Wirtschaft

Niedriger als Regierung erwartet Wirtschaftsweise senken Prognose

126191301.jpg

Der Sachverständigenrat sieht die deutsche Volkswirtschaft in einem vorübergehenden Abschwung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wächst wohl weniger stark als erwartet: Die Wirtschaftsweisen rechnen sowohl für das aktuelle als auch das kommende Jahr mit einem Abschwung. Kritisch sieht der Sachverständigenrat außerdem das Festhalten der Bundesregierung an der Schwarzen Null.

Die sogenannten Wirtschaftsweisen haben ihre Erwartungen an das deutsche Wirtschaftswachstum nach unten geschraubt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet in seinem Gutachten nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für 2020 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,9 Prozent. Für das laufende Jahr sollen sie ein Wachstum von 0,5 Prozent erwarten.

Für 2020 sind die Ökonomen laut "SZ" damit skeptischer als andere Prognosen. Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute, der Internationale Währungsfonds und die Brüsseler Kommission würden 2020 1,1 bis 1,4 Prozent Wachstum erwarten. Die Prognose der Bundesregierung liegt bei 1,0 Prozent.

Der Sachverständigenrat sehe die deutsche Volkswirtschaft derzeit in einem vorübergehenden Abschwung, berichten die Zeitungen übereinstimmend. Es sei nicht "von einer breiten und tiefergehenden Rezession auszugehen", heiße es in dem Gutachten mit dem Titel "Den Strukturwandel meistern". Am Mittwoch legt das Gremium seine Ergebnisse der Bundesregierung vor.

Die Wirtschaftsweisen sehen allerdings eine länderübergreifende Schwäche der Industrie, heißt es in der "SZ". Den in Deutschland traditionell starken Export treffe demnach die Eintrübung der Weltwirtschaft. Dazu trügen besonders der geplante britische EU-Austritt und die von US-Präsident Donald Trump losgetretenen Handelskonflikte bei. Die anhaltende Unsicherheit bremse zudem überall die Investitionen der Unternehmen.

Gefahr durch Schwarze Null?

Kritisch sehen die Wirtschaftsweisen laut "FAZ"-Bericht den Haushaltsausgleich, den CDU und CSU, aber auch SPD-Finanzminister Olaf Scholz bislang propagieren. "Zwar erkennt der Sachverständigenrat die Sinnhaftigkeit einer politischen Selbstverpflichtung wie der Schwarzen Null gerade in Zeiten der konjunkturellen Überauslastung an", soll es in dem Gutachten heißen. Gleichzeitig beschreibt der Rat die Gefahr, die durch ein Festhalten am Haushaltsausgleich bestehe.

Gespalten zeige sich der Rat in der Beurteilung der Schuldenbremse. Drei Mitglieder verteidigten diese. Sie sei auch unter konjunkturellen Aspekten ausreichend flexibel. "Eine Einschränkung der staatlichen Investitionstätigkeit durch die Schuldenbremse ist nicht feststellbar", befinden sie demnach und mahnen unter Verweis auf die amerikanische Lebensregel: "If it ain’t broke, don’t fix it - Repariere nichts, was nicht kaputt ist." Dagegen spreche sich die Minderheit im Rat für eine Reform der Schuldenbremse aus. Neben Achim Truger, der von den Gewerkschaften vorgeschlagen worden war, vertrete Isabel Schnabel diese Position, was von besonderer Brisanz sei, da die in Bonn lehrende Ökonomin die deutsche Kandidatin für das Direktorium der Europäischen Zentralbank ist.

Dagegen schaue der gesamte Sachverständigenrat mit Sorge auf die hiesigen Finanzinstitute. "Die geringe Profitabilität der Banken birgt Risiken für die Finanzstabilität, weil der Aufbau von Eigenkapital erschwert wird und Anreize bestehen, übermäßige Risiken einzugehen", warne er. Zwar seien die Banken widerstandsfähiger geworden. "Allerdings ist im Fall einer Rezession ein Anstieg der Risiken zu erwarten, und es besteht die Gefahr einer prozyklischen Verstärkung durch das Finanzsystem." Im Immobilienbereich sehen die Ökonomen demnach schon "deutlich erhöhte Risiken."

Quelle: n-tv.de, ibu

Mehr zum Thema