Wirtschaft

Jetzt noch einsteigen? Warum der Goldpreis durch die Decke geht

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In Krisenzeiten gilt Gold als sicherer Hafen.

(Foto: imago/Xinhua)

Der Goldpreis erreicht bisher unerreichte Höhen und nähert sich der Marke von 2000 US-Dollar. Es sieht derzeit danach aus, dass der Höhenflug angesichts der Corona-Krise weitergeht.

Der Goldpreis scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Die Feinunze erreicht ein neues Allzeithoch von 1944 US-Dollar - die Marke von 2000 Dollar ist in Reichweite. Seit Jahresbeginn hat der Preis damit um 23,5 Prozent zugelegt, seit dem Corona-Tief Mitte März knapp 32 Prozent. Was ist da nur los?

Gold, Feinunze
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Für den Rekordkurs gibt es mehrere Gründe. Einer davon: Gold gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen und wird in unsicheren Zeiten als wertstabile Anlage geschätzt. Und da die Corona-Pandemie offenbar wieder an Fahrt gewinnt, nimmt die Ungewissheit wieder zu. Zwar gab es zuletzt einige Hinweise auf eine Erholung der globalen Konjunktur nach dem weltweiten Corona-Absturz. Allerdings wächst die Furcht, dass viele Länder in Europa und Asien vor einer zweiten Infektionswelle stehen - mit unerfreulichen ökonomischen Folgen. Hinzu kommt der Streit zwischen den USA und China, der mit dem Schließen zweier Konsulate einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

Der zweite wichtige Grund: Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, pumpen Notenbanken Liquidität in die Märkte, und Regierungen legen mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen nach. Angesichts dieser Geldflut rechnen einige Anleger damit, dass die derzeit niedrige Inflation in absehbarer Zeit kräftig anzieht - und Gold wird traditionell als Mittel zur Wertaufbewahrung in Zeiten hoher Inflation angesehen. Dazu trägt auch bei, dass die Zinsen niedrig sind und bisher alles darauf hindeutet, dass sich daran so schnell nichts ändert.

Zinsen bleiben wohl im Keller

Weil die Wirtschaft nur schleppend in Gang komme, dürfte es weitere Hilfspakete geben, sagt Ilya Spivak, Währungsstratege beim Finanzdienstleister DailyFX. "Die Zinsen werden wahrscheinlich nicht steigen, und deswegen wird mit höheren Teuerungsraten gerechnet." Anleger kauften "im beispiellosen Ausmaß" Gold, um sich gegen eine befürchtete Geldentwertung abzusichern, schreiben die Analysten der Commerzbank.

Der Anstieg sei sehr schnell gewesen, "möglicherweise zu schnell", heißt es weiter. Dies berge das Risiko eines Rückschlags - zumal Gold fast ausschließlich von einer extrem starken Investmentnachfrage angetrieben werde. Derzeit sind sogenannte Indexfonds unter Anlegern sehr beliebt. Diese ETFs bilden die Preisentwicklung von Gold ab. In einigen dieser Fonds hinterlegen die Indexanbieter für jeden ETF-Anteil, den Investoren kaufen, eine bestimmte Menge Gold. Die Zuflüsse in Gold-ETFs sorgen damit für eine erhöhte Nachfrage nach Gold und tragen so zum Preisanstieg bei.

Nicht nur private Anleger, auch institutionelle Investoren pumpen sehr umfangreiche Mittel in Gold-ETFs. Bei den Profis geht es nicht um Absicherung in Krisenzeiten. Diese ETFs sind für sie vielmehr ein Mittel für taktische Investments in den Goldmarkt, um am Preisanstieg teilzuhaben. Alleine die Gold-ETF-Anleger steigerten der DZ Bank zufolge ihre Nachfrage im bisherigen Jahresverlauf um 733 Tonnen, was bei Weitem den Vorjahreswert von 648 Tonnen übertrifft.

2000 Dollar im Visier

Strategen zufolge könnte der Höhenflug noch weitergehen. "Es sind die indirekten Auswirkungen des Virus auf die Wirtschaft und die tiefen Zweifel, ob wir eine V-förmige Erholung erleben werden, die den Goldpreis stützen", sagt etwa der unabhängige Analyst Ross Norman. "Wenn die Wirtschaft keine qualitativen Anzeichen einer Verbesserung zeigt, könnte man weitere Zuflüsse in den Goldpreis sehen, und er würde weiter in Richtung 2000 Dollar steigen."

Nach Ansicht der Commonwealth Bank of Australia kann der Goldpreis die Marke in nächster Zeit überwinden. Doch für diesen Sprung sei die Unterstützung der US-Notenbank nötig - etwa Gedankenspiele der Zentralbanker im Hinblick auf negative Zinsen. Das würde die derzeitigen Zinsen noch tiefer treiben und Gold damit attraktiver machen.

Quelle: ntv.de, mit rts/DJ/dpa