Wirtschaft

Nimm dem Reichsten, gib den Armen Was bringt Robin Hoods Umverteilung?

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Errol Flynn in der Rolle des Robin Hood.

(Foto: imago/Hollywood Photo Archive)

Wäre die Welt eine bessere, wenn die Ärmsten eines Landes das Geld des Reichsten bekommen würden? In Indien würde dieser Schritt wenig nützen, in Deutschland auch nicht.

Was würde es bringen, das Milliardenvermögen des reichsten Menschen eines Landes unter den ärmsten Landsleuten zu verteilen? Dieser Frage ist die Finanznachrichtenagentur Bloomberg nachgegangen und hat dafür den "Robin-Hood-Index" erfunden – benannt nach dem legendären Bogenschützen, der einst rund um Nottingham nachdrücklich für Umverteilung sorgte. Das Ergebnis ist ernüchternd: Selbst wenn das immense Vermögen eines Bill Gates oder Carlos Slim an die Ärmsten des jeweiligen Landes ginge, wäre das nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Bloomberg hat 42 Länder ausgewählt, deren Bevölkerungsstruktur und Wirtschaftskraft sehr verschieden sind. Dann wurde das Nettovermögen des jeweils reichten Menschen des Landes in US-Dollar ermittelt und unter den Menschen aufgeteilt, die dort unter der Armutsgrenze leben.

Für die USA bedeutet das: Von dem auf 84 Milliarden Dollar geschätzte Vermögen des Microsoft-Gründers Bill Gates würde jeder US-Amerikaner, der zu den 15 Prozent Bedürftigsten zählt, 1736 Dollar bekommen. In Indien würden die Ärmsten wegen der großen Bevölkerungszahl noch viel weniger erhalten: Aus den 22 Milliarden Dollar von Mukesh Ambani ergibt sich für die ärmsten Inder lediglich ein Anteil von jeweils 59 Dollar. Damit liegt Indien auf dem letzten Platz des "Robin-Hood-Index".

In Zypern und Schweden würden die Ärmsten dagegen am meisten profitieren, auf sie entfielen knapp 46.000 Dollar beziehungsweise rund 33.100 Dollar. Das liegt vor allem daran, dass beide Länder relativ kleine Bevölkerungszahlen haben und einen hohen Lebensstandard aufweisen. Und in Deutschland? Würde das auf 21 Milliarden Dollar geschätzte Nettovermögen von Lidl-Gründer Dieter Schwarz unter den Armen verteilt, käme laut Bloomberg eine Summe von jeweils 1665 Dollar heraus.

Bloomberg weist darauf hin, dass die Zahlen nicht ohne weiteres verglichen werden können. Denn die Armutsgrenze wird häufig verschieden definiert. Außerdem unterscheidet sich die Kaufkraft eines US-Dollar von Land zu Land: Den Angaben zufolge sind in Indien für einen Dollar zwei Grundmahlzeiten zu haben. In Deutschland gibt es für umgerechnet 0,89 Euro sehr viel weniger.

Am Ende kommt die Finanznachrichtenagentur zu dem Ergebnis, dass selbst die Umverteilung des Vermögens weiterer Milliardäre nur wenig nützen würde. Erst wenn man das Geld von etwa 30 der reichsten Amerikaner an die Ärmsten verteilen würde, würde sich eine Summe von jeweils mehr als 20.000 Dollar ergeben.

Kolumnist Barry Ritholz weist darauf hin, dass selbst diese Summe den Bedürftigen höchstens für ein paar Wochen oder Monate helfen würde. Die Benachteiligungen, mit denen sie langfristig zu kämpfen haben, wären damit nicht verschwunden. Dafür brauche es sehr viel mehr als eine Einmalzahlung.

Quelle: n-tv.de, jga

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