"Die Einschläge kommen näher"Wolfgang Grupp spricht über sein Leben nach dem Suizidversuch

Im Sommer 2025 versuchte der Ex-Trigema-Chef, sich das Leben zu nehmen. Jetzt spricht Grupp detailliert über seine Depression und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden.
"Ich muss dazu stehen, dass ich meinem Leben ein Ende setzen wollte", sagt der ehemalige Trigema-Chef im Gespräch mit der "Wirtschaftswoche". In dem sehr persönlichen Interview redet Wolfgang Grupp nun offen über seinen Suizidversuch im vergangenen Sommer. Und darüber, wie schwer es ihm fiel, sich zurechtzufinden, nachdem er Trigema an seine Frau Elisabeth und seine Kinder Wolfgang Junior und Bonita übergeben hatte.
"Ich habe gedacht, dass ich nicht mehr gebraucht werde, beziehungsweise dass ich nicht mehr wichtig bin", sagt Grupp in dem Interview. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand Grupp an der Spitze des schwäbischen Textilherstellers, er hat für Trigema gelebt. Früher habe er nie zwischen dem Privatmann Wolfgang Grupp und dem Unternehmer Wolfgang Grupp getrennt, so Grupp zur "Wiwo". Nun sei er nur noch Privatmann. Grupp bekennt, wie sehr er damit gekämpft habe, nicht mehr der wichtigste Entscheider bei Trigema zu sein. Nachts habe ihn das so beschäftigt, dass er nicht habe schlafen können.
"Die Depression hatte ihre Ursache in der Feststellung: Das ist jetzt das letzte Kapitel in meinem Leben", so Grupp. "Wenn ich in der Zeitung die Todesanzeigen lese, dann kommen die Einschläge näher." Dass er an einer Altersdepression litt, hatte Grupp schon kurz nach seinem Suizidversuch öffentlich gemacht. Noch aus dem Krankenhaus hatte er sich damals in einem Brief an die Trigema-Mitarbeiter gewandt und erklärt, dass er versucht hatte, sich das Leben zu nehmen.
"Ich bin im 84. Lebensjahr und leide an sogenannten Altersdepressionen. Da macht man sich auch Gedanken darüber, ob man überhaupt noch gebraucht wird", schrieb Grupp damals an die Belegschaft. "Ich habe deswegen auch versucht, mein Leben zu beenden." Er wollte Aufmerksamkeit schaffen für das Thema Depression und es in die Öffentlichkeit holen. "Ich bedaure sehr, was geschehen ist, und würde es gerne ungeschehen machen", schrieb er.
Familiengrab seit 10 Jahren vorbereitet
Jahrzehntelang war Wolfgang Grupp zuvor in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem der Mann aus der Werbung mit dem Affen vor der Tagesschau gewesen. Ein Patriarch vom alten Schlag in Maßanzügen, nie um einen markigen Spruch verlegen. Dieses Bild stürzte in sich zusammen, als bekannt wurde, dass der nach außen so erfolgreiche Unternehmer versucht hatte, sich umzubringen.
Capital/Stern hatte Grupp schon zuvor bei der Recherche und Interviews für ein großes Porträt im Jahr 2023 seine nachdenkliche und sensible Seite gezeigt. Der Unternehmer hatte über seine "schlimmste Zeit" als Schüler im Jesuitenkolleg und Internat St. Blasien gesprochen. Als er über den Tod und die Beerdigung seines Großvaters sprach, der sein großes Vorbild war, kamen dem Unternehmer während des Interviews im Großraumbüro die Tränen.
Schon damals war es auch um seinen eigenen Tod gegangen. "Ich bin ein großer Realist und jetzt im 82. Lebensjahr. Und wenn es morgen vorbei ist, dann bin ich nicht böse. Ich kann es ja sowieso nicht bestimmen. Das bestimmt ein anderer", sagt er Capital/Stern. Schon vor mehr als zehn Jahren hat er sich ein Familiengrab bauen lassen. "Wolfgang Grupp 4.4.1942" steht dort seitdem auf einer dunklen Grabplatte.