Infografik

Absturz eines Dax-Konzerns So steht es um die Wirecard-Aktie

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Der Mann, der Wirecard groß machte: Markus Braun war seit 2002 Vorstandschef.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schmerzhaftes Kursdebakel für die Aktionäre des Aschheimer Skandalkonzerns: Wirecard - einst höher bewertet als die Deutsche Bank - taumelt in die Insolvenz. Die Aktien sind nach einer wilden Achterbahnfahrt so billig wie noch nie.

Die Geschichte war fast zu schön, um wahr zu sein: Fast aus dem Nichts heraus steigt ein junges, deutsches Digitalunternehmen in die Liga der global aktiven Börsenschwergewichte auf. Im großen Stil mischt Wirecard mit Sitz in Aschheim bei München in der Welt des Internethandels mit.

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Im Herbst 2018 - weniger als 20 Jahre nach der Gründung - verdrängt der neue E-Commerce-Star unter den Zahlungsabwicklern sogar die Commerzbank aus der ersten Reihe im Dax. Mit dem nahezu ungebremsten Aufstieg des Aktienkurses ist es danach allerdings vorbei. Die Wirecard-Papiere, die erst seit 2005 überhaupt im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistet sind, verlieren deutlich an Höhe.

Es folgt eine Phase wilder Schwankungen, ausgelöst unter anderem durch kritische Berichte der "Financial Times" (FT). Über Jahre hinweg bemüht sich die Wirecard-Führung, die gravierenden Vorwürfe zu entkräften. Auch juristisch setzt sich der Vorzeigekonzern aus Deutschland gegen die genau nachrechnenden Zweifler aus London zur Wehr.

Die Briten ließen sich davon nicht einschüchtern: Wenige Monate später, im Oktober 2019, legt die "FT" nach und bekräftigt ihre Vorwürfe. Die deutsche Finanzaufsicht muss dem Dax-Unternehmen zeitweise mit einem Leerverkaufsverbot zur Seite springen, um Spekulanten, die auf fallende Kurse setzen, auszubremsen. Bei Wirecard heißt es, die Vorwürfe der Bilanzfälschung könnten "zu 100 Prozent zurückgewiesen" werden.

Im Sommer 2020 wird es für Wirecard dann plötzlich eng: Bis zur Vorlage der neuen Jahresbilanz muss ein entscheidender Bericht der Wirtschaftsprüfer vorliegen. Doch selbst die haben Mühe, die komplexen Zahlungsströme in den Wirecard-Büchern zu durchschauen. Am Ende fehlen Belege für die Existenz von rund 1,9 Milliarden Euro. Die fraglichen Konten scheint es bei den von Wirecard angegebenen philippinischen Banken nicht zu geben.

Der Rest ist bekannt: Wirecard-Chef Markus Braun tritt nach 18 Jahren an der Spitze zurück und wird kurz darauf verhaftet. Wirecard gibt auf und meldet Insolvenz an. Jan Marsalek, einer von Brauns früheren Vorstandskollegen, taucht unter. Im Eilverfahren droht der einstige Vorzeigekonzern aus dem Leitindex zu fliegen.

Der Aktienkurs fällt ins Bodenlose. Anleger, die dem Unternehmen bis zuletzt die Treue hielten, stehen vor einem Scherbenhaufen zerschlagener Hoffnungen. Seit Jahresbeginn hat die Wirecard-Aktie (Stand Freitag, 26. Juni) volle 98,8 Prozent an Wert verloren. Seit dem Rekordhoch von Anfang September 2018 beläuft sich der Verlust sogar auf fast 195 Euro je Anteilsschein.

Dabei kann niemand behaupten, dass es keine Warnsignale gab: Seit Jahren schon sah sich das Wunderkind der deutschen Börsenlandschaft, mit unangenehmen Fragen zu Ungereimtheiten in der Bilanz konfrontiert.

Schon seit Jahren sei Wirecard "wegen undurchsichtiger oder vermeintlich unsauberer Bilanzpraktiken immer wieder scharf angegriffen" worden, heißt es zum Beispiel in einem Bericht des "Manager-Magazin". Vorsichtige Anleger hätten damals schon hellhörig werden können: Denn darin geht es auch um jene obskure "Drittbanken", die Wirecard schließlich zum Verhängnis werden sollten. Der fragliche Beitrag stammt aus dem Februar 2017. Damals war die Wirecard-Aktie noch fast 46 Euro wert.

Quelle: ntv.de