Wirtschaft

WTO: "Schlimmste Rezession" Welthandel könnte um ein Drittel einbrechen

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Im besten Fall, rechnet die WTO vor, schrumpft der Welthandel um 13 Prozent.

(Foto: REUTERS)

Im schlimmsten Fall könnte der Welthandel durch die Corona-Krise um mehr als 30 Prozent einbrechen, rechnet die Welthandelsorganisation vor. In der deutschen Wirtschaft hat die Pandemie bereits tiefe Spuren hinterlassen.

Weltweit rechnet die Welthandelsorganisation (WTO) wegen der Covid-19-Pandemie mit der "schlimmsten Rezession zu Lebzeiten". Das sagte der Chef der 1994 gegründeten WTO, Roberto Azevedo. Die Organisation rechnet in diesem Jahr mit einem Absturz des Welthandels infolge der Corona-Krise um 13 bis 32 Prozent. Dies sei die Spanne zwischen einem optimistischen und einem pessimistischen Szenario. "Der unvermeidliche Rückgang bei Handel und Produktion wird schmerzhafte Konsequenzen für Haushalte und Unternehmen haben, ganz abgesehen von dem menschlichen Leid, das diese Krankheit verursacht", sagte Azevedo.

Entscheidend sei es auch, bereits jetzt die wirtschaftspolitisch richtigen Weichen zu stellen. Im Idealfall sei eine schnelle und kräftige Erholung möglich. "Und wenn die Länder kooperieren, werden wir eine schnellere Erholung erleben, als wenn jedes Land für sich alleine agiert."

Das optimistische Szenario gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft nach einem Einbruch bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder erhole, so die WTO. Ein Aufschwung sei umso wahrscheinlicher, je mehr Unternehmer und Verbraucher die Krise als genauso heftigen wie einmaligen Schock ansehen würden. Auf dieser Grundlage würden Investitionen und Konsumausgaben schnell wieder anziehen, sagte Azevedo. Sollte die Pandemie im laufenden Jahr unter Kontrolle gebracht werden, sei 2021 in den meisten Regionen mit mehr als 20 Prozent Wachstum zu rechnen. Allerdings seien die Unwägbarkeiten generell gewaltig.

Deutsche Wirtschaft könnte um 5,7 Prozent einbrechen

In Deutschland hinterlässt der wirtschaftliche Einbruch bereits deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und beim Einkommen - viele Bürger müssen sich auf schwierigere Zeiten einstellen. Führende Wirtschaftsforscher erwarten eine tiefe Rezession in Deutschland. Dies werde auch zu Einkommensverlusten führen, die Zahl der Arbeitslosen werde steigen. In ihrem am Mittwoch vorgelegten Frühjahrsgutachten sehen die Institute Deutschland aber als gut gerüstet an, um den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften.

Die günstige Finanzlage ermögliche es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Dauer der Krise hängt allerdings davon ab, wie lange der Lockdown anhält - wann also das öffentliche Leben und die Wirtschaft schrittweise wieder hochgefahren werden können. Bund und Länder wollen nach Ostern dazu entscheiden. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte, die Firmen bräuchten rechtzeitig Informationen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Vorgaben sie am "Tag X" ihre wirtschaftlichen Aktivitäten wieder schrittweise beginnen könnten.

Die kurzfristigen Folgen der Krise jedenfalls sind massiv: Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut Gutachten um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft sein. Im zweiten Quartal dann folgt der Höhepunkt: Die Wirtschaftsleistung bricht wohl um 9,8 Prozent ein. Dann aber soll es langsam wieder aufwärtsgehen - die Forscher unterstellen dabei als Szenario ein "V": auf einen steilen Absturz folgt ein rascher Aufstieg. Im Gesamtjahr schrumpft laut Prognose das Bruttoinlandsprodukt um 4,2 Prozent. Dies wäre nicht ganz so schlimm wie in der Finanzkrise 2009, als das BIP um 5,7 Prozent nach unten rauschte. Für 2021 erwarten die Institute dann ein Wachstum von 5,8 Prozent. Das hört sich viel an, allerdings kommt die Wirtschaft aus einem tiefen Tal.

Quelle: ntv.de, bdk/AFP/dpa