Wirtschaft

Spekulationen um Yacht Wie reich ist Putin?

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Wladimir Putin im Kreml.

(Foto: REUTERS)

Ofiziell ist der Besitz Wladmir Putins nicht besonders beeindruckend: eine Wohnung, eine Garage, zwei Oldtimer und ein SUV mit Anhänger. Doch inoffiziell dürfte das ganz anders aussehen.

Dass aus dem Hamburger Hafen eine russische Yacht in Richtung Ostsee aufbricht, ist nicht besonders spektakulär. Anders ist es allerdings, wenn das Luxus-Schiff angeblich dem russischen Präsidenten gehört - und darüber spekuliert wird, ob Wladimir Putin seine Yacht angesichts drohender Sanktionen noch rechtzeitig vor einer möglichen Beschlagnahmung in Sicherheit bringen will.

Über Putins Reichtum wird seit vielen Jahren gerätselt. Berichte sind in Russland tabu. Andernfalls droht erheblicher Ärger. Ein wesentlicher Grund, warum Alexej Nawalny ins Straflager geschickt wurde: Er hatte immer wieder die Bereicherung und die Korruption des inneren Zirkels Putins öffentlich gemacht - und den Präsidenten auch direkt angeprangert. Für großes Aufsehen sorgte ein von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung ins Internet gestellte Video eines regelrechten Palasts am Schwarzen Meer, der Putin gehören soll. Der Kreml dementierte wütend.

Offiziell ist der Besitz Putins nicht der Rede wert. Dem Kreml zufolge verdient der Präsident pro Jahr umgerechnet etwas mehr als 130.000 Dollar und besitzt lediglich eine 77 Quadratmeter große Wohnung, eine immerhin 18 Quadratmeter große Garage und drei Autos - zwei Oldtimer vom Typ Volga Gaz M21 und einen Lada Niva. Zum SUV gehört demnach auch ein Anhänger.

Diese Bescheidenheit dürfte sicher nicht der Realität entsprechen. Zur Einordnung: Gerhard Schröder bekommt als Aufsichtsratschef des staatlichen Ölmultis Rosneft der russischen Wirtschaftszeitung "Kommersant" zufolge knapp 600.000 Euro im Jahr.

Kleptokratie als System

Und wie reich ist Putin wirklich? Wer sich mit Google auf die Suche nach dem Vermögen Putins begibt, stößt ganz oben auf eine obskure Website mit dem Namen "Wealthy Gorilla". Sie beziffert das Vermögen des Präsidenten auf 70 Milliarden Dollar - ohne irgendwelche Nachweise.

Etwas mehr Substanz könnte die Aussage von Bill Browder haben - zeitweise der größte ausländische Investor in Russland und mittlerweile bekennender Gegner des Kremls. Der Brite schätzte 2017 den Reichtum Putins bei einer Befragung des US-Senats auf 200 Milliarden Dollar. Damit wäre der Staatschef damals der mit Abstand reichste Mensch des Planeten gewesen. Auch Browder erklärt nicht, wie er auf die Summe kommt.

Die Wahrheit ist wohl, dass nur sehr wenige Menschen wissen, wie viel Geld Putin ungefähr hat. Ein Anhaltspunkt ist jedoch, wie reich Freunde und Weggefährten des Präsidenten geworden sind - einige von ihnen sind Oligarchen mit einem Vermögen von vielen Milliarden Dollar.

Dieses System wird mal als Kleptokratie, mal als extreme Ausprägung von Vetternwirtschaft, mal als Mafia-Staat bezeichnet. Die Machtelite bereichert sich demnach nach Kräften - mit den Methoden der organisierten Kriminalität, völlig unbehelligt von der Justiz. Prägender Teil dieser Struktur sind die Sicherheitskräfte, allen voran der Inlandsgeheimdienst FSB. Die von Oligarchen oder dem Staat kontrollierten Rohstoff-Giganten liefern den Kameraden das Geld, die damit etwa Firmen oder Immobilien kaufen. Und dann gibt es noch eine unüberschaubare Zahl von undurchsichtigen Offshore-Unternehmen, wohin ein Großteil des Geldes fließt - bis es scheinbar ohne Vergangenheit irgendwann irgendwo wieder auftaucht.

"Panama Papers" führen zu Taufpaten

Dass auch Putin als mächtigster Mann Russlands davon profitiert, wird - ohne Beweise - seit Langem berichtet. Demnach nimmt sich Putin, was er will. Oligarchen stellen Putin etwa Yachten und Villen uneingeschränkt zur Verfügung. Für den Unterhalt komme der Staat auf, bewacht werden diese Yachten und Luxus-Anwesen der russischen Zeitung "Nowaja Gazeta" zufolge vom FSO, der den russischen Präsidenten und Regierungsmitglieder schützt.

Es geht nicht nur um Luxus-Objekte. Vermutet wird auch, dass Putin über Mittelsmänner Anteile an wichtigen russischen Firmen besitzt. Der Präsident wies solche Berichte schon 2007 höchstselbst zurück: "Es ist einfach nur Müll. Sie haben das alles aus der Nase von irgendjemandem geholt und es in ihre kleinen Zeitungen geschmiert."

Die "Panama Papers" deuten derweil darauf hin, dass Putin tatsächlich über erhebliche Summen verfügen könnte. Die Recherchen eines Bündnisses, dem unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" (SZ), "Bloomberg" und der "Guardian" angehören, legen nahe, dass er Geld in Netzwerken parkt, die von Freunden und Familienmitgliedern kontrolliert werden.

Die "SZ" stieß in den "Panama Papers" beispielsweise auf Sergej Roldugin. Er ist Cellist und leitet eine von ihm gegründete Musikschule in St. Petersburg. Er gilt als ein enger Freund Putins und ist Taufpate einer Tochter des Präsidenten. Über seine Briefkastenfirmen sind den Recherchen zufolge innerhalb weniger Jahre rund zwei Milliarden Dollar geflossen.

"Geschenk des Himmels"

Dem Bericht zufolge arbeiteten die Roldugin-Firmen eng mit der Bank Rossija zusammen. Das Geldhaus aus Sankt Petersburg gilt nach Angaben von Vertretern der US-Regierung als "Putins Bank" und die seines Machtzirkels. Sie wurde nach der Krim-Annexion mit Sanktionen belegt. Mehrere der engsten Vertrauten Putins besitzen oder besaßen Anteile an der Bank, heißt es. Auch Roldugin gehörten demnach zumindest zeitweise mehr als drei Prozent der Anteile.

Laut "SZ" sind die Geschäfte des Firmengeflechts ein undurchsichtiger Teil eines Schattensystems. Sie stieß auf rückdatierte Aktiengeschäfte, angebliche Beraterhonorare, hohe Zinsen für geringe Summen, angebliche Entschädigungen und Kredite, die offenbar nie zurückgezahlt werden mussten. Auch Geld von Oligarchen sei den "Panama Papers" zufolge in das Netz geflossen, beispielsweise von Briefkastenfirmen, die mit den Brüdern Boris und Arkadij Rotenberg in Verbindung stehen. Darunter ein Kredit in Höhe von rund 200 Millionen Dollar, von dem nicht klar ist, ob er bisher zurückgezahlt wurde. Kurz danach habe eine Firma Arkadij Rotenbergs den Zuschlag für das Pipeline-Projekt South Stream bekommen. Das liegt wegen der Ukraine-Krise derzeit aber auf Eis.

Nach der Inhaftierung Navalnys hat sich Arkadi Rotenberg als der Besitzer des Prachtbaus am Schwarzen Meer bezeichnet. In einem Telegram-Video schwärmte er: "Dies ist ein Geschenk des Himmels. Der Ort ist wunderschön."

Quelle: ntv.de, ntv.de

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