Wirtschaft

Habeck wollte sie, Reiche nicht Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier muss gehen

24.02.2026, 15:18 Uhr
imageVon Monika Dunkel
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Nach einer Amtszeit ist Schluss. (Foto: picture alliance / Ute Grabowsky/photothek.de)

Die CDU will den Vertrag der Ökonomin Ulrike Malmendier im Sachverständigenrat nicht verlängern. Das ist unfair - hat aber Gründe jenseits von Parteipolitik.

Ulrike Malmendier ist eine Fachfrau, wie man sie sich nur wünschen kann. Ökonomin, Professorin an der kalifornischen Top-Universität Berkeley, die insbesondere zu den Themen Verhaltensökonomie und Kapitalmärkten forscht. Ein Aushängeschild.

Seit 2022 ist sie Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft der Bundesregierung - damals auf Vorschlag von Robert Habeck (Grüne) berufen worden. Nun stünde die Verlängerung des Vertrags an. Eigentlich eine Formsache, eine zweite Amtszeit ist üblich in dem fünfköpfigen Gremium. Doch das CDU-geführte Wirtschaftsministerium sowie das Kanzleramt haben offenbar ihr Veto eingelegt gegen eine Verlängerung von Malmendier, wie das "Handelsblatt" zuerst berichtete. Sie setzen die Wissenschaftlerin quasi vor die Tür.

Die Entscheidung klingt nach einem Skandal. Danach, dass sich Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Kanzler Friedrich Merz (beide CDU) einer unabhängigen Wissenschaftlerin entledigen, die ihnen nicht ins eigene Programm passt. Doch mit nüchternem Blick betrachtet, gibt es auch ein paar handfeste Gründe jenseits des Parteienproporz', der bei der Besetzung des Gremiums schon immer eine maßgebliche Rolle gespielt hat.

Malmendiers Forschungsgebiet ist für die momentane Wirtschaftspolitik in Deutschland nicht besonders relevant. Sie kümmert sich um die Behavioral Economics, untersucht, wie psychologische Faktoren die wirtschaftlichen Entscheidungen beeinflussen, insbesondere an den Finanzmärkten. So stammt wohl der Gremiumsvorschlag von ihr, dass der Staat Kindern jeden Monat 10 Euro gibt, um sie früh an Geldanlage und Finanzmärkte heranzuführen. Nicht verkehrt, aber bürokratieintensiv und nicht gerade die erste Priorität in der momentanen Lage, die von Handelskriegen und Wachstumsschwäche in Deutschland geprägt ist. Erforderlich sind hier andere Schwerpunkte: Konzepte die helfen, Deutschland aus der Krise zu bringen.

Hunderte Seiten, die kaum jemand liest

Dass es sie nun trifft, ist dennoch unfair. Zumal man ihr im Hintergrund auch noch hohe Flugkosten aufgrund ihrer vielen Anreisen aus San Francisco vorgehalten hat. Dabei war immer klar, dass sie in den USA arbeitet und lebt. Denn auch andere Ökonomen des Rats haben nicht unbedingt die Forschungsgebiete, die jetzt erforderlich wären. Es fehlen Ökonomen mit Kompetenzen in Außenwirtschafts-, Steuer- und Finanzfragen sowie auch der Makroökonomie.

Überhaupt wird das 1963 eingerichtete Gremium von den Regierenden nicht sonderlich ernst genommen. Das Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen ist mit 400 bis 500 Seiten monströs, alles erschlagend und wird von der Politik lächelnd ignoriert. Kurz und bündig wäre gut, Empfehlungen zu besonders drängenden Fragen statt viel überflüssiger Arbeit. Statt sich um ein theoretisches Konzept wie die Zinsbereinigung beim Eigenkapital zu kümmern, wäre es gut, Strategien zur Rettung des Industriestandorts oder Konzepte zu entwickeln, wie 500 Milliarden Euro Sondervermögen sinnvoll eingesetzt werden.

Wer den Sachverständigenrat retten will, muss ihn reformieren, ihn attraktiver für Spitzenökonomen machen, die den Job bisher im Nebenberuf betreiben; er muss darauf achten, dass die Ökonomen beitragen können zu den Kernthemen in Deutschland. Aber er darf das Gremium nicht hinterrücks diskreditieren, indem er sich ein eigenes Gremium im Wirtschaftsministerium schafft und ihn damit in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet.

Dieser Text erschien zuerst bei capital.de

Quelle: ntv.de

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