Der Börsen-TagDAX vor nächstem Absturz
Von der Hoffnung auf einen goldenen Herbst sollten sich DAX-Anleger nach Einschätzung von Experten verabschieden. "Es kommt momentan einiges an schlechten Nachrichten beziehungsweise Unsicherheiten zusammen", sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. Hauptbelastungsfaktoren seien die hartnäckig hohe Inflation, der Ukraine-Krieg und die Energiekrise. Außerdem könne frühestens nach dem Jahreswechsel mit einem gedrosselten Zinserhöhungstempo der Notenbank gerechnet werden, prognostiziert Bernd Meyer, Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank. "Frühestens dann dürfte sich die Wirtschaft hinreichend abgeschwächt haben und sich in oder nahe einer Rezession befinden und die nachlassende Nachfrage einen deutlicheren Inflationsrückgang begünstigen."
Ein Lichtblick sei allerdings die Tatsache, dass der Aktienmarkt statistisch betrachtet in eine starke Phase eintrete, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. "Saisonalität ist keine Garantie, aber eine Orientierung." In vierten Quartalen hat der DAX bislang im Schnitt 6,8 Prozent zugelegt.
In der Vorwoche büßte der deutsche Börsenleitindex wegen wieder aufgeflammter Rezessionsängste allerdings insgesamt wieder stark ein und fiel zeitweise auf ein Zweijahrestief von 11.863 Punkten. Mit einem Monatsverlust von 6,4 Prozent steht der DAX vor seinem schwärzesten September seit 14 Jahren. Zwar schloss der DAX am Freitag mit einem Stand von 12.114 Punkten fast 140 Zähler oder 1,2 Prozent höher. Die Kurse an der Wall Street bröckelten jedoch. Aktuell wird der DAX mit Kursen um 11.990 Punkte wieder unter der 12.000er-Marke taxiert.
Zum Wochenstart stehen einige Einkaufsmanagerdaten zum verarbeitenden Gewerbe auf der Agenda. Entsprechende Zahlen kommen etwa aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der EU und den USA. Jenseits des Atlantiks wird zudem der ISM-Index veröffentlicht. Auch die US-Bauausgaben dürften für Anleger interessant sein. Darüber hinaus trifft sich die Eurogruppe.