Wirtschaft

Kurze Hemden gegen den ÖlmangelWie der Iran-Krieg den Alltag in Asien radikal verändert

14.03.2026, 13:49 Uhr
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Bei einer weiteren Verschärfung der Lage erwägt Thailand bereits, Tankstellen nachts zu schließen. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Vier-Tage-Woche, Schulschließungen und neuer Dresscode: Der Iran-Krieg erschüttert Asiens Energieversorgung. Da fast die Hälfte aller Öllieferungen für die Region im Nadelöhr der Straße von Hormus feststeckt, greifen Regierungen zu drastischen Sparmaßnahmen.

Länder in Asien sind vom Iran-Krieg besonders betroffen. Wegen ausbleibender Öl-Lieferungen und höherer Energiepreise führen einige Regierungen jetzt drastische Sparmaßnahmen ein. Irans Angriffe auf den Golf lassen den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nahezu erliegen. Laut einer Analyse der US-Denkfabrik Atlantic Council passierten vergangenes Jahr 46 Prozent der Öl-Transporte nach Asien dieses Nadelöhr. Damit ist die Region stärker auf Lieferungen durch die Meerenge angewiesen als jeder andere Teil der Welt.

Thailand

Die Regierung in Bangkok ruft bereits zu drastischen Energiesparmaßnahmen auf. Klimaanlagen sollen auf 26 bis 27 Grad eingestellt werden, Beschäftigte in Büros möglichst kurzärmelige Hemden statt Anzüge tragen. Hintergrund ist auch die bevorstehende heißeste Jahreszeit in Thailand mit Temperaturen weit über 30 Grad. Bei einer weiteren Verschärfung der Lage wird bereits erwogen, Tankstellen nachts zu schließen.

Pakistan

Die Regierung in Pakistan hatte bereits in der Vorwoche den Spritpreis stark angehoben. Dann legte Islamabad unter anderem mit einer Vier-Tage-Woche für öffentliche Angestellte, Sprit-Rationierungen für Beamte und freiwilligen Gehaltsverzicht für Politiker nach. Universitäten sollen nur noch online unterrichten, Schulen schließen bis Ende des Monats. "In Pakistan gehen aufgrund extremer Wetterbedingungen im Schnitt fast 90 Tage des Schuljahres verloren", sagte Rizwana Khan, Bildungsexpertin aus Islamabad. Die Schließungen wegen krisenbedingter Knappheit nannte sie "extrem belastend".

Philippinen

Auch der Inselstaat hat bereits eine Vier-Tage-Woche für viele staatliche Behörden eingeführt, um Energie zu sparen. Die Regelung gilt jedoch nicht für wichtige Dienste wie Polizei oder Feuerwehr. Präsident Ferdinand Marcos Jr. ordnete auch an, dass alle staatlichen Behörden ihren Strom- und Treibstoffverbrauch um 10 bis 20 Prozent senken sollen. "Wir wissen nicht, wann das Chaos im Nahen Osten enden wird", sagte Marcos Jr. "Wir sind Opfer eines Krieges, den wir uns nicht ausgesucht haben."

Vietnam

Das südostasiatische Land hat die Bevölkerung angesichts stark gestiegener Energiepreise zu einem sparsameren Umgang mit Treibstoff aufgefordert. Die Regierung empfiehlt unter anderem, private Autofahrten zu reduzieren, Fahrgemeinschaften zu bilden oder verstärkt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Zudem sollen Autofahrer Motoren bei längeren Stopps ausschalten, möglichst gleichmäßig fahren und ihre Fahrzeuge regelmäßig warten. An den Tankstellen bildeten sich zuletzt teilweise lange Schlangen, es kam auch zu Hamsterkäufen von Benzin und Diesel. 

Indien

Große Probleme bereitet dem bevölkerungsreichsten der Erde die Versorgung mit Erdgas. Indiens Regierung rief die Bevölkerung auf, von Panikbestellungen für Zylinder mit Flüssiggas, das für das Kochen benötigt wird, abzusehen und Treibstoff zu sparen. Laut der Regierung konnte das Land zuletzt seine Abhängigkeit von Öl-Lieferungen durch die Straße von Hormus reduzieren. Die USA erlauben es inzwischen indischen Raffinerieunternehmen, mehr russisches Öl zu kaufen.

Bangladesch

In Bangladesch ist es zu einem Ansturm auf die Tankstellen gekommen. Auto- und Motorradfahrer stehen stundenlang in Warteschlangen in der Hoffnung, Diesel und Benzin kaufen zu können. Um die Knappheit einigermaßen auffangen zu können, beschränkte die Regierung die Treibstoffversorgung. Auch in Bangladesch wies das Bildungsministerium Universitäten im ganzen Land an, vorübergehend zu schließen, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Zudem wurden einige Düngemittelfabriken geschlossen. 

Südkorea

Auch in der Industrienation Südkorea ist die Lage angespannt. Präsident Lee Jae Myung kündigte an, erstmals seit fast 30 Jahren eine Obergrenze für Kraftstoffpreise einzuführen, um den starken Preisanstieg infolge der Krise in der Region zu begrenzen. Zudem prüft die Regierung alternative Lieferquellen und will bei Bedarf auf strategische Ölreserven zurückgreifen.

Japan

Japan, das mehr als 90 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten importiert, hat sich entschlossen, massiv in seine Reserven zu greifen. Die Regierung des G7-Landes hat das Ziel ausgegeben, den Benzinpreis an den Tankstellen stabil zu halten. Der landesweite Durchschnittspreis soll bei etwa 170 Yen (derzeit rund 0,93 Euro) pro Liter gedeckelt werden. Um dies zu erreichen, erhalten die Öl-Großhändler staatliche Zuschüsse, sobald der Preis die Zielmarke überschreitet. Diese Maßnahmen gelten auch für Diesel und Heizöl, um Haushalte und Unternehmen zu entlasten.

China

China wiederum bezieht auch viel Öl vom Golf, hat jedoch in den vergangenen Jahren vorgesorgt. Die Volksrepublik hat hohe Reserven und importiert viel Öl aus anderen Weltregionen, darunter Russland. Die gestiegenen Ölpreise machen sich zwar an den Tankstellen bemerkbar. Der Anstieg fiel jedoch moderater aus als in vielen europäischen Ländern. Zugleich ist China heute weniger stark von Benzin im Straßenverkehr abhängig als früher, weil es viele Elektroautos gibt. Peking beobachtet die Lage im Nahen Osten dennoch mit Sorge. Medienberichten zufolge hat die Regierung Raffinerien zuletzt aufgefordert, Exporte von Benzin und Diesel zu begrenzen, um mehr Treibstoff für den heimischen Markt bereitzuhalten.

Quelle: ntv.de, jki/dpa

Rohstoff ÖlStraße von HormusIran-Konflikt