Wirtschaft

Merkel als eine Ursache? Warum es für den Dax abwärts geht

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(Foto: REUTERS)

Die US-Börsen notieren nahe am Rekordstand, im Umfeld der Quartalszahlen von Amazon, Apple und Google halten sie sich wacker. Für den Dax geht es jedoch kräftig bergab. Wieso eigentlich?

Viele Börsianer sind ratlos. Da trotzen die US-Indizes am Donnerstag allen negativen Vorzeichen, der Dow Jones drehte merklich ins Plus. Die europäischen Nachbarmärkte gaben etwas ab, doch beim Dax riss eine Hundertermarke nach der anderen. Gestartet bei 13.300 fiel der Deutsche Aktienindex nachbörslich bis beinahe 12.900 Zähler - und am Freitag ging es weiter nach unten. Wo könnten die Gründe dafür liegen?

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Zweifellos belastet seit Wochen der starke Euro die europäischen Aktien und kletterte nun bis 1,25 Dollar. In diesem Bereich hatte er jedoch auch schon in der Vorwoche angeklopft, und das hatte den Dax nicht davon abgehalten, ein neues Rekordhoch zu erreichen. Wenngleich der Index seit Anfang November den US-Börsen merklich hinterherläuft.

Als Punkt zwei für den Rücksetzer identifiziert manch einer die Querelen bei Siemens und die nicht gerade voll überzeugenden Zahlen. Dies mag man gelten lassen, jedoch konnte auch Facebook in den USA nicht vollends überzeugen - und die Aktie drehte dennoch innerhalb eines Handelstages vom Minus ins kräftige Plus. Auch die von Händlern eingesetzen Algorithmen könnten eine Teilbegründung sein. Sie bestimmen speziell am Monatsbeginn, schwache Märkte eher zu meiden und relativ starke Märkte zu kaufen

Eine Wende am Zinsmarkt könnte man als gleichsam als Begründung anfügen, ist doch die 10-jährige Bundesanleihe bis auf 0,72 Prozent gestiegen. Zum Zeitpunkt des Dax-Rekords bei 13.598 Zählern lag die Verzinsung aber bei rund 0,6 Prozent, also nicht wesentlich darunter. Des Weiteren zog die 10-jährige US-Staatsanleihe im gleichen Zeitraum von 2,62 auf 2,78 Prozent an - so lässt sich die massive Minderleistung deutscher Aktien gegen US-Titel daher auch nicht allein erklären.

So bleibt zuletzt womöglich eine Baustelle, die mancher vielleicht verdrängt und für nicht realistisch hält – die Zukunft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Regierungsbildung zieht sich schon seit Monaten hin, und man kann es Investoren nicht verdenken, dass ihre Lust auf deutsche Aktien im Vergleich zu US-Titeln schon einmal größer war.

Doch je näher der SPD-Mitgliederentscheid über eine Große Koalition rückt, desto riskanter wird die zumindest mit Außenseiterchancen versehene Variante, dass die SPD-Basis eine Groko ablehnt. Damit wäre nach Bekunden vieler Beobachter der politischen Landschaft die Kanzlerschaft Merkels womöglich zu Ende. Für Investoren gilt sie aber als Stabilitätsanker in Deutschland und Europa seit der Finanzkrise 2008. Alles was nach ihr käme, wäre zunächst einmal Unsicherheit - vor allem aus Sicht ausländischer Anleger.

Dass Investoren nur deshalb jetzt schon deutsche Aktien verkaufen, ist unwahrscheinlich. Dass die unsicherer Zukunft Merkels aber ein Mosaikstein ist, warum man nicht unbedingt gierig nach dem Dax greift, ist aber durchaus realistisch. Zumal auf der anderen Seite des Atlantiks ein guter Verkäufer seines Landes Anleger umwirbt: Donald Trump.

Quelle: n-tv.de