Wirtschaft

Wann endet die Rekordrally? Warum der Goldpreis explodieren könnte

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Immer mehr Anleger wollen nicht nur in Gold investieren, sondern sich das Edelmetall auch physisch ausliefern lassen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Viele Experten erwarten, dass das Ende der Goldrally bald erreicht sein könnte. Andere Analysten rechnen mit weiteren Steigerungen - manche sogar mit einer Vervielfachung des Preises. Denn der Terminmarkt für Gold hat sich in der Krise verändert. Das könnte zum Problem werden.

Der Goldpreis ist so hoch wie noch nie und hat - in US-Dollar gerechnet - seinen alten Rekord von 2011 gebrochen. Zwischenzeitlich wurde eine Feinunze für 1981 Dollar gehandelt. Viele Beobachter rechnen damit, dass die symbolträchtige Marke von 2000 Dollar bald fällt. Doch dazu, wie es dann weitergeht, haben die Experten teils völlig entgegengesetzte Meinungen.

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Viele Analysten erwarten, dass die Rally beim Goldpreis ihren Höhepunkt bald erreicht, zumindest wenn weitere Katastrophen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ausbleiben und die Weltwirtschaft nicht noch tiefer in die Krise gerät. Der Goldpreis erlebe wahrscheinlich noch "ein letztes Hurra", bevor er zum Jahresende wieder sinken könnte, heißt es in einer akutellen Analyse von JPMorgan.

Wenn sich die Wirtschaft auf mittlere Sicht erholt und die befürchtete Inflation ausbleibt, könnte Gold in den Augen der Anleger an Attraktivität wieder verlieren und der Preis sinken. Die Angst vor einer Entwertung des Geldes - insbesondere des US-Dollars - gilt als einer der wichtigen Treiber für den Goldpreis.

Andere Experten weisen auf die historisch niedrigen Zinsen hin, die auf absehbare Zeit im Keller bleiben dürften. In der Vergangenheit ist der Goldpreis eng mit der Verzinsung von Staatsanleihen verbunden. Je mehr Rendite Anleihen abwerfen, desto unattraktiver ist Gold für Anleger, weil es weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Wenn Staatsanleihen aber sogar negativ verzinst sind, wie es aktuell der Fall ist, ist das ertragsfreie Edelmetall im Vorteil. Analysten der Bank of America rechnen nicht nur fest damit, dass der Goldpreis die 2000er-Marke überspringen wird, sondern mittelfristig sogar über 3000 Dollar kosten dürfte.

Vielleicht kommt es aber sogar noch extremer. Denn der Goldmarkt hat sich verändert, was die dort handelnden Banken vor ein Problem stellen könnte. An den Börsen gibt es einen großen Markt für sogenanntes "Papiergold" - Terminkontrakte, die meist genutzt werden, um auf eine bestimmte Entwicklung des Goldpreises zu wetten. Laufen diese aus, werden die meisten davon auf neue Termine "übergerollt". Wie Bloomberg unter Berufung auf Daten der Finanzanalysten von Longview Economics berichtet, lassen sich aber immer mehr Anleger ihr durch Terminkontrakte gekauftes Gold tatsächlich physisch ausliefern. Darauf sind die Banken aber nur in begrenztem Maß vorbereitet.

Ähnlich wie bei Bargeld halten die Banken auch beim Gold aus Terminkontrakten nicht den gesamten Bestand physisch vor. Verlangen unerwartet viele Kunden plötzlich die Aushändigung ihres Goldes, geraten die Banken unter Kaufzwang, geschieht dies bei vielen Banken gleichzeitig, könnte der Goldpreis förmlich explodieren. Ein ähnliches Phänomen ist vom Aktienmarkt bekannt, wenn Leerverkäufer in Erwartung sinkender Kurse Aktien verkauft haben, die sie sich nur geliehen hatten. Wenn dann zum Zeitpunkt, zu dem die ausgeliehenen Papiere zurückgegeben werden müssen, aus irgendeinem Grund nicht genügend davon auf dem Markt sind, kommt es zu einem sogenannten Short Squeeze: In Panik bieten die Leerverkäufer astronomische Preise, und der Kurs vervielfacht sich innerhalb kürzester Zeit. Genau das könnte auch mit dem Goldpreis passieren.

Quelle: ntv.de, mbo

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