Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagDax-Anleger im "Gipfelfieber"

28.07.2026, 17:52 Uhr

Starke Unternehmenszahlen und weiter rückläufige Ölpreise haben am Dienstag verhindert, dass die europäischen Börsen in den allgemeinen Sog des Technologie-Ausverkaufs gerieten. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 25.464 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg am Ende um 0,9 Prozent auf 32.395,32 Punkten.

"Die Anleger befinden sich erneut im Gipfelfieber", konstatierte Timo Emden von Emden Research. "Die Aussicht auf neue Rekordstände schürt die Hoffnung auf weitere Kursgewinne, auch wenn die Luft zunehmend dünner wird."

Am Vortag hatte er mit einem Prozent Plus auf dem höchsten Stand seit fast drei Wochen geschlossen. Damit startet der deutsche Leitindex den nächsten Versuch, die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten hinter sich zu lassen. Allerdings wurden die Anleger am Nachmittag angesichts der am Mittwoch anstehenden Leitzinsentscheidung der US-Notenbank Fed und aktueller Quartalsberichte weiterer Schwergewichte aus dem US-Technologiesektor auch etwas vorsichtiger. Der EuroStoxx50 zog am heutigen Dienstag lediglich 0,2 Prozent an.

Weltweit litten Aktien mit KI-Bezug unter Sorgen vor einer zunehmenden China-Konkurrenz und ausufernden Finanzierungsnotwendigkeiten. Im Dax wurden Infineon mit minus 6,1 Prozent davon mit nach unten gezogen. Siemens Energy, bisher ein Profiteur des hohen Strombedarfs von KI-Rechenzentren, büßte 7,1 Prozent ein.

Die Hoffnungen auf eine Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran ließen die Preise am Rohölmarkt weiter fallen, nachdem sie in der vergangenen Woche auf über 100 Dollar gestiegen waren. "Zwar ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nach wie vor gering, doch der Markt hofft auf eine Verbesserung der Lage aufgrund neuer Gespräche zwischen Oman und dem Iran über einen neuen Mechanismus für die Straße von Hormus", sagte UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Dabei geht es um einen gemeinsamen regionalen Mechanismus zur Verwaltung der Meerenge auf Grundlage freiwilliger Gebühren, wie ein Insider aus der Golfregion der Agentur Reuters mitteilte. Goldman Sachs rechnet damit, dass der Brent-Preis bis zum Jahresende auf 80 Dollar fallen wird, sofern die Straße von Hormus bis zum vierten Quartal wieder vollständig geöffnet wird.

Am Mittwoch und Donnerstag folgt der nächste Härtetest, wenn mit Microsoft, Meta, Apple und Amazon vier der wichtigsten Tech-Konzerne der Welt ihre Quartalszahlen vorlegen, kommentierte Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. "Nach den ersten Rissen im KI-Boom dürften genau diese Zahlen den Takt für die Börsen in den kommenden Tagen und Wochen vorgeben. Sie werden zeigen, ob der KI-Zug wieder Fahrt aufnimmt - oder ob aus Euphorie endgültig Skepsis wird."

Das war der Börsen-Tag am Dienstag. Wir wünschen einen erholsamen Feierabend und würden uns freuen, Sie morgen an dieser Stelle wieder begrüßen zu dürfen!

Quelle: ntv.de