Wirtschaft
Ilmars Rimsevics
Ilmars Rimsevics(Foto: picture alliance / Alexander Wel)
Mittwoch, 21. Februar 2018

Finanzkrimi in Lettland: Zentralbankchef Rimsevics suspendiert

In der Korruptionsaffäre um Zentralbankchef Rimsevics greift die Anti-Korruptionsbehörde durch. Sie belegt ihn mit einem Amtsausübungsverbot. Rimsevics bestreitet die Vorwürfe, denn es bleibt vieles schleierhaft.

Lettlands Zentralbankchef Ilmars Rimsevics muss sein Amt ruhen lassen. Der oberste Währungshüter des baltischen Euro-Landes  ist von den Behörden vom Dienst suspendiert worden.  Auch dürfe er das Land nicht verlassen, wie die lettische Anti-Korruptionsbehörde KNAB der Agentur Leta zufolge mitteilte. Rimsevics sei über die Auflagen informiert worden.

In einem Fernsehinterview sagte Rimsevics, dass er sich trotz der Beschränkungen in den Geschäftsräumen der Zentralbank aufhalten und dort auch kleinere Aufgaben ausführen dürfe. Auch sei er bereit, an einer Sitzung des EZB-Rats teilzunehmen, sofern er dafür eine Erlaubnis von den KNAB erhielte.

Morddrohungen?

Rimsevics beteuerte erneut seine Unschuld und wies die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe zurück. Wie zuvor auf einer von ihm einberufenen Pressekonferenz bezeichnete er sich als Opfer einer von einigen lettischen Geschäftsbanken betriebenen Kampagne. Deshalb werde er nicht zurücktreten, sondern wolle sich verteidigen, sagte Rimsevics im lettischen Fernsehen.

Er selbst habe Morddrohungen erhalten, über die er die Sicherheitsbehörden informiert habe. Rimsevics war am Wochenende vorübergehend festgenommen worden. Der 52-Jährige soll mindestens 100.000 Euro Bestechungsgeld verlangt und angenommen haben, wie die Anti-Korruptionsbehörde KNAB mitteilte.

Nach Zahlung einer Kaution in derselben Höhe kam der dienstälteste  Zentralbankchef der Eurozone vorerst auf freien Fuß. Angesichts der negativen Auswirkungen der Korruptionsaffäre auf den Ruf Lettlands hat der Chef des Verteidigungsausschusses im Parlament die Einschaltung internationaler Ermittler vorgeschlagen. Lettland müsse die US-Bundespolizei FBI und das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) um Unterstützung bitten, sagte Ainars Latkovskis. Auch die Vorgänge um die im Zentrum eines Geldwäsche-Skandals stehende lettische ABLV-Bank sollten untersucht werden.

ABLV in Schieflage

Das drittgrößte lettische Kreditinstitut ABLV geriet wegen des Verdachts auf Geldwäsche ins Visier von US-Finanzbehörden und der Europäischen Zentralbank (EZB). Auf Ersuchen der EZB hatte die  lettische Finanz- und Kapitalmarktkommission am Montag die Geschäfte der Bank auf Eis gelegt. ABLV wies die Vorwürfe zurück. 

Nach Angaben von Rimsevics hat die in Schieflage geratene ABLV am Freitag die lettische Zentralbank um eine Finanzhilfe in Höhe von einer Milliarde Euro gebeten, die abgelehnt worden sei. Nur wenige Stunden später seien daraufhin die Räumlichkeiten der Zentralbank durchsucht worden.

Der Mehrheitseigner der lettischen Norvik Banka sagte der Nachrichtenagentur AP, Rimsevics habe seit 2015 regelmäßig durch einen Mittelsmann Bestechungsgelder verlangt. Der Zentralbankchef bestritt kategorisch die Vorwürfe und warf seinerseits der Bank vor, damit eine 200 Millionen Euro schwere Klage gegen den lettischen Staat beeinflussen zu wollen.

Quelle: n-tv.de