Saure Gurken der Notenbanken schmecken DAX nicht - klares Minus
Der deutsche Aktienmarkt hat weiter unter Abgabedruck gestanden. Der Schreck über die unerwartet falkenhaft aufgetretene EZB wirkte nach. Daneben mussten sich die Börsianer mit dem Großen Verfalltag der Optionen und Futures befassen. Der Verfall am Mittag auf Indizes hatte für eine gewisse Volatilität gesorgt.
"Mit der neu geschürten Zins- und Rezessionsangst fand die Weihnachtsrally ein jähes Ende", sagte ntv-Börsenreporter Frank Meyer: "Nach dem Abrutschen des DAX unter die 14.000er Marke ging es weiter bergab, wenn auch mit begrenztem Schaum. Dennoch, statt der erhofften Weihnachtsgeschenke, also einer Aussicht auf das Ende der Zinserhöhungen legten die Notenbanken saure Gurken unter den Baum."
Der DAX verlor erneut und ging 0,7 Prozent tiefer mit 13.893 Punkten ins Wochenende. Sein Tagestief lag bei 13.815 Zählern. Der EUROSTOXX50 notierte 0,8 Prozent leichter bei 3807 Stellen.
Keine Hilfe für Aktien kam von den Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone. Sie lagen ungeachtet teilweise deutlicher Verbesserungen weiter unterhalb der Expansionsschwelle von 50.
Nach Handelsschluss werden am Abend die vor kurzem von der Deutschen Börse beschlossenen Änderungen in den Indizes umgesetzt. Unter anderem rücken dann Porsche AG in Rekordzeit in den DAX auf und verdrängen Puma in den MDAX. Daneben kommen Verbio Bioenergie in den MDAX, aus dem Deutsche Wohnen und Varta in den SDAX absteigen.
Laut Meyer erwischte es heute zinssensible Werte am meisten. Die Immobilienaktien bluteten kräftig. Vonovia verloren 8,2 Prozent und lagen damit klar am DAX-Ende. Im MDAX schmierten LEG Immobilien und Aroundtown um 7,3 beziehungsweise 8,3 Prozent ab.
Morphosys brachen um 11,4 Prozent ein nach einer Abstufung auf "Sell" durch Goldman Sachs. Wie es hieß, bezeichnete Goldman Sachs die Pipeline des Biotechnikunternehmens nach diversen Misserfolgen als inzwischen sehr dünn. Der mit vielen Hoffnungen verbundene Krebsantikörper Monjuvi habe zudem seit seiner Einführung sämtliche Erwartungen verfehlt.
"Belastungsfaktoren für Aktien verschwinden 2023 nicht"
VW-Aktionäre winken Sonderdividende durch
Volkswagen kann wie geplant 19,06 Euro je Aktie Sonderdividende an seine Aktionäre ausschütten. Die Anteilseigner stimmten auf ihrer außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin mit fast 100 Prozent einem entsprechenden Vorschlag der Verwaltung zu. Ingesamt schüttet der Konzern Anfang Januar zusätzlich 9,55 Milliarden Euro aus.
Wegen der Mehrheitsverhältnisse bei VW galt das Votum als Formsache. Denn lediglich gut sieben Prozent der stimmberechtigten Aktien liegen im Streubesitz - der Rest in den Händen der Holding Porsche SE der Familien Porsche und Piech, des Landes Niedersachsen und des Emirats Katar.
Neue Chancen für chinesische Aktien
Chinas Wirtschaft kann hoffentlich bald aufatmen, denn eine Lockerung der strikten Null-Covid-Politik ist in Sicht. Lohnt sich jetzt ein Investment in den chinesischen Aktienmarkt? Friedhelm Tilgen spricht darüber mit Anouch Wilhelms von der Société Générale.
Fährt die US-Notenbank ein noch schwereres Geschütz auf?
Der US-Leitzins könnte einem führenden Notenbanker zufolge über das von den Währungshütern avisierte Niveau von knapp über fünf Prozent steigen. "Wir werden tun müssen, was nötig ist", sagte der Präsident des Notenbankbezirks New York, John Williams, Bloomberg TV. Es gehe darum, die Inflation auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken.
Williams erwartet zwar ein höheres Niveau, jedoch keine Notwendigkeit, über einen Wert von sechs Prozent zu gehen. Er rechnet zudem nicht damit, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht.
Wall Street startet mit geringen Abschlägen
Gedämpfte Hoffnungen auf ein Ende der US-Zinserhöhungen haben die Wall Street auch ins Minus getrieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500 eröffneten jeweils 0,1 Prozent tiefer bei 33.167 beziehungsweise 3891 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,4 Prozent auf 10.768 Zähler.
Bei den Einzelwerten legte die Facebook-Mutter Meta nach einer Kaufempfehlung der Investmentbank JP Morgan 4,3 Prozent zu. Auch das Softwarehaus Adobe gewann nach Quartalszahlen gut sechs Prozent.
Mahnung lässt Aktienkurs von Wizz Air stark sinken
Eine Mahnung der britischen Luftfahrtbehörde (CAA) hat dem Billigflieger Wizz Air zugesetzt. Die Titel der ungarischen Fluglinie fielen in London um knapp sechs Prozent.
Die verzögerten Rückzahlungen an Kunden und die Wartezeiten bei der Bearbeitung von Beschwerden seien besorgniserregend, teilte die CAA mit. Wizz Air habe sich verpflichtet, die ausstehenden Zahlungen und Beschwerden bis Weihnachten zu bearbeiten, so die Behörde.
Teilmobilmachung beschert Russland massiven Arbeitskräftemangel
Die russische Notenbank warnt vor gestiegenen Inflationsrisiken als Folge der Teilmobilmachung für den Krieg gegen die Ukraine. "Der Arbeitskräftemangel nimmt in vielen Branchen aufgrund der Auswirkungen der Teilmobilmachung zu", erklärten die Währungshüter. Diese führte seit September dazu, dass Hunderttausende Russen entweder zur Armee einberufen wurden oder das Land verlassen haben. Sie stehen damit dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung.
Durch die Knappheiten steigen die Preise, weil viele Unternehmen ihr Angebot an Waren und Dienstleistungen nicht wie geplant halten können. Die Probleme würden die Wirtschaftstätigkeit und die Fähigkeit zur Produktionsausweitung erheblich einschränken. "Unserer Meinung nach überwiegen derzeit die inflationsfördernden Faktoren, und zwar nicht nur mittelfristig, sondern auch auf kurze Sicht", sagte die Chefin der Bank Rossii, Elvira Nabiullina.
DAX bleibt klar unter 14.000
Der DAX hat sich von den Tagestiefs etwas erholen können. Der Leitindex notierte am Nachmittag 0,7 Prozent leichter bei 13.883 Punkten. Das bisherige Tagestief von 13.815 Stellen bildete der DAX zum Zeitpunkt des Verfalls auf die Börsen-Indizes - dieser wirkte also offenbar belastend im Vorfeld.
Trotz der Erholung blieb der DAX aber klar unter der psychologisch wichtigen Marke von 14.000 Punkten. Am Abend verfallen dann Optionen auf Einzeltitel.
Steigende Zinsen fressen den Traum vom Eigenheim
Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg sorgen immer noch für Materialmangel, die Inflation für deutlich erhöhte Preise. Besonders die Baubranche leidet unter der momentanen Situation. 2022 sinken die Baugenehmigungen beinahe in jeder Sparte deutlich.
Wie 2023 ein gutes Jahr für Anleger werden kann
2022 war ein herausforderndes Jahr für den Aktienmarkt. Wird das auch im kommenden Jahr so bleiben? Friedhelm Tilgen spricht mit Thomas Kruse von der Fondsgesellschaft Amundi über mögliche Szenarien und Strategien für Anleger.
Rezessionssorgen drücken Ölpreise kräftig runter
Die Ölpreise sind wieder kräftig zurückgekommen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 79,23 US, das waren 2,6 Prozent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 2,7 Prozent auf 74,26 Dollar.
Hier belasten weiter die Sorgen vor einer Rezession, hieß es am Markt. Aber angesichts der Sorge um Unterbrechungen bei der Versorgung und der Hoffnung auf eine Erholung der Nachfrage in China stehen die Notierungen vor dem größten Wochengewinn seit zehn Wochen.
Brent Rohöl
Rekord-Lohnplus bei Rolls-Royce
Die Mitarbeiter von Rolls-Royce erhalten nach Angaben der Gewerkschaft den bislang größten Gehaltsanstieg in der Geschichte des britischen Luxusautobauers. Das Plus liege zwischen 14,8 und 17,6 Prozent, teilte die Gewerkschaft Unite mit. Es setze sich zusammen aus einer linearen Erhöhung um zehn Prozent und einer Einmalzahlung von 2000 Pfund (rund 2300 Euro). Es handle sich um eine der höchsten zuletzt vereinbarten Tariferhöhungen in Großbritannien.
Herabstufung lässt Morphosys-Kurs abstürzen
Ein negativer Analystenkommentar hat der Aktie von Morphosys massiv zugesetzt. Das Papier der Biotechfirma fiel um fast 16 Prozent. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Tage auf 26 Prozent. Die Experten von Goldman Sachs hatten den Titel auf "Sell" heruntergestuft.
Brüssel genehmigt Uniper-Übernahme durch deutschen Staat
Deutschland darf das krisengeplagte Energieunternehmen Uniper nach einer Entscheidung der EU-Kommission weitgehend verstaatlichen. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken gegen diesen Schritt, teilte die Brüsseler Behörde mit.
Bau-Aktienkurs geht in Kopenhagen durch die Decke
Dank ermutigender Geschäftszahlen steuerte die Aktie von Per Aarsleff auf ihren größten Tagesgewinn seit gut 30 Jahren Zu. Das Papier kletterte in Kopenhagen um 16,5 Prozent. Der Baukonzern steigerte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/2022 um fast 14 Prozent auf umgerechnet 2,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn habe um rund zwölf Prozent auf 98 Millionen Euro zugelegt.
Für das angelaufene Jahr stellte die Firma ein Erlös-Wachstum von bis zu acht Prozent auf 2,6 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von bis zu 118 Millionen Euro in Aussicht. Vor einigen Tagen hatte die Facebook-Mutter Meta einen 323 Millionen Euro schweren Vertrag zum Bau eines Rechenzentrums storniert.
Im Westen nichts Gutes - Wall Street vorbörslich rot
Mit erneuten kräftigen Abgaben dürfte die Wall Street in den letzten Handelstag der Woche starten. Die Sorge, dass anhaltend deutliche Zinserhöhungen der US-Notenbank, zur Eindämmung der Inflation, zu einer Rezession führen werden, drücken weiter auf die Stimmung der Anleger. Der Future auf den S&P-500 reduziert sich um 1,2 Prozent. Dazu kommt der Große Verfalltag für Optionen und Futures auf Indizes und Einzelwerte, der für zusätzliche Volatilität sorgen dürfte.
Die Agenda der Konjunkturdaten ist zum Wochenausklang recht übersichtlich. Nach der Startglocke werden die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Service-Sektor für Dezember veröffentlicht.
"Technologiewerte sollten 2023 eine Renaissance erfahren"
Schaeffler sichert sich grünen Wasserstoff
Der Zulieferer Schaeffler hat mit dem französischen Wasserstoffproduzenten Lhyfe eine Absichtserklärung für die Produktion und Abnahme von grünem Wasserstoff vereinbart. Auf dem Werksgelände in Herzogenaurach wird eine durch Lhyfe betriebene Elektrolyseur-Anlage mit einer Kapazität von bis zu 15 Megawatt errichtet, wie das SDAX-Unternehmen mitteilte.
Ab 2025 soll das Werk und andere regionale Kunden täglich mit rund 3,7 Tonnen grünem Wasserstoff versorgt werden. Schaeffler erwartet deutliche Einsparungen beim CO2-Ausstoß.
Analyst nennt EZB-Vorgehen "eine Frechheit"
Scharfe Kritik erntet heute die EZB. Zahlreiche Marktteilnehmer halten nämlich die Maßnahmen der Notenbank angesichts einer Inflationsrate um zehn Prozent in Europa für völlig unzureichend.
Christian Henke, Senior Analyst bei IG Europe, bezeichnete es sogar als "Frechheit erster Güte, was die Europäische Zentralbank unter Führung von Christine Lagarde aktuell macht". Die EZB eifere der US-Notenbank mit Ihrer Erhöhung um 50 Basispunkte nach und vergesse dabei, dass der Euroraum den USA in Bezug auf ihren Zinserhöhungszyklus und der Inflationseindämmung deutlich hinterherhinke. "In den USA haben wir bereits vier kräftige Zinserhöhungen gesehen und eine Trendwende der Inflationsentwicklung lässt sich bereits absehen. Davon ist die EZB leider noch weit entfernt", betonte Henke.
Nix da mit Erholung: DAX fährt wieder Schlitten - wichtige PMIs unter 50
Die Unsicherheit hält an, es geht weiter runter ins Kurstal. Der DAX ist wieder ins Minus gedreht. Der Leitindex verlor 0,7 Prozent auf 13.890 Punkte. Der EUROSTOXX50 sackte um 0,6 Prozent auf 3811 Zähler ab.
Breite Ernüchterung am Markt herrscht weiter über die Erkenntnis, dass man nicht nur zu selbstgefällig beim Blick auf Zinsen und Inflation gewesen war, sondern auch der Blick auf die Wirtschaftslage offenbar zu weit in den Hintergrund gerückt war. Die drastisch gesenkten Wirtschaftsprojektionen der US-Notenbank und dann der EZB wirkten entsprechend wie kalte Dusche.
Zudem belasten die Einkaufsmanagerdaten (PMIs) aus Deutschland und Frankreich, die ungeachtet teilweise deutlicher Verbesserungen weiter unterhalb der Expansionsschwelle von 50 liegen. Dies signalisiert weiter eine an Schwung verlierende Konjunkturdynamik in den beiden größten Volkswirtschaften in Europa.
Rückzug als Trikotsponsor bei Man United tut Teamviewer-Aktie gut
Mit Erleichterung haben Anleger auf den Rückzug von Teamviewer als Trikotsponsor bei Manchester United reagiert. Die Aktien des Spezialisten für Fernwartungssoftware stiegen zur Eröffnung um knapp elf Prozent, so stark wie zuletzt nach Vorlage der Quartalsergebnisse vor sechs Wochen. Allerdings kam der Kurs wieder etwas zurück. Derzeit notiert die Aktie 3,2 Prozent höher.
Die Entscheidung bringe massive Einsparungen für das Unternehmen und verbessere die Ertragskraft, sagte ein Börsianer. Teamviewer hatte mit dem englischen Fußball-Rekordmeister im vergangenen Jahr einen Fünf-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Insidern zufolge kostete dieser Deal zwischen 45 und 55 Millionen Euro jährlich.
Bundesbank prognostiziert deutscher Wirtschaft nicht viel Gutes
Die Bundesbank rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr schrumpfen und unter einer sehr hohen Inflation leiden wird. Wie sie im Rahmen ihrer halbjährlichen gesamtwirtschaftlichen Prognose mitteilt, rechnet sie für 2023 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent. Im Rahmen ihrer Juni-Prognose hatte sie noch einen Zuwachs von 2,4 Prozent prognostiziert. Die Wachstumsprognose für 2022 wurde auf 1,8 (Juni: 1,9) gesenkt und die für 2024 auf 1,7 (1,8) Prozent. Für 2025 wird ein BIP-Anstieg von 1,4 Prozent erwartet. "Die Wirtschaftsleistung dürfte zwar zunächst schrumpfen, ab der zweiten Jahreshälfte 2023 erwarten wir jedoch eine allmähliche Erholung", erklärt Bundesbankpräsident Joachim Nagel.
Aufgrund der hohen Inflation sinkt laut Bundesbank bis Mitte 2023 der Konsum der privaten Haushalte. Die Energiekosten und eine schwache Auslandsnachfrage belasten den Export. Darüber hinaus dämpfen die hohe Unsicherheit und die gestiegenen Finanzierungskosten die Investitionen der Unternehmen und im Wohnungsbau. Da die pandemiebedingten Ausgaben auslaufen, sinken zudem die realen Staatsausgaben.
Deutlich weniger Baugenehmigungen in Deutschland
Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist im Oktober deutlich gefallen. Laut Statistischem Bundesamt wurde der Bau von 25.399 Wohnungen genehmigt. Das waren 14,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Für den Zeitraum Januar bis Oktober ergab sich ein Rückgang um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den Ergebnissen sind sowohl die Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Gebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.
Bei den Zweifamilienhäusern ging die Zahl genehmigter Wohnungen von Januar bis Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,4 Prozent auf 24.716 Wohnungen zurück. Bei den Mehrfamilienhäusern stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen um 2,1 Prozent auf 158.768 Wohnungen.
Wundenlecken an der Frankfurter Börse -
Nach den schweren Verlusten vom Donnerstag ist der deutsche Aktienhandel ruhig angelaufen. Der DAX gewann in den ersten Minuten 0,1 Prozent auf 14.004 Punkte. MDAX, SDAX und TECDAX verloren zwischen 0,1 und 0,2 Prozent.
Abzuwarten bleibt, ob der Markt am EZB-Tag bereits genügend Zeit hatte, die falkenhaftere Zinspolitik der Notenbanker entsprechend einzupreisen. Für breite Ernüchterung hatte da die Erkenntnis gesorgt, dass man nicht nur zu selbstgefällig beim Blick auf Zinsen und Inflation gewesen war, wodurch die Lage der Wirtschaft in den Hintergrund geraten war.
Nikkei zieht mit dickem Minus nach
Auch in Asien hat die Aussicht auf weitere US-Zinserhöhungen Ängste vor einem globalen Rückgang der Konjunktur geschürt und die Börsen gedrückt. In Tokio fiel der Nikkei um 1,9 Prozent auf 27.527 Punkte. Auch Konjunkturdaten konnten die Anleger in Tokio nicht zu Käufen ermuntern. Die japanische Industrieproduktion war einer Umfrage zufolge im Dezember so schnell zurückgegangen wie seit zwei Jahren nicht mehr.
An den chinesischen Märkten wechselten sich die Verunsicherung über die hohen Corona-Infektionszahlen und Hoffnung auf eine Normalisierung der Wirtschaft nach dem Ende der strengen Null-Covid-Politik ab. Die Börse in Shanghai notierte mit 3168 Punkten kaum verändert.
13.564 im Blick - DAX charttechnisch angeschlagen
Mit dem Absturz am Vortag ist der DAX aus seiner fünfwöchigen Seitwärtsbewegung nach unten herausgerutscht. Zum Hexensabbat rückt nun die runde 14.000er Marke in den Fokus, hier gibt es ein großes Open Interest. "Eine schnelle Rückeroberung der 14.000 wäre aus psychologischer Sicht ein sehr positives Signal", so Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC-Partners .
Darunter gerate die 200-Tage-Linie bei aktuell 13.564 Punkten in den Fokus. Diese hatte der DAX erst Anfang November nach oben überwunden. Sollte er darunter zurückfallen, wäre dies als verheerendes Signal zu deuten.
Millionensumme für Evotec
Das Biotechunternehmen Evotec bekommt vom US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb 26 Millionen Dollar. Evotec habe erhebliche Fortschritte in der Neurologie-Kooperation mit dem US-Konzern gemacht, was die erfolgsabhängige Zahlung ausgelöst habe, teilt die Firma mit. Die Kooperation bestehe seit 2016 und konzentriere sich auf neurodegenerative Erkrankungen. "Es besteht ein enormer ungedeckter medizinischer Bedarf an Therapeutika, die das Fortschreiten dieser Krankheiten verlangsamen oder umkehren", erklärt Evotec.
Ford dreht deutlich an der Preisschraube
Der US-Autobauer Ford erhöht den Preis für die günstigste Variante seines Elektro-Pickups F-150 Lightning um neun Prozent. Damit kostet das Fahrzeug künftig 55.974 Dollar, heißt es auf der Website des Unternehmens. Ab wann der höhere Preis gilt, war zunächst offen. Ford erhöht die Preise für seine E-Pickups damit zum zweiten Mal binnen drei Monaten. Hintergrund sind auch höheren Material-Kosten und Probleme in den Lieferketten. Damit haben auch andere Autobauer wie Tesla zu kämpfen.
Anleger feiern Adobe
Adobe hat die Anleger mit einem Gewinn und einer Prognose über den Erwartungen erfreut. Für das abgelaufene vierte Quartal gab das Softwarehaus nach US-Börsenschluss einen Gewinn von 3,60 Dollar je Aktie bekannt, während von Refinitiv befragte Experten 3,50 Dollar vorhergesagt hatten. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar, was den Prognosen entsprach. Der "Photoshop"-Anbieter rechnet das laufende erste Quartal mit einem Gewinn in der Spanne von 3,65 bis 3,70 Dollar je Aktie, Analysten im Schnitt mit 3,64 Dollar. Die Adobe-Aktie legte nachbörslich zunächst 6,5 Prozent zu.
Größter DAX-Tagesverlust seit einem halben Jahr
Am großen Verfallstag an den Terminmärkten wird der DAX Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge kaum verändert starten. Aktuell wird der deutsche Börsenleitindex mit Kursen um die 14.000er-Marke erwartet. Am Donnerstag hatte der DAX wegen gedämpfter Hoffnungen auf Zinssenkungen im kommenden Jahr 3,3 Prozent tiefer bei 13.986 Punkten geschlossen. Das war der größte Tagesverlust seit einem halben Jahr.
Im Tagesverlauf steht die halbjährliche Prognose der Bundesbank zu Wirtschaftswachstum und Inflation an. Noch im Juni hatte die deutsche Notenbank für 2022 ein Wachstum von 1,9 Prozent und eine Inflation von 7,1 Prozent prognostiziert. Volkswirte halten es für möglich, dass sie nun ihre Prognose für die Wirtschaftsleistung 2022 erneut herunterschrauben und die Vorhersage für die Inflation abermals anheben wird. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Prognosen für die Euro-Zone ebenfalls korrigiert.
Bei den Unternehmen stimmen Volkswagen-Aktionäre über die Sonderdividende aus dem Börsengang der Porsche AG ab. Mit einer Ausschüttung von 19,06 Euro je Aktie reicht der Wolfsburger Autobauer wie versprochen 49 Prozent der Einnahmen aus der erfolgreichen Emission der Sportwagen-Tochter weiter. Außerdem laufen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien aus. Zum sogenannten Hexensabbat schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.
Volkswagen vor Entscheid zu Sonderdividende im Plus
Dank der Aussicht auf eine Sonderdividende steigen weitere Anleger bei Volkswagen ein. Die Aktien des Autobauers steigen am Freitag vorbörslich um 1,3 Prozent. Im Tagesverlauf stimmen die Aktionäre über eine Ausschüttung eines Teils der Einnahmen aus dem Börsengang der Sportwagen-Tochter Porsche AG ab. Die Titel des VW-Großaktionärs Porsche SE gewinnen vorbörslich 0,7 Prozent.
Überwiegend Kursabschläge an Asien-Börsen
Die Aktienmärkte in Ostasien und Australien zeigen sich überwiegend mit Abschlägen. Belastet wird die Stimmung von den kräftigen Verlusten an der Wall Street, gleichwohl halten sich die Verluste in der Region zumeist sehr im Rahmen. Die Börse in Tokio gibt allerdings deutlich um 2 Prozent auf 27.504 Punkte nach.
Im US-Handel hatte die Angst den Handel dominiert, dass der aggressive Zinserhöhungskurs der US-Notenbank gegen die Inflation die Wirtschaft in einen Abschwung treiben könnte. Verstärkt wurde dies durch die ebenfalls rigide Zinspolitik der EZB und der Bank of England. Die Ängste vor einem Abgleiten in die Rezession nähmen zu, heißt es am Markt.
In Tokio heben Marktteilnehmer die kräftigen Verluste der als besonders zinsempfindlich geltenden Technikwerte im US-Handel hervor. Toshiba steigen dennoch um 2,5 Prozent, nach Berichten, dass eine von der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Japan Industrial Partners geführte Gruppe die Finanzierung für die Übernahme des Industrieunternehmens gesichert hat.
In Hongkong hat sich der HSI von anfänglichen Verlusten erholt und liegt nahezu unverändert. In Shanghai gibt der Composite-Index um 0,3 Prozent nach. Nachdem die Behörden in China die strikten Corona-Maßnahmen gelockert haben, ist Peking nun bestrebt, die rapide steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Der Kospi in Südkorea büßt 0,4 Prozent ein. Die Börse in Sydney schloss 0,8 Prozent im Minus.
Teamviewer will runter von Manchester-United-Trikots
Das Softwarehaus TeamViewer steht vor dem Rückzug als Trikotsponsor des englischen Spitzen-Fußballklubs Manchester United und erfüllt damit eine dringliche Forderung von Investoren. Man habe sich in monatelangen Gesprächen darauf geeinigt, dass ManU so schnell wie möglich einen neuen Sponsor für die prominente Werbefläche auf den Trikots finden solle, teilt das Unternehmen mit. "Damit geht die Erwartung einher, dass TeamViewer so schnell wie technisch möglich aus dieser Rolle aussteigt." Bis zum Ende der fünfjährigen Laufzeit werde das Unternehmen zwar Sponsor von Manchester United bleiben, aber im Jahr dafür nur noch einen einstelligen Millionen-Dollar-Betrag ausgeben.
Bisher kostet der im Frühjahr 2021 geschlossene Sponsoring-Vertrag TeamViewer Insidern zufolge zwischen 45 und 55 Millionen Euro im Jahr - das ist in etwa die Größenordnung des Jahresgewinns. Die Transaktion war am Kapitalmarkt von Anfang an auf Missfallen gestoßen und hatte zur Talfahrt der Teamviewer-Aktie beigetragen. Die "Red Devils" sollten den Schwaben eine weltweite Plattform bieten, um die Einsatzmöglichkeiten ihrer Technologie zu präsentieren. Schlagzeilen machte TeamViewer auch mit dem Sponsoring auf den Formel-1-Rennwagen von Mercedes-Benz.
"Deutliche Anzeichen, dass die Wirtschaft in den USA kippt"
Kurse an Tokioter Börsen rutschen ab
Die asiatischen Aktien sind den zweiten Tag in Folge gefallen und steuerten auf die schlechteste Woche seit zwei Monaten zu. Zentralbanken in Europa, Großbritannien, der Schweiz, Dänemark, Norwegen, Mexiko und Taiwan hatten die Zinsen angehoben, nachdem die USA dies am Mittwoch getan hatten. Weitere Erhöhungen für das nächste Jahr wurden angekündigt. "Die Zentralbanken sind kämpferisch und wollen weiter die Zinsen erhöhen", sagte Alvin Tan, Asien-Währungsstratege bei RBC Capital Markets in Singapur. "Es besteht ein Spannungsverhältnis zwischen den Zentralbanken, die forcierter sind als der Markt es erwartet hat. Diese Dichotomie wurde in den letzten 48 Stunden sowohl von der Fed als auch von der Europäischen Zentralbank bestätigt."
Der Nikkei liegt im Verlauf 1,5 Prozent tiefer bei 27.621 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gibt 0,7 Prozent auf 1959 Punkte nach. Der Shanghai Composite notiert unverändert. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen verliert 0,1 Prozent.
Euro deutlich über 1,06
Im asiatischen Devisenhandel verliert der Dollar 0,4 Prozent auf 137,23 Yen und gibt 0,1 Prozent auf 6,9654 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notiert er 0,2 Prozent niedriger bei 0,9266 Franken. Parallel dazu steigt der Euro 0,2 Prozent auf 1,0647 Dollar und notiert kaum verändert bei 0,9866 Franken. Das Pfund Sterling gewinnt 0,3 Prozent auf 1,2206 Dollar.
Euro / Dollar o
Hexensabbat zum Kurseinbruch - das wird für den DAX heute wichtig
Die Ankündigung weiterer Zinserhöhungen durch die großen Noten- und Zentralbanken haben den Aktienmärkten vorweihnachtlich den Zahn gezogen. Der DAX gab im Donnerstagsgeschäft mehr als 470 Punkte oder 3,3 Prozent nach, schloss sogar unter der 14.000er-Marke. Und auch an der Wall Street waren die Kurse abgerutscht. Sowohl die US-Notenbank Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank hatten nach ihren jüngsten Zinsanhebungen um jeweils 50 Basispunkte weitere Erhöhungen signalisiert.
"Die wichtigste Botschaft des Fed-Chefs Jerome Powell war, dass die Fed trotz der Anzeichen für eine Abschwächung der Inflation und der drohenden Rezessionsrisiken nicht die Absicht hat, einen Kurswechsel vorzunehmen", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. "Es geht darum, dass der EZB-Rat jetzt durch eine kontinuierliche weitere Straffung verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückgewinnt", sagte Volkswirt Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut. Die Notenbank dürfe bei der Straffung der Geldpolitik nicht zögern.
Aktuell wird der DAX mit Kursen um 14.020 Punkte wieder oberhalb der 14.000er-Marke taxiert. Allerdings könnte zum Wochenschluss ein ähnlich turbulenter Handel wie am Donnerstag bevorstehen, denn es gibt noch einmal gleich mehrere wichtige Termine: Neben zahlreichen Einkaufsmanager-Daten für das verarbeitende und das nicht-verarbeitende Gewerbe – etwa aus Deutschland, der EU, Frankreich, Großbritannien und den USA - steht am Morgen bereits die halbjährliche gesamtwirtschaftliche Prognose für Deutschland der Bundesbank auf der Konjunkturagenda. Wichtiger dürften am Vormittag aber die EU-Verbraucherpreise sein.
Unternehmensseitig blicken Investoren zum Wochenschluss nach Wolfsburg und auf den VW-Konzern. In einer außerordentlichen Hauptversammlung wird über die Zahlung einer Sonderdividende im Zuge des Börsengangs der Porsche AG entschieden. Gleichzeitig ist noch Großer Verfallstag an den Börsen. Beim sogenannten Hexensabbat verfallen Aktienindex-Optionen und -Futures.