Wirtschaft

Nach sechs Jahren an der Spitze Weltbank-Chef Kim tritt überraschend zurück

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Kim übergibt das Amt zum 1. Februar.

dpa

Unter US-Präsident Obama übernimmt Kim 2012 das Präsidentenamt der Weltbank - nicht wie seine Vorgänger als Politiker oder Diplomat, sondern als Mediziner. Nun tritt er zurück und will sich für die Stärkung der Infrastruktur in Entwicklungsländern engagieren.

Der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim, tritt Ende Januar nach mehr als sechs Jahren an der Spitze der Institution überraschend von seinem Amt zurück. Das teilte die Weltbank in Washington mit. Der 59-Jährige hatte nach seiner ersten fünfjährigen Amtszeit im Sommer 2017 seine zweite Amtsperiode angetreten.

Allerdings hatte es schon bei seiner Wiederwahl Unzufriedenheit mit der Amtsführung des in Korea geborenen Amerikaners gegeben. Die Belegschaft hatte sich in einem offenen Brief an die Führungsgremien gewandt und von einer "Führungskrise" sowie von Reformbedarf gesprochen.

Zu seinem Abschied sagte der scheidende Präsident, es sei ihm eine "große Ehre" gewesen, der Institution, die vor allem für die Finanzierung von Projekten zur Bekämpfung von Armut und deren Ursachen zuständig ist, jahrelang vorzusitzen. Der promovierte Mediziner will sich nun in einem Unternehmen zur Stärkung der Infrastruktur in Entwicklungsländern engagieren und auch wieder für die von ihm mitgegründete Organisation Partners in Health engagieren. Nach Kims Rücktritt soll zunächst die Geschäftsführerin der Weltbank, Kristalina Georgieva, übergangsweise auch den Präsidentenposten übernehmen.

Als Reformer stark gemacht

Kim hat sich in den über sechs Jahren an der Spitze der Institution, die jährlich viele Milliarden Dollar an bis zu 100 Länder verleiht, als Reformer stark gemacht. Er hatte vor allem den Folgen des Klimawandels und dem Ausbruch von Seuchen den Kampf angesagt. So hatte die Bank kürzlich ein Kreditprogramm im Volumen von 200 Milliarden Dollar über vier Jahre für Klimaschutzprojekte und für den Kampf gegen den Klimawandel aufgelegt. Zuletzt hatte die Weltbank mit einem Human Capital Index Aufsehen erregt - er misst, wie viel Kapital jedes Land durch mangelnde Bildung ungenutzt lässt.

Kim war 2012 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama als Nachfolger von Robert Zoellick ins Rennen geschickt worden. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war Kim aber weder Politiker noch Banker oder Diplomat - sondern Mediziner. Internationale Erfahrung sammelte er vor allem als Direktor für Aids-Bekämpfung bei der Weltgesundheitsorganisation WTO. Kim wurde 1959 in Südkorea geboren und wuchs in den USA auf.

Seit der Gründung der Weltbank nach dem Zweiten Weltkrieg kommt der Präsident traditionell aus den USA, während die Spitze der Schwesterorganisation Internationaler Währungsfonds von Europa besetzt werden darf. Gegenwärtig ist dort die Französin Christine Lagarde am Ruder.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/AFP/rts

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