Wirtschaft

Fachkräftemangel an Heiligabend Weihnachtsmänner - knapp und teuer

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Einige "Weihnachtsmänner" und eine "Weihnachtsfrau" posieren im Rahmen einer Weihnachtsmannschulung vor einem Rathaus in Niedersachsen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch im Weihnachtsbetrieb gibt es Fachkräftemangel: Wer für den 24. Dezember einen Mann mit weißem Bart buchen möchte, sollte sich beeilen. Gerade im Norden gibt es mehr Nachfrage als Angebot. Private Agenturen können hohe Preise verlangen - besonders für echte Rauschebärte.

Wer noch einen Weihnachtsmann für den Heiligen Abend sucht, muss sich beeilen und vermutlich tief in die Tasche greifen. Bundesweit haben nur noch wenige Arbeitsagenturen wie in Hannover oder Bremen Santa-Claus-Darsteller in ihrer Kartei. Die Lücke füllen private Anbieter - über das Portal weihnachtsmann-mieten.de zum Beispiel sind die Bartträger im roten Kostüm online zu bestellen. Die Hamburger Agentur verlangt mindestens 169 Euro netto, einen Weihnachtsmann mit echtem Bart gibt es ab 349 Euro netto.

Petra Henkert, Chefin eines Weihnachtsbüros in Zeuthen bei Berlin, sieht die gestiegenen Preise mit Sorge. "Das können sich viele Familien nicht mehr leisten", sagte sie. Henkert selbst vermittelt im 20. Jahr Weihnachtsmänner. "Bestimmte Entwicklungen möchte ich aber nicht mitmachen", betont sie. Vor einem Jahr hatte das Berliner Studierendenwerk nach fast 70 Jahren seine Weihnachtsmann-Vermittlung aufgegeben, weil kaum noch Studenten den Kostüm-Job an den Feiertagen übernehmen wollten.

Bundesweit fehlen Weihnachtsmänner

Der Fachkräftemangel hält an. "Schon für die Vorweihnachtszeit fehlen bundesweit Weihnachtsmänner. Ich bin nur am Absagen schreiben, nach Bassum, Gifhorn, sogar nach Bulgarien", sagte Willi Dahmen aus Celle, der selbst als Santa Claus auftritt und Kollegen vermittelt. Der 67-Jährige mit dem Rauschebart posiert oft schon im Sommer mit Rentierschlitten für Werbeaufnahmen. In seinen Seminaren lernt der Nachwuchs, dass Rauchen und Smartphone im Kostüm tabu sind und vor der Bescherung stets ein Lied oder Gedicht verlangt werden sollte.

Diesen Ehrenkodex der Weihnachtsmänner halten auch die von der Hamburger Agentur vermittelten Darsteller ein, wie Inhaber Jan Biehl betont. Ansonsten richte man sich ganz nach den Kundenwünschen, die gegen Aufpreis zusätzliche Accessoires wie Glocke, Thron oder gar ein Rentier buchen können. Die vergleichsweise hohen Preise für die Auftritte hätten auch damit zu tun, dass die Darsteller mit echtem Bart hohe Gagen verlangten, sagte Biehl.

Weihnachtliches Nord-Süd-Gefälle

Bei den Arbeitsagenturen Hannover und Bremen, die seit Jahrzehnten Weihnachtsmänner und Engel vermitteln, steht dagegen das Geld nicht im Vordergrund. Er wolle an den Ursprung des Festes erinnern, sagt Darsteller Wolfram Wallrabenstein beim Treffen mit Kollegen in der Behörde der niedersächsischen Landeshauptstadt. Der 78-Jährige genießt die besondere Atmosphäre bei der Bescherung, die gespannte Erwartung der Kinder. "Es ist toll, für eine Viertelstunde die wichtigste Person in der Familie zu sein."

Ihre Honorare verraten die vom Arbeitsamt Hannover vermittelten Geschenkeüberbringer nicht, bei der Arbeitsagentur Bremen herrscht dagegen Transparenz. Wegen der gestiegenen Futterkosten habe die Rentiergewerkschaft erstmals nach acht Jahren eine moderate Anhebung des Tarifes durchgesetzt, teilte die Behörde mit. Im Stadtgebiet Bremen kostet der Besuch des Weihnachtsmannes am Heiligabend jetzt 40 Euro und 45 Euro im Landkreis Osterholz.

Die Jobvermittlung Bremerhaven sucht noch Nachwuchs, der sich "auch durch schräges Blockflötenspiel nicht aus der Ruhe bringen lässt". Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks vermitteln nur noch drei örtliche Werke studentische Weihnachtsmänner - im sächsischen Freiberg und Dresden sowie in Siegen. In der nordrhein-westfälischen Stadt seien aber nur noch ganz wenige Studierende bereit, den Job im Kostüm zu übernehmen. Im Süden sind ohnehin Christkind und Nikolaus verbreiteter. Allerdings werden Auftritte des Heiligen Mannes nicht so oft gebucht. Die Münchner Personalvermittlung "Jobcafe.de" etwa hat in diesem Jahr nach mehr als 15 Jahren seinen Nikolausservice für Privatkunden eingestellt.

Quelle: n-tv.de, Christina Sticht, dpa