Wirtschaft

30 Jahre nach der Wende Wirtschaftskraft im Osten holt auf

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Milliardeninvestitionen in Infrastruktur, Bildung, Verwaltung und Sozialsysteme: Im Bild die ICE-Neubaustrecke mit der Saale-Elster-Talbrücke bei Schkopau in Sachsen-Anhalt.

(Foto: picture alliance / Martin Schutt)

Die ostdeutsche Wirtschaftskraft ist fast auf EU-Niveau angekommen. Das stellt ein aktueller Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit fest. Doch noch immer hadert eine Mehrheit mit der Wiedervereinigung. Auch der Fachkräftemangel macht den ostdeutschen Ländern zu schaffen.

Der neue Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit verzeichnet nach Informationen des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) eine seit Jahren steigende Wirtschaftskraft in den neuen Bundesländern. "Die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands ist von 43 Prozent im Jahr 1990 auf 75 Prozent des westdeutschen Niveaus im Jahr 2018 gestiegen und entspricht damit nahezu dem Durchschnitt der Europäischen Union", zitiert das RND aus dem Bericht, der am kommenden Mittwoch vom Bundeskabinett beraten werden soll.

Löhne, Gehälter sowie die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte erreichten demnach inzwischen etwa 85 Prozent des westdeutschen Niveaus. Der Abstand sei noch geringer, wenn die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in Ost und West berücksichtigt würden.

Auch auf dem Arbeitsmarkt zeige sich eine zunehmend positive Entwicklung. So sei die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern überproportional stark zurückgegangen - von 18,7 Prozent im Jahr 2005 auf 6,4 Prozent im August 2019. Im Westen habe es im gleichen Zeitraum einen Rückgang lediglich um rund fünf Prozentpunkte gegeben.

Geburtenrückgang "erhebliche Belastung"

Dies sei allerdings "auch der ungünstigeren demografischen Entwicklung ostdeutscher Regionen zuzuschreiben". Die in der Vergangenheit erfolgte Abwanderung vor allem junger, gut Qualifizierter sowie "der dramatische Geburtenrückgang zu Beginn der 1990er-Jahre" sei für die neuen Bundesländer "eine erhebliche Belastung". Dies zeige sich unter anderem in wachsendem Fachkräftemangel: "Von Arbeitsmigration aus dem Ausland profitiert der Westen bislang weit mehr als der Osten Deutschlands."

Die Regierung zieht in dem Bericht eine positive Bilanz der Entwicklung im Osten nach 1989: "Das Zusammenwachsen Deutschlands und die Angleichung der Lebensverhältnisse sind seither weit vorangekommen."

Wenn es um politische Fragen gehe, werde in den neuen Ländern jedoch Unzufriedenheit spürbar. "So fühlen sich laut einer jüngst für die Bundesregierung durchgeführten Umfrage 57 Prozent der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse", heißt es in der Kabinettsvorlage. "Die Wiedervereinigung halten nur rund 38 Prozent der Befragten im Osten für gelungen." Bei Menschen unter 40 Jahren seien es sogar nur rund 20 Prozent. Knapp die Hälfte der Menschen im Osten sei eher unzufrieden mit der Funktionsweise der Demokratie.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP

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