Wirtschaft

48.000 Fass am Tag Warum die Saudis russisches Öl kaufen

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Kronprinz Mohammed bin Salman ist der faktische Herrscher Saudi-Arabiens und rund vier Jahre nach dem Mord am Journalisten Jamal Khashoggi dabei, wieder salonfähig zu werden.

(Foto: Pool via REUTERS)

Saudi-Arabien hat seine Öl-Einfuhren aus Russland verdoppelt. Das dürfte US-Präsident Biden wenig gefallen. Doch mit Kritik am Verbündeten wird er sich wohl bei seinem Besuch zurückhalten.

Während sich der Westen unabhängig von russischem Öl machen will, kaufen andere Länder bei den Russen ein - darunter auch Saudi-Arabien. Der weltweit größte Erdöl-Exporteur hat im zweiten Quartal seine Importe aus Russland sogar verdoppelt, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf den Daten-Dienstleister Refinitiv meldet. In Zahlen ausgedrückt: Von April bis Juni erreichten 647.000 Tonnen Öl das Königreich über russische und estländische Häfen. Das sind 48.000 Fass pro Tag.

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 83,20

Da stellt sich die Frage: Wieso kauft ein Land, das über ausreichend Öl verfügt, den Rohstoff anderswo? Weil russisches Öl sehr viel billiger ist als das eigene. Das Königreich nutzt das importierte raffinierte Öl, um Strom zu erzeugen und kann so eigenes Rohöl verkaufen. Besonders viel Strom verbraucht Saudi-Arabien für Kühlung in den heißen Sommermonaten, etwa für Klimaanlagen.

Der Preisunterschied von russischem Öl zu dem anderer Produzenten ist gewaltig. Denn wegen der westlichen Sanktionen muss Russland das Öl anderswo und damit mit deutlichen Abschlägen verkaufen. Normalerweise kostet ein Fass der russischen Sorte Urals etwa 60 Cent weniger als ein Fass der Nordseesorte Brent. Derzeit ist ein Fass (159 Liter) rund 23 Dollar billiger als die Konkurrenz aus der Nordsee und von der Opec.

Biden kommt zu Besuch

Das Öl wird über Häfen in Russland und Estland nach Saudi-Arabien verschifft. Das Öl erreicht das EU-Mitglied offenbar mit der Eisenbahn. In die Europäische Union darf russisches Öl derzeit noch importiert werden. Im Dezember trifft ein Embargo in Kraft, das allerdings die Einfuhr per Pipeline erlaubt. Ölprodukte - beispielsweise Benzin und Diesel - dürfen ab Februar kommenden Jahres überhaupt nicht mehr eingeführt werden.

US-Präsident Joe Biden reist heute von Israel nach Saudi-Arabien. Er dürfte dort unter anderem darauf drängen, dass der Opec-Anführer die Erdöl-Fördermenge erhöht. Damit solle der Ölpreis sinken, der die Inflation in den USA anheizt. Dass der Verbündete verstärkt russisches Öl kauft, zeigt die Schwierigkeiten des Westens, Russland international weitgehend zu isolieren.

Quelle: ntv.de, jga/rts

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