Hamburger-Gleichnis Warum junge Leute auf einen Aktien-Crash hoffen sollten
Von Jan Gänger 
Steigende Aktienkurse machen Anleger glücklich. Das ist nachvollziehbar. Doch Investoren-Legende Warren Buffett hält das für einen Fehler. Vor allem jüngere Anleger sollten also auf fallende Kurse hoffen.
Weltweit geht es an den Aktienmärkten aufwärts, auch der deutsche Leitindex Dax ist in Rekordhöhen unterwegs. Immer mehr Profi-Investoren und Kleinanleger fragen sich, ob das eine Börsen-Blase ist, die bald platzt. Junge Menschen sollten hoffen, dass das so ist.
Der Grund: Besonders für junge Anleger, die noch viele Jahre bis zur Rente haben, sind niedrige Kurse eine Chance - ein Crash vielleicht eine historische. Sie können heftige Kursverluste und Schwächephasen an den Börsen nicht nur entspannt aussitzen, weil sie das Geld erst in vielen Jahren brauchen. Rücksetzer sind für sie eine Gelegenheit, während der Ansparphase billig einzukaufen.
Für sie wäre es deshalb sogar wünschenswert, dass sich die Börsen nach einem Crash ein paar Jahre seitwärts bewegen. Denn dann haben sie viel Zeit, Aktien jahrelang günstig einzukaufen und ihr Portfolio Stück für Stück zu vergrößern. Dabei zahlt sich eine Strategie besonders aus: regelmäßig und konsequent (etwa Monat für Monat) im Rahmen eines Sparplans für eine bestimmte Summe Anteile von breit gestreuten Aktien-ETFs kaufen -je tiefer die Kurse sind, desto mehr Anteile bekommt man für sein Geld. Später ist die Freude über steigende Kurse umso größer.
Für Anleger, die bereits im Ruhestand sind oder kurz vor der Rente stehen, ist ein Crash unerfreulich. Für sie bietet es sich möglicherweise an, ihre Aktienquote vorsorglich zu verringern und aus einer Position der Stärke heraus Umschichtungen vorzunehmen. Also vorab Aktiengewinne zu realisieren, anstatt erst nach einem Kursrutsch in sichere Anlagen zu fliehen.
Doch wer sein Erspartes etwa erst im Jahre 2060 braucht, für den sind Kursverluste eine gute Nachricht.
Hohe Rindfleischpreise erfreuen nur Rinderzüchter
Wer Zeit und Ausdauer hat, am Aktienmarkt auch bei Verlusten stetig weiterzukaufen, kann damit die Basis für einen Vermögensaufbau legen. Das gilt nicht nur für junge Menschen, sondern auch für ältere. Entscheidend ist der Zeithorizont.
Investoren-Legende Warren Buffett hat das in seinem "Hamburger-Gleichnis" verdeutlicht. "Wenn Sie vorhaben, Ihr Leben lang Hamburger zu essen, und kein Rinderzüchter sind, sollten Sie sich dann höhere oder niedrigere Preise für Rindfleisch wünschen?", schrieb er in einem seiner jährlichen Briefe an seine Aktionäre.
Viele Anleger verstünden das nicht, so Buffett. Obwohl sie noch einige Jahre Käufer von Aktien sein werden, seien sie begeistert von steigenden Kursen und deprimiert, wenn es an der Börse abwärts gehe. "Tatsächlich freuen sie sich, weil die Preise für die Hamburger, die sie bald kaufen werden, gestiegen sind." Das ergebe keinen Sinn. "Nur diejenigen, die in naher Zukunft Aktien verkaufen werden, sollten sich über steigende Aktienkurse freuen."