Wirtschaft

Weltwirtschaftsforum in Davos Zwischen Staaten-Strich und Tropen-Trump

Protektionismus, Populismus, Brexit - nie war der Austausch zwischen Politikern und Wirtschaftsbossen wichtiger als beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum. Doch US-Präsident Trump kommt nicht, auch Premierministerin May und Frankreichs Staatschef Macron fehlen.

Sie vermissen ihn. Aber Donald Trump kommt nicht. Beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF), das am Abend in Davos eröffnet wird, bleibt der US-Präsident wie auch die übrige US-Delegation wegen der andauernden Krise des Staatshaushalts in diesem Jahr fern. Auch Frankreichs Präsident Emanuel Macron und die britische Regierungschefin Theresa May reisen nicht in die Schweizer Berge. Dafür kommen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe und Chinas Vizepräsident Wang Qishan - immerhin.

Eine gewisse Enttäuschung über die ausgedünnte Politprominenz ist spürbar bei Unternehmensvertretern und Organisatoren wie dem WEF-Gründer Klaus Schwab. Denn wo der US-Präsident dabei ist, sind weltweite Schlagzeilen sicher. Es überwog bis vor kurzem noch die Resthoffnung, dass der US-Regierungschef in Davos anstelle von Rüpel-Attacken zum diesjährigen Motto "Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution" Fruchtbares hätte beisteuern können.

Die Welt wird digital vermessen, doch Protektionismus und Populismus breiten sich aus. Und in Europa droht ein harter Brexit. Viele ungute Nachrichten für global tätige Wirtschaftsbosse. Sie hätten in Davos - einst geschaffen für freien Gedankenaustausch über weltweiten Freihandel - gerne über grenzenlosen Welthandel gesprochen, am besten konkrete Handlungsempfehlungen zur Globalisierung gegeben. Davos wird auch nichts Exklusives zum drohenden Brexit liefern können. Er ist, genauso wie Trumps "America first"-Politik, Thema in den Schweizer Bergen - aber eben ohne die wichtigsten Entscheider aus der Politik.

Dafür dürfte sich in der Graubündner Bergwelt ein neuer, gerade gewählter Regierungschef PR-wirksam in Szene setzen: Jair Bolsonaro, der rechtspopulistische Staatschefs Brasiliens. Er kommt nach Davos und wird wohl mit so manchem Zitat - ob ausländerfeindlich oder rüpelhaft - Aufmerksamkeit erhalten. Immerhin ein Tropen-Trump, witzeln Davoser Stammgäste sarkastisch.

Derweil herrscht "business as usual" bei vielen Unternehmen. Die US-Konzerne protzen, wie viele andere Global Player auch, noch mehr als in den Vorjahren. Kaum ein Ladenlokal, das nicht ausgeräumt und zu einer Firmenrepräsentanz umgebaut wurde. Bis auf wenige Sportgeschäfte und Schmuckläden sind auf der Davoser Shoppingmeile, der Promenade, derzeit nur noch coole Lounges zu finden. Neben Firmen aus etablierten Branchen, wie Banken und Vermögensverwaltern, machen sich im Zentrum immer mehr Blockchain- und Digitalunternehmen breit. Außerdem hängen reihenweise Plakate an den Hauswänden links und rechts der Promenade: Die Banner werben für Investitionen in Russland, Saudi-Arabien, Polen und anderen Ländern - weshalb die Meile bei Davosern auch "Staaten-Strich" genannt wird.

Jedes Jahr im Januar treffen sich Mächtige aus Wirtschaft und Weltpolitik beim World Economic Forum. n-tv ist in Davos und berichtet ausführlich vom Weltwirtschaftsforum.

Quelle: n-tv.de

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