Zins- und Bankensorgen belastenUS-Börsen beenden Woche im Minus

Die überraschend stark gestiegenen Erzeugerpreise sorgen an der Wall Street für Unsicherheit. Steigende Zahlen gibt es allerdings infolge des beendeten Bieterwettstreits um Warner Brothers - und das für beide Konkurrenten.
Zinssorgen und Ängste vor neuen Problemen im Bankensektor haben den US-Börsen am Freitag deutliche Verluste eingebrockt. Die Wall Street verzeichnete damit den prozentual stärksten Monatsverlust seit einem Jahr. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent tiefer auf 48.978 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,4 Prozent auf 6879 Zähler nach, der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,9 Prozent auf 22.674 Stellen.
Überraschend stark gestiegene Erzeugerpreise dämpften die Hoffnungen der Anleger auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. "Zum Monatsende wurden wir daran erinnert, dass es immer noch einige Risse gibt", sagte Ryan Detrick, Marktstratege bei der Carson Group. Die Inflationsdaten hätten die Aussicht auf eine lockere Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf eingetrübt. Dennoch verwies Detrick auf die starke Berichtssaison: Die US-Unternehmen hätten ihre Gewinne im vierten Quartal um mehr als 14 Prozent gesteigert.
Unter Druck gerieten vor allem Finanztitel. Auslöser waren Berichte, wonach mehrere Großbanken durch den Zusammenbruch des britischen Hypothekenanbieters Market Financial Solutions Verluste erleiden könnten. Dies schürte Ängste vor Ansteckungseffekten in der Branche. Die Aktien von Wells Fargo (minus 9,3 Prozent), Jefferies (minus 5,6 Prozent) und die in den USA notierten Titel der britischen Barclays (minus 4 Prozent) gaben deutlich nach.
Bei den Einzelwerten standen zudem Tech-Titel im Fokus. Der KI-Liebling Nvidia weitete seine Vortagesverluste trotz solider Zahlen um über vier Prozent aus, was Händler als Zeichen anhaltender Nervosität im Sektor werteten. Dagegen schossen die Aktien von Dell um 22 Prozent nach oben. Der Computerhersteller hatte einen optimistischen Ausblick für sein Geschäft mit KI-Servern gegeben. Auch der Zahlungsdienstleister Block legte um knapp 17 Prozent kräftig zu, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, im Zuge einer stärkeren KI-Ausrichtung fast die Hälfte der Belegschaft abzubauen. Papiere der Cloud-Sicherheitsfirma Zscaler brachen nach einem ausgeweiteten Quartalsverlust um über zwölf Prozent ein.
Bewegung gab es auch im Mediensektor: Netflix legte um knapp 14 Prozent zu, nachdem der Streaming-Riese sich aus dem Bieterkampf um Warner Bros Discovery zurückgezogen hatte. Die Warner-Aktie gab daraufhin um über zwei Prozent nach, während Papiere des nun Käufers Paramount Skydance um fast 21 Prozent stiegen. Gefragt waren am Freitag zudem defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen und Versorger.
Der ungewisse Ausgang der Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran ließ die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI um 2,5 und 3,1 Prozent auf 72,52 beziehungsweise 67,24 Dollar je Fass ansteigen. "Es herrscht Unsicherheit, die Angst treibt die Preise heute in die Höhe", sagte Tamas Varga, Ölanalyst beim Brokerhaus PVM. "Das wird ausschließlich vom Ausgang der iranischen Atomgespräche und möglichen Militäraktionen der USA gegen den Iran bestimmt." Der Iran rechnet in weniger als einer Woche mit einer nächsten Runde der Atomgespräche mit den USA. Anleger fürchten, dass ein militärischer Konflikt die Ölversorgung aus dem Nahen Osten durch die Straße von Hormus unterbrechen könnte.