Wirtschaft

Paletten als Konjunkturindikator Wirtschaftswachstum "normalisiert" sich

108544030.jpg

Weil die deutsche Industrie im Boom so dringend Paletten brauchte, mussten im vergangenen Jahr bei vielen Herstellern die Mitarbeiter in Samstagsschichten arbeiten und Überstunden machen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Konjunktur kühlt sich ab. Das sagen Wirtschaftsforscher in ihren neuen Prognosen - und die Hersteller von Paletten und Transportverpackungen, die als zuverlässiger Indikator gelten. Grund zur Sorge um die Wirtschaft gibt es demnach nicht.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland schwächt sich ab. Wer wissen will, wie genau es um die Konjunktur steht, kann sich in das Zahlenwerk der Wirtschaftsforschungsinstitute einarbeiten, von denen zwei erneut ihre Prognosen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt gesenkt haben. Oder man kann Marcus Kirschner befragen. Kirschner ist Geschäftsführer des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten und Exportverpackungen. Die Mitgliedsunternehmen stellen die Verpackungen und Paletten her, mit denen ein Großteil der deutschen Industrieproduktion transportiert wird.

Nachdem die Palettenhersteller im vergangenen Jahr und der ersten Hälfte dieses Jahres aufgrund der riesigen Nachfrage mit der Produktion kaum hinterhergekommen waren, normalisiert sich die Auftragslage nun wieder. "Nach wie vor sind die Betriebe ausgelastet und die Auftragsbücher voll. Aber wir beobachten eine gewisse Normalisierung", sagt Kirschner n-tv.de. "Die Samstagsschichten, die notwendig geworden waren, um die Aufträge abzuarbeiten, fallen immer öfter wieder aus. Auch die Überstunden werden weniger."

Diese Beobachtung entspricht den Analysen der Ökonomen. So erwarten die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) für 2018 nur noch 1,5 Prozent Wachstum statt wie bisher 1,9 Prozent. Vergangenes Jahr hatte das deutsche BIP noch 2,2 Prozent zugelegt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte seine Prognose für das Wachstum der Wirtschaftsleistung für 2018 um 0,3 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Dies entspricht in etwa dem langjährigen Durchschnitt des deutschen BIP-Wachstums.

Kein Einbruch zu erwarten

Kirschner überrascht diese Übereinstimmung mit der Erfahrung seiner Mitgliedsunternehmen nicht. "In der Tat bewegt sich unser Geschäft immer sehr parallel zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung." Und auch in der Einschätzung der künftigen Entwicklung liegen die Paletten-Praktiker auf einer Linie mit den Konjunkturtheoretikern, denen zufolge das Wachstum auf etwas niedrigerem Niveau stabil bleiben dürfte. Laut IfW wird das BIP 2019 um 1,8 Prozent zulegen. Das DIW sagt 1,6 Prozent für das kommende Jahr voraus.

Die Gefahr einer Rezession sei gering, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Der Aufwärtstrend werde sich fortsetzen, wenn auch auf einem schwächeren Niveau. Die Bauwirtschaft brumme, die Arbeitsmarktlage sei stabil. Das mache sich zunehmend in den Portemonnaies der Arbeitnehmer bemerkbar. "Die Löhne steigen auch nach Abzug der Inflation, die in den kommenden Jahren bei etwa zwei Prozent liegen dürfte, um voraussichtlich mehr als ein Prozent pro Jahr. Davon profitiert der private Konsum", sagte DIW-Experte Simon Junker.

Gefahren drohen der deutschen Wirtschaft dagegen von außen. "Die politischen Unwägbarkeiten von den Handelskonflikten bis zum Brexit sorgen natürlich für Unsicherheit auch in unserer Branche", so Kirschner. Doch in Prognosen gehen weder er noch die Konjunkturforscher davon aus, dass diese Konflikte im kommenden Jahr so stark eskalieren, dass sie der deutschen Wirtschaft nachhaltig schaden. Wenn sich die Umstände nicht gravierend änderten, sagt Kirscher, "sehe ich keinen Grund für einen Einbruch."

Quelle: n-tv.de, mbo

Mehr zum Thema