Wirtschaft

Aktie schießt 200 Prozent hoch Wirecard-Manager bleibt auf der Flucht

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Die Wirecard-Aktie legte zu Wochenbeginn zeitweise um mehr als 200 Prozent zu.

(Foto: picture alliance/dpa)

Jan Marsalek, langjähriges Vorstandsmitglied bei Wirecard, gilt als Schlüsselfigur im Bilanzskandal. Zunächst kündigt er an, sich der Justiz in Deutschland zu stellen. Doch nun macht er einen Rückzieher. An der Börse bestimmen unterdessen die Zocker über den Kurs der Wirecard-Aktie.

Der langjährige Vorstand des in einen Bilanzskandal verstrickten Finanzdienstleisters Wirecard, Jan Marsalek, wird sich einem Medienbericht zufolge doch nicht der Justiz stellen. Das melden "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf Kreise der Prozessbeteiligten. Marsalek hatte über seinen Anwalt in der vergangenen Woche zunächst erklären lassen, er werde nach München kommen, um sich dort vernehmen zu lassen. Dies soll demnach nun nicht stattfinden.

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Weder die Staatsanwaltschaft München noch sein Verteidiger äußerten sich demnach bislang zu dem Bericht. Der laut deutschen Medienberichten per Haftbefehl gesuchte Österreicher Marsalek hält sich derweil möglicherweise in China auf. Der philippinische Justizminister Menardo Guevarra teilte mit, Marsalek sei vergangene Woche auf die Philippinen eingereist und habe das Land kurz darauf Richtung China wieder verlassen.

"Geschäftsbetrieb massiv gefährdet"

Marsalek gilt als enger Vertrauter des langjährigen Wirecard-Chefs Markus Braun und möglicherweise als Schlüsselfigur im Bilanzskandal. Er verantwortete unter anderem das Asiengeschäft. Wirecard hatte vorletzte Woche eingestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und das Geld bei zwei philippinischen Banken vermutlich gar nicht existiert. Der Börsenkurs des Dax-Konzerns stürzte ab, das Unternehmen meldete Insolvenz an. Ex-Konzern-Chef Braun stellte sich bereits der Justiz.

Für die Wirecard-Aktie ging es derweil am Vormittag zeitweise um mehr als 200 Prozent nach oben. "Hier sind nur noch Zocker unterwegs", so ein Aktienhändler. Nach dem Kurssturz der vergangenen beiden Wochen sei die Bewegung nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Aktie ist in der Spitze um 99 Prozent gefallen auf zeitweise 1,08 Euro und stieg heute bis auf vier Euro. "Ein wahnsinniger Anstieg ohne wirklich neue Nachrichten", kommentiert ntv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. Auch wenn das Unternehmen betone, dass die Wirecard-Bank nicht in der Insolvenz sei und der Geschäftsbetrieb weiterlaufe, dürfte das Vertrauen der Kunden und Geschäftspartner verloren sein, so Wohlfeil. "Der Geschäftsbetrieb ist und bleibt massiv gefährdet."

Quelle: ntv.de, mbo/AFP