Wirtschaft

53 Milliarden Dollar schwer Warum Bloomberg viel reicher als Trump ist

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Gerne lässt der Milliardär fallen, dass er wirtschaftlich viel erfolgreicher war als Trump. Jetzt will Bloomberg es auch politisch mit dem Präsidenten aufnehmen.

(Foto: REUTERS)

Finanziell stellt Bloomberg den US-Präsidenten mühelos in den Schatten. Das Vermögen des Medienmoguls und früheren New Yorker Bürgermeisters übertrifft das von Trump um ein Vielfaches. Doch wie ist der 77-Jährige so unverschämt reich geworden?

Milliardär, Philanthrop, Politiker: Michael Bloomberg rechnet sich als Kandidat der Demokraten Chancen aus, US-Präsident Donald Trump bei der Wahl im November 2020 besiegen zu können. Der 77-Jährige will eine zweite Amtszeit von Trump unbedingt verhindern - koste es, was es wolle. Die Ankündigung seiner Bewerbung glich einer Kampfansage an den republikanischen Amtsinhaber: "Wir können uns weitere vier Jahre mit rücksichtslosen und unmoralischen Handlungen von Präsident Trump nicht erlauben. Er bedeutet eine existenzielle Bedrohung für unser Land und unsere Werte."

Der vor Selbstvertrauen strotzende Bloomberg wird nicht müde zu betonen, dass er wirtschaftlich viel erfolgreicher war als Trump. Der Unternehmer kann auf sein Image als erfolgreicher Selfmademann bauen: Das Magazin "Forbes" schätzt das Vermögen des Medienmoguls und früheren New Yorker Bürgermeisters auf mehr als 53 Milliarden Dollar. Er ist damit die achtreichste Person in den USA - und zudem 17 Mal reicher als Trump.

Doch wie ist Bloomberg zu seinem Vermögen gekommen? 1942 als Kind einer jüdischen Mittelklasse-Familie geboren, heuerte er nach seinem Studium an der John-Hopkins-Universität und einem Harvard-Abschluss in den 1960er-Jahren bei der Investmentbank Salomon Brothers an. Dort machte er Karriere, wurde Leiter des Aktienhandels und Technologie-Chef.

Personifizierung des amerikanischen Traums

Als Investoren 1981 seinen Arbeitgeber kauften, warfen sie Bloomberg raus. Mit seiner Abfindung von zehn Millionen Dollar gründete er die nach ihm benannten Agentur für Finanznachrichten - und revolutionierte damit die Börsenwelt: Händler bekommen viel schneller Zugang zu Informationen über Unternehmen und Märkte. Um Echtzeit-Informationen anbieten zu können, brachte Bloomberg ein System vernetzter Computer auf den Markt, die sogenannten Bloomberg-Terminals.

Einen Großteil des Jahresumsatzes in Höhe von zehn Milliarden Dollar macht Bloomberg LP mit diesen Terminal Abonnements. Für etwas mehr als 20.000 Dollar pro Jahr erhalten Bloomberg-Kunden entweder ein physisches Gerät oder eine Computersoftware, die den Zugriff auf eine Vielzahl von Echtzeit-Finanzmarktdaten ermöglicht. Das Terminal informiert über Zinssätze von obskuren Anleihen bis hin zur aktuellen Nutzung von Öllagertanks. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, andere Terminalnutzer zu kontaktieren. Diese Dienstleistungen sind für viele Nutzer so wichtig, dass es weltweit über 300.000 Terminal-Abonnement gibt. Bis heute ist Bloomberg Marktführer. Für das Unternehmen arbeiten nach Firmenangaben rund 20.000 Menschen in 120 Ländern.

Als Milliardär wagte sich Bloomberg 2001 erstmals in die Politik und kandidierte für die Nachfolge des New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani. Rund zwei Monate nach den Anschlägen vom 11. September gewann er knapp. Wahlkampfkosten hatte er aus eigener Tasche getragen, nach seinem Amtsantritt begnügte er sich mit einem symbolischen Ein-Dollar-Gehalt. Dem Vernehmen nach würde Bloomberg auch als Präsidentschaftskandidat keine Spenden annehmen wollen, sondern alle Ausgaben selbst tragen.

Bloomberg ist in wirtschaftlichen Fragen eher konservativ, in gesellschaftlichen Fragen liberal. Als politisch moderater Demokrat macht er sich stark für strengere Waffengesetze, den Kampf gegen den Klimawandel, Gesundheitsreformen und bessere Schulen. Zudem steht er im Ruf, sich für eine unternehmensfreundliche Wirtschaftspolitik einzusetzen, die das Wachstum fördert - was ihm an der linken Parteibasis schaden könnte, bei Wählern der Mitte aber Stimmen einbringen dürfte.

Reichtum als Angriffsfläche

Der geschiedene Vater von zwei Töchtern ist zudem als großzügiger Spender bekannt. Im vergangenen Jahr spendete er seiner früheren Universität 1,8 Milliarden Dollar und er hat sich der Initiative The Giving Pledge angeschlossen, bei der Superreiche versprechen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für gute Zwecke abzugeben.

Sein Reichtum bietet aber auch Angriffsflächen - gerade in der zuletzt nach links gerückten Demokratischen Partei. Elizabeth Warren und Bernie Sanders, die immer wieder die Auswüchse der Wall Street attackieren, dürften ihn als abgehobenen Milliardär darstellen. Sie haben ihm schon vorgeworfen, sich die Präsidentschaft erkaufen zu wollen.

Dabei entschuldigte sich Bloomberg erst kürzlich, weil er als New Yorker Bürgermeister umstrittene Polizeikontrollen unterstützte, die vor allem auf schwarze und hispanische Bewohner abzielten. Sie werden bei der Wahl 2020 eine wichtige Rolle spielen. Bloomberg ist zudem sehr spät in das Präsidentschaftsrennen eingestiegen. In weniger als drei Monaten findet die erste Vorwahl der Demokraten statt, zehn Anwärter haben bereits das Handtuch geschmissen. Mit jetzt 18 Politikern ist das Bewerberfeld immer noch dicht gedrängt.

Quelle: n-tv.de, jki/dpa/AFP