Wirtschaft

In vielen Alltagsgegenständen Zusatzstoff Bisphenol A bleibt "gefährlich"

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Bisphenol ist in vielen Alltagsgegenständen enthalten, wie etwa in Plastikgeschirr.

(Foto: imago images / Jochen Tack)

Plastikgeschirr, Konservendosen und Kassenbons aus Thermopapier - der Stoff Bisphenol A ist in vielen Kunststoffprodukten enthalten. Allerdings schädigt er den Hormonhaushalt des Menschen. Die Plastikbranche versucht dennoch, seinen Status als "gefährlicher" Stoff abzuerkennen - vergeblich.

Der Plastikzusatzstoff Bisphenol A wird in der EU laut einem Gerichtsurteil weiter als gefährlich eingestuft. Die Substanz bleibe in der EU aufgrund ihrer reproduktionstoxischen Eigenschaften als besonders besorgniserregend eingestuft, urteilte das Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg. Eine Klage gegen diese Klassifizierung durch den Branchenverband Plastics Europe werde abgelehnt.

Bisphenol A ist ein chemischer Stoff, der vor allem als Ausgangssubstanz zur Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Harzen verwendet wird. Er zählt zu den hormonell schädigenden Stoffen und ist in vielen Alltagsgegenständen enthalten, etwa in Plastikgeschirr, Konservendosen und Kassenbons aus Thermopapier. Seit 2011 ist der Einsatz der Substanz in Babyfläschchen EU-weit verboten.

Im Juli 2016 erließ die Kommission zudem eine Verordnung, nach der Bisphenol A als schädlich für die Fortpflanzungsfähigkeit eingestuft wurde. Die europäische Chemikalienagentur Echa fasste angesichts dessen 2017 einen Beschluss, die Chemikalie in die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe in der Europäischen Verordnung über die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (Reach) aufzunehmen.

Hersteller haben Einwände

Dagegen wandte sich der Verband Plastics Europe, der unter anderem die Interessen von vier Unternehmen vertritt, die Bisphenol A vertreiben. Die Echa habe in ihre Bewertung die Verwendung von BPA als Zwischenprodukt nicht ausreichend mit einbezogen, argumentiert die Herstellervereinigung.

Das EuG wies die Klage des Verbands nun aber mit der Begründung ab, dass die Reach-Verordnung nicht ausschließe, einen Stoff als "besonders besorgniserregend" einzustufen, selbst wenn er nur als isoliertes Zwischenprodukt verwendet werde. Zudem betonte das Gericht, die Ermittlung des besonders besorgniserregenden Charakters eines Stoffes diene auch dazu, "die Öffentlichkeit und Fachkreise besser über die Risiken und Gefahren, denen sie sich aussetzen, zu informieren." Gegen die Entscheidung können Rechtsmittel beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingelegt werden.

Quelle: n-tv.de, kst/rts/AFP

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