Ausverkauf bei Tech-AktienZinsängste schicken Wall Street auf Talfahrt

Anstehende Börsengänge der Superlative sorgen an der Wall Street für Bewegung. Anleger stoßen Tech-Aktien ab, um sich etwa bei SpaceX neu einkaufen zu können. Weil der US-Arbeitsmarkt unerwartet brummt, steigt bei den Analysten die Angst vor Zinserhöhungen.
Mit heftigen Kursverlusten haben die US-Börsen zum Wochenschluss auf einen überraschend stark ausgefallenen Arbeitsmarktbericht (Payrolls) reagiert. Im Mai wurden mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze geschaffen wie von Volkswirten im Konsens erwartet. Zudem wurden die Daten für die beiden Vormonate nach oben revidiert. Das schürte die Furcht vor Zinserhöhungen der US-Notenbank. Der Arbeitsmarktbericht habe den Tauben im Offenmarktausschuss der Federal Reserve keine Vorlage geliefert, um für Leitzinssenkungen plädieren zu können, kommentierte Dirk Chlench, Senior Economist bei der LBBW. "Nach unserer Prognose wird die US-Notenbank in den kommenden Quartalen ihre Schlüsselzinsen unverändert lassen, im Zweifel sind Zinsanhebungen wahrscheinlicher", fügte er hinzu.
Der Dow-Jones-Index verlor 1,4 Prozent auf 50.867 Punkte. Der S&P-500 gab um 2,6 Prozent nach, der Nasdaq-Composite sackte um 4,2 Prozent ab. An der Nyse waren Kursgewinner mit 812 (Donnerstag: 1922) klar in der Minderheit. Ihnen standen 1952 (823) Verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 49 (98) Titel. Technologiewerte führten mit Kursverlusten von durchschnittlich gut 5 Prozent die Liste der Verlierer mit weitem Abstand an. Kursgewinne verzeichneten die Sektoren Massenkonsumgüter, Gesundheit und Versorger.
Unter den Anlegern schien sich die Neigung zu verstärken, vor allem im Technologiesektor Gewinne mitzunehmen, zumal nachdem Broadcom am Mittwoch mit dem Ausblick enttäuscht hatte. Zum anderen werden der anstehende Börsengang von SpaceX und die Kapitalerhöhung von Meta in naher Zukunft in Summe wohl bis zu 160 Milliarden Dollar aufsaugen. Das Geld dürfte zum Teil auch durch den Verkauf anderer Technologieaktien aus den Portfolios aufgebracht werden müssen. Und nicht zuletzt reagiert der Sektor stärker auf steigende Marktzinsen, weil ein Großteil der Bewertung von Technologieunternehmen auf zukünftig erwarteten Gewinnen basiert. Steigende Zinsen verringern den heutigen Barwert dieser zukünftigen Erträge deutlich. BMI, eine Einheit von Fitch Solutions, stellte sich mit Blick auf die geplanten Börsengänge von Anthropic, OpenAI und SpaceX dazu passend die Frage, ob der Markt so viele Mega-Listings in kurzer Zeit verkraften könne.
Broadcom mit dem nächsten Rücksetzer
Am Anleihemarkt zogen die Renditen mit den gestiegenen Zinserwartungen deutlicher an. Die Zehnjahresrendite legte um 7 Basispunkte auf 4,54 Prozent zu. Auch mit dem Dollar ging es nach oben. Der Dollarindex stieg um 0,6 Prozent. Der Goldpreis fiel dagegen angesichts der steigenden Marktzinsen und der Aufwertung des Dollar. Der Kurs des zinslos gehaltenen Edelmetalls gab um 3,6 Prozent auf 4312 Dollar je Feinunze nach. Während der Iran-Krieg an den meisten Märkten etwas in den Hintergrund trat, setzten die Akteure am Ölmarkt weiter auf ein baldiges Ende der Kämpfe. Der Preis für das Barrel Brentöl reduzierte sich um 2,1 Prozent auf 93,01 Dollar.
Einen Kursrutsch um 8,6 Prozent verzeichnete die Aktie von Lululemon Athletica, nachdem der Hersteller von Freizeitbekleidung seine Jahresprognose gesenkt hatte. Docusign büßten 7,2 Prozent ein. Hier enttäuschte den Analysten von Jefferies zufolge, dass bei dem Spezialisten für elektronische Signaturen die Wachstumsprognose für die jährlich wiederkehrenden Umsätze für 2027 weiterhin zwischen 8,25 und 8,75 Prozent liegt. Einige Anleger dürfte auch das Fehlen eines Zeitplans für die Rückkehr zu einem zweistelligen Umsatzwachstum enttäuscht haben.
Broadcom gaben nach dem fast 13-prozentigen Rücksetzer vom Vortag um weitere 7,9 Prozent nach. Andere Branchenwerte mit KI-Bezug wie Lumentum, Nvidia, Intel, Marvell Technology, Micron Technology, Sandisk oder AMD verzeichneten ebenfalls Einbußen von bis zu 16,7 Prozent.
Almonty Industries verbilligten sich um 21 Prozent, belastet von der Ankündigung des Bergbauunternehmens, gewinnverwässernde wandelbare vorrangige Schuldverschreibungen zu begeben. Guidewire Software war mit dem Ausblick für den jährlich wiederkehrenden Umsatz hinter den Erwartungen der Wall Street zurückgeblieben. Die Aktie fiel um 10 Prozent.
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