Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Das Schlussfeuerwerk der KI-Hausse"

08.06.2026, 06:00 Uhr

Auch in dieser Woche dürften Börsianer zwischen KI-Euphorie und geopolitischen Ängsten schwanken. Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz lehnte zuletzt eine Waffenruhe im Libanon ab, während Israel einen Truppenabzug ausschloss. Der Iran macht ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon zur Bedingung für ein Friedensabkommen mit den USA. "Dennoch sorgt die fortwährende Kriegsunsicherheit an den Finanzmärkten immer weniger für eine Zunahme der Risikoaversion - auch dank fortgesetzter KI-Fantasie", kommentieren die Experten der Helaba. So war der Dax am Freitag nach starken Schwankungen im Wochenverlauf mit 24.759 Punkten ins Wochenende gegangen.

Laut LBBW-Analysten besteht jedoch zwischen dem unsicheren geopolitischen Umfeld und steigenden Indizes nur ein scheinbarer Widerspruch. Die große Mehrzahl der Aktienkurse entwickelt sich demnach unterdurchschnittlich und reagiert damit durchaus auf die wachsenden Schwierigkeiten.

Auch die Ölpreise legten in der alten Woche um drei bis sechs Prozent zu. "Das alles wird durch das Thema KI überdeckt", heißt es im LBBW-Bericht. Dessen Sog ziehe immer mehr Aktien nach oben, sofern diese direkt oder indirekt vom Bau und Ausrüstung der gewaltigen Rechenzentren profitieren könnten - Halbleiter und deren Produktion, Stromversorgung, Vernetzung, Spezialmaterialien. "Auf uns wirkt dies wie das Schlussfeuerwerk der KI-Hausse."

Der Rekord-Börsengang von SpaceX kommenden Freitag, bald gefolgt von Anthropic und OpenAI, läute nun die Phase der Gewinnmitnahmen für die Risikokapitalgeber ein. Er dürfte ein wichtiger Test dafür werden, wie aufnahmefähig die Kapitalmärkte für hoch bewertete Wachstumsunternehmen noch sind, kommentieren die Experten der Schweizer Privatbank Reichmuth & Co. Zugleich könnte das Börsendebüt laut Analyst Timo Emden erneut von den Krisenherden und geldpolitischen Fragezeichen ablenken.

Die neue Konjunkturdaten-Woche eröffnet heute, aber zunächst die April-Zahlen für die Auftragseingänge der deutschen Industrie. Nun werde sich zeigen, ob das deutliche Plus im März - wie vom Wirtschaftsministerium vermutet - in erster Linie einem Sondereffekt zuzurechnen war, sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Ebenfalls heute warten Anleger auf das Barometer der Beratungsfirma Sentix für Juni. Dieses zeigt an, wie Börsianer auf die Konjunktur in der Eurozone blicken.

Die komplette Terminvorschau für diese Woche finden Sie hier.

Quelle: ntv.de