktien von in den USA notierten Lithiumproduzenten Auftrieb. Die Papiere von Albemarle stiegen um 4,8 Prozent, Sigma Lithium kletterten um 29,9 Prozent, während Lithium Americas um 1,4 Prozent anzogen. Simbabwe setzte die Ausfuhr aller Rohmineralien und Lithiumkonzentrate mit sofortiger Wirkung aus, nachdem die Regierung Missstände beim Export der Mineralien festgestellt hatte. Der größte Teil des Konzentrats wird zur Weiterverarbeitung für Batteriematerialien nach China exportiert.