Wirtschaft

EZB-Rat will Euro-Schirm aufstocken Wellink plant 1500 Milliarden ein

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Europas dringlichste Baustelle: Griechenland.

(Foto: dapd)

Der niederländische Notenbankchef Nout Wellink hegt schwere Bedenken: Angesichts der laufenden Debatte um eine "sanfte Umschuldung" hält der Währungshüter den europäischen Rettungsfonds für viel zu klein. Ansteckungsrisiken könnten weitere Staaten in den Abgrund ziehen. Europa müsse sich vorbereiten. Seine Zweifel schicken den Euro auf Talfahrt.

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1,5 Billionen Euro dürften reichen: Nout Wellink.

(Foto: REUTERS)

EZB-Ratsmitglied Nout Wellink hält wegen der Griechenland-Krise eine Verdoppelung des europäischen Rettungsfonds auf 1,5 Billionen Euro für erforderlich. Dies sei nötig, wenn es zu einer Beteiligung privater Investoren an einem neuen Hilfspaket für Griechenland kommen solle, sagte Wellink der niederländischen Zeitung "Het Financieele Dagblad". Wellink sitzt mit seinen Kollegen aus den übrigen Eurostaaten im EZB-Rat, dem wichtigsten Gremium der Europäischen Zentralbank (EZB).

Ein weiteres Rettungsprogramm für Griechenland bringe außerdem viele Unsicherheiten mit sich, warnte Wellink. So könnten Irland und Portugal dem Beispiel Griechenlands folgen. Diese Ansteckungsrisiken müssten berücksichtigt werden, forderte der niederländische Notenbankchef. "Wenn Sie diese Risiken betrachten, müssen Sie ein Sicherheitsnetz aufbauen", argumentierte er. "Es sollte sich auf 1500 Mrd. Euro belaufen, und es sollte mehr Flexibilität geben, wie das Geld ausgegeben werden kann."

Nach Bekanntwerden von Wellinks Äußerungen sackte der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung steil ab: Der Euro fiel bis auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,4113 Dollar.

Griechenlands Ministerpräsident hatte am Vorabend eine Kabinettsumbildung angekündigt. Außerdem wollte er sich am kommenden Sonntag im griechischen Parlament einer Vertrauensfrage stellen. Einen vorzeitigen Rücktritt lehnte er ab. "Ich setze den gleichen Kurs fort mit der Partei und dem griechischen Volk", erklärte Papandreou im staatlichen griechischen Fernsehen (NET).

Nach Angaben aus Regierungskreisen hatte Papandreou der Opposition seinen Rücktritt angeboten. Er schlug demnach die Bildung einer gemeinsamen Regierung der "Nationalen Einheit" vor. Papandreou steht aufgrund der strikten Sparvorgaben seitens EU, EZB und Internationalem Währungsfonds und sozialer Spannungen im Land erheblich unter Druck.

Pariser Banken in Gefahr?

Vor diesem Hintergrund trat EZB-Ratsmitglied Christian Noyer, Wellinks französischer Amtskollege, den Bedenken wegen des großen Engagements französischer Banken in dem von einer Staatspleite bedrohten Griechenland entgegen.

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"Sehr delikat": Christian Noyer.

(Foto: REUTERS)

Die Institute seien nicht in Gefahr, sagte der französische Notenbankchef. Selbst unter der extremen Annahme großer Verluste mit den griechischen Papieren seien nur relativ moderate Auswirkungen auf die Ergebnisse der Banken zu erwarten. Er mache sich deswegen keine Sorgen.

Die Ratingagentur Moody's hatte zuvor gewarnt, dass schlechtere Bonitätsnoten drohten. Das starke Griechenland-Engagement von BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole gebe angesichts der Zuspitzung der Schuldenkrise Anlass zur Sorge.

Den vor allem von Deutschland vorgetragenen Vorstoß zur an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland bezeichnete Noyer als "sehr delikat". Sollte es einen Zahlungsausfall geben, würde dies Investoren lange Zeit von Griechenland fernhalten. "Es würde ein dramatisches Problem schaffen." Dies müsse bei weiteren Griechenland-Hilfen vermieden werden.

Quelle: ntv.de, dpa/rts