Wirtschaft

Trotz konstanten Wachstums Wohlstand stagniert auf Niveau der Neunziger

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(Foto: picture alliance/dpa)

Die Wirtschaft brummt - das heißt aber nicht, dass jeder Deutsche deshalb mehr Geld im Portemonnaie hat. Einer aktuellen Studie zufolge sind die Bürger im Schnitt genauso wohlhabend wie vor 25 Jahren. Nur die Einkommensschere ist weiter auseinander gegangen.

Das Wohlstandsniveau stagniert laut einer Studie trotz des Wirtschaftswachstums auf dem Niveau der Neunzigerjahre. Hauptgrund dafür sei der fortwirkende, deutliche Anstieg der Einkommensungleichheit, will das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) in einer Studie herausgefunden haben. Den Studienautoren zufolge hinkt der Wohlstand der Deutschen dem Wirtschaftswachstum im Langzeitvergleich hinterher.

Vor allem in den 2000er Jahren habe es einen deutlichen Anstieg der Einkommensungleichheit gegeben, schreiben sie. "Damals stagnierten die Reallöhne vieler Beschäftigter, während Kapital- und Unternehmenseinkommen stark zunahmen." Zwar seien die Reallöhne in den vergangenen Jahren spürbar geklettert. "Da allerdings auch die Kapital- und Vermögenseinkommen kräftig zulegten, ging die Einkommensungleichheit kaum zurück", hieß es.

In der Studie befassen sich die Autoren mit den aktuellen Ergebnissen des Nationalen Wohlfahrtsindex, den sie als alternativen Indikator zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) werten. Der Wohlfahrtsindex nimmt vor allem die Entwicklung des nationalen Wohlstands anhand privater Konsumausgaben in den Blick. Stärker als beim BIP werden dabei neben den ökonomischen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt. Der Index ist im Jahr 2016 zum dritten Mal in Folge gestiegen - um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Modell gibt es schon seit einigen Jahren - es zieht aber auch Kritik auf sich. Denn es versucht, verschiedene Komponenten wie Luftverschmutzung oder Lärmbelästigung zu einem Geldwert umzurechnen, den man dann dem Geldwert des BIP gegenüberstellen kann. Kritiker halten die beiden Größen deshalb nur bedingt für vergleichbar. "Der Indikator ist ein legitimer Beitrag in einer Debatte um erweiterte Wohlstandsmessung, aber es ist nicht so, dass mit diesem Index der Stein der Weisen gefunden wäre", sagt Nils aus dem Moore vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte bereits Ende Mai auf Basis von SOEP-Daten eine Studie vorgelegt, wonach der anhaltende Wirtschaftsaufschwung in Deutschland bei weitem nicht bei allen Bürgern ankommt. Demnach sind zwischen 1991 und 2015 die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Davon haben laut Untersuchung die meisten Einkommensgruppen profitiert - aber nicht die untersten.

Einkommensungleichheit bedeute aber nicht automatisch Einkommensungerechtigkeit, sagt DIW- Vorstandsmitglied Stefan Liebig. "Wenn wir die Menschen fragen, welche Einkommen sie haben wollen und welche Einkommen sie als gerecht ansehen, dann sprechen sie sich in keinster Weise für eine gleiche Verteilung von Einkommen aus. Einkommen sollen durchaus unterschiedlich und nach Leistung differenziert sein."

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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