Dax-Anleger bekommen kalte Füße
Den zweiten Tag in Folge scheitert der deutsche Leitindex an der Kursschwelle von 13.000 Punkten. Vor der mit Spannung erwarteten Rede des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont am Abend haben sich die Anleger zurückgehalten. Der Dax verliert 0,2 Prozent und geht mit 12.949,25 Punkten aus dem Handel. Der MDax beendet den Tag fast genauso, wie er ihn begonnen hatte: bei 25.819,17 Zählern. Auch der TecDax gibt 0,2 Prozent ab und schließt bei 2497,95 Punkten.
Wall Street hofft auf fette Gewinne
Vor der ersten heißen Phase der Bilanzsaison greifen die Anleger an den US-Börsen zu. Der Dow-Jones-Index steigt um 0,3 Prozent und markiert bei 22.824 Zählern eine neue Bestmarke. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legt 0,4 Prozent zu auf 6604 Punkte. Der S&P500 klettert 0,3 Prozent auf 2551 Punkte. "Ich denke, es wird eine gute Bilanzsaison", sagte Peter Cardillo, Marktanalyst bei First Standard Financial.
Dabei dürften sich die Investoren mehr auf einzelne Unternehmen als auf das große Gesamtbild konzentrieren. Per Saldo dürften sich die Kursgewinne jedoch in engen Grenzen halten. Denn die großen Indizes kommen seit Wochen kommen nur noch in Trippelschritten voran. Auf dem hohen Niveau sei die Luft dünn, sagen Händler. Fast täglich schleppt sich die Wall Street von Rekord zu Rekord.
Brexit-Phantasien beflügeln britische Bank-Aktien
Eigentlich deutet in den Brexit-Verhandlungen derzeit nichts auf eine schnelle und umfassende Einigung zwischen Großbritannien und der EU. Die Regierung in London bereitet für alle Fälle sogar schon Notfall-Pläne vor. Trotzdem glauben die Analysten der Credit Suisse, "dass sich die Stimmung gegenüber britischen Banken in den kommenden zwölf Monaten deutlich verbessern sollte, weil ein sanfter Brexit wahrscheinlicher wird".
Prompt ziehen deren Kurse an: Royal Bank of Scotland gewinnen bis zu 1,7 Prozent Plus und erreichen damit den höchsten Stand seit Januar 2016. Lloyds rücken zeitweise 2,1 Prozent vor. Die Titel der Bank HSBC klettern um bis zu 2 Prozent, nachdem die Credit-Suisse-Analysten das Kursziel anhoben. Mal wieder ein Beleg, dass an der Börse vorrangig Erwartungen gehandelt werden.
Opec bettelt USA um Frieden auf dem Ölmarkt an
Seit Jahren schon liefern sich die USA und das Opec-Kartell einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft auf dem Ölmarkt: Die traditionellen Förderländer am Persischen Golf - allen voran Saudi-Arabien - und die Produzenten von unkonventionellem US-Schieferöl pumpen um die Wette, um sich Marktanteile abzuluchsen. Das Überangebot drückt den Ölpreis. Der Preisverfall ist für die Golfstaaten so schmerzhaft, dass die Opec inzwischen sogar mit Ländern außerhalb der Allianz - allen voran Russland - eine Förderbremse beschlossen hat.
Nun macht das Kartell den Amerikanern ein ungewöhnliches Friedensangebot: Die USA sollen sich an der Opec-geführten Drosselung der Ölförderung beteiligen, um den Ölpreisverfall zu stoppen. "Wir bitten unsere Freunde in den Schieferbecken von Nordamerika dringend, diese gemeinsame Verantwortung mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit als eine der wichtigen Lehren aus dem aktuellen einmaligen angebotsgesteuerten Zyklus zu übernehmen", sagte Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo.
Die Anleger am Ölmarkt erwarten offenbar nicht, dass die US-Produzenten Barkindos Aufruf folgen. Die Ölpreise bewegen sich kaum von der Stelle. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 56,42 US-Dollar, knapp anderthalb Cent mehr als am Montag. Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) steigt ebenfalls geringfügig um drei Cent auf 50,19 Dollar.
Russische Zentralbank löst Bitcoin-Crash aus
Kein Notenbanker steuert sie, keine Regierung kontrolliert sie, und zurückverfolgen kann man sie auch nicht - Bitcoins sind bei Kriminellen, Betrügern und Terroristen gleichermaßen beliebt. Besonders in Staaten mit drastischen Kapitalkontrollen nutzen Menschen die Kryptowährung, um ihr Geld aus dem Land zu schaffen. Kein Wunder also, dass China den Handel mit neuem Cyber-Geld faktisch untersagt hat - und das Treiben im Untergrund ungestört weitergeht.
Nun versucht auch Russland den Abfluss von Kapital über die Krypto-Kanäle zu stoppen. Internetseiten, die Kryptowährungen wie Bitcoin anbieten, würden künftig blockiert, sagte der stellvertretende Zentralbankchef Sergej Schwezow. "Wir können Kleinanlegern nicht einen direkten und einfachen Zugang zu solchen dubiosen Instrumenten bieten." Die russischen Behörden hatten bereits vergangenen Monat mitgeteilt, den Einsatz von Kryptowährungen durch russische Bürger und Unternehmen regulieren zu wollen.
Die Ankündigung hat einen Flash-Crash des Cyber-Gelds ausgelöst. Am Morgen notierte der Kurs noch bei über 4800 Dollar. Nach der Mitteilung der russischen Zentralbank fiel er um über 600 Dollar. Binnen Minuten erholte sich der Bitcoin-Kurs und steht nun wieder bei etwa 4800 Dollar. Einen ähnlichen Crash hatte es im September gegeben, als China die Ausgabe neuer Krypto-Währungen verbot.
Rocket Internet bringt Hellofresh an die Börse
Im zweiten Anlauf soll es nun endlich klappen: Rocket Internet will trotz der schlechten Erfahrungen beim US-Konkurrenten Blue Apron seinen Kochbox-Lieferdienst Hellofresh an die Börse bringen. Zur Finanzierung des weiteren Wachstums der Firma wolle man 250 bis 300 Millionen Euro einsammeln, teilt Hellofresh mit. Den ersten Versuch, den Lieferdienst aufs Parkett zu bringen, hatte Rocket Internet vor zwei Jahren wegen des schlechten Marktumfelds abgeblasen.
Rocket Internet gehören noch 53 Prozent an Hellofresh. Diesmal will Rocket Internet die Anleger offenbar mit Preisnachlässen ins Food-Geschäft locken: Laut einem Insider peilt die Startup-Schmiede nur eine Bewertung von 1,5 Milliarden Euro an. Im Dezember war Hellofresh in einer Finanzierungsrunde noch mit zwei Milliarden Euro bewertet worden. Seine Hellofresh-Aktien will Rocket Internet beim Börsengang aber nicht verkaufen. Die Papiere von Rocket Internet liegen im SDax nach der Mitteilung der Börsenpläne rund 1,3 Prozent im Plus.
Deutsche Exporte trotzen stärkerem Euro
Der gestiegene Euro-Kurs und die Sorgen um den Brexit und die politischen Krisen in Nordkorea und Europa können der deutschen Wirtschaft nichts anhaben. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss ist im August dank eines kräftigen Exportanstiegs stärker als erwartet gewachsen. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) wurde im Güterverkehr ein kalender- und saisonbereinigter Überschuss von 21,6 Milliarden Euro erzielt. Die Ausfuhren stiegen gegenüber dem Vormonat um 3,1 Prozent. Die Importe nahmen um 1,2 Prozent zu.
Die niederländische Bank ING rechnet sogar damit, dass das laufende Jahr trotz der massiven Konjunkturrisiken für die Exporteure das beste seit 2010 wird. Da auch die Binnennachfrage stark sei, lebe Deutschland derzeit in der besten aller Welten, schreibt der ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Die guten Konjunkturdaten geben dem Dax aber kaum Schub. Der Leitindex steckt weiter kurz vor der Marke von 13.000 Zählern fest.
Scheitert der Dax an der 13.000?
So nah, und doch so fern: Die magische Marke von 13.000 Punkten bereitet dem deutschen Aktienmarkt offenbar mehr Mühe als erwartet.
Zum Handelsstart am Dienstag wird der Leitindex Dax auf Teleboerse.de bei 12.962,50 Punkten gesehen, was einem Minus von 0,1 Prozent entspricht.
Am Vortag war der Dax 0,2 Prozent im Plus bei 12.976,40 Punkten aus dem Handel gegangen. Die Marke bei 13.000 Punkten hatte das Börsenbarometer auch im Verlauf nicht erreicht.
Viel fehlt dem Dax nicht mehr: Das Tageshoch aus dem Montagshandel lag bei 12.996,64 Punkten - und blieb damit weniger als vier Zähler von der großen Dreizehn entfernt.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit bleibt die Lage in der spanischen Region Katalonien, heißt es aus Frankfurt. Der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, hat für Dienstagabend (18.00) eine Rede im Parlament angekündigt. Experten erwarten, dass er die Unabhängigkeit Kataloniens erklären dürfte - oder doch noch einen klugen Rückzieher macht.
Auf der Agenda stehen sonst recht wenig Termine: Aus Deutschland etwa werden am Morgen Daten zur Handelsbilanz im August erwartet. Frankreich legt Zahlen zur Industrieproduktion vor, Großbritannien folgt am Vormittag.
Am Donnerstag beginnt in den USA die Berichtssaison zum dritten Quartal. In Deutschland endet die Zeichnungsfrist für Voltabox, der Batteriesystem-Anbieter will am 13. Oktober an die Börse gehen.
Schlagzeilen am Morgen
Aufholjagd in Seoul
Nachholbedarf in Asien: Mit einem kräftigen Kursanstieg beendet die Börse in Seoul die mehr als einwöchige Feiertagspause. Der südkoreanische Kospi-Index schnellt um 1,8 Prozent nach oben und vollzieht damit die Aufwärtsbewegung der meisten anderen Börsen der Region aus der Vorwoche nach.
Hauptantreiber sei das Schwergewicht Samsung, heißt es aus Seoul. Die Aktien des Apple-Rivalen legten mehr als 4 Prozent zu.
Händler berichten von Käufen im Vorfeld der am Freitag anstehenden Quartalszahlen des Technologieriesen. Zwar dürften sich das Displaygeschäft und auch das Mobilfunkgeschäft rückläufig entwickelt haben, heißt es, allerdings dürften die hohen Preise für Samsungs Speicherchips für ein weiteres herausragendes Quartal sorgen.
Verkauft werden in Seoul dagegen Aktien mit Bezug zum Reisesektor angesichts der andauernden Spannungen mit Nordkorea.
Lotte Tour verlieren gut 2 Prozent und Korean Air Lines knapp 2 Prozent. Fundamental stelle die Nordkorea-Problematik weiter "ein beträchtliches Risiko für den südkoreanischen Markt" dar, warnt Aktienexpertin Joanne Goh von DBS.
Katalonien überschattet Börsenstart
Zur Eröffnung an Europas Börsen zeichnen sich schwächere Kurse ab.
Belastend wirken die leicht negativen Vorgaben von der Wall Street, heißt es. In New York hatten sich Anleger am Vorabend im Vorfeld der anstehenden Berichtssaison zurückgehalten.
Daneben dürften Investoren in Europa die weitere Entwicklung in Spanien abwarten, meinte ein Händler.
Am Abend will der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont das Regionalparlament über die aktuelle politische Situation nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsvotum informieren.
Nicht auszuschließen ist Beobachtern zufolge, dass Puigdemont in seiner Rede die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien bekannt geben wird, was neue Verunsicherungen an den Märkten, insbesondere aber in Spanien, auslösen könnte.
Sollte Puigdemont tatsächlich die Unabhängigkeit ausrufen, gehen die meisten Kommentatoren davon aus, dass Madrid mit Bezug auf Artikel 155 der Verfassung den Autonomiestatus von Katalonien aussetzen wird.
Zuletzt haben sich allerdings die Hinweise gemehrt, dass Puigdemont von einer vollständigen Unabhängigkeitserklärung absehen wird, und die Unabhängigkeit vielmehr zum langfristigen Ziel erklären wird. Analysten halten eine Abspaltung Kataloniens auch in Zukunft für sehr unwahrscheinlich.
Wahrscheinlicher sei vielmehr, dass Madrid Barcelona zusätzliche Autonomierechte einräumen wird, etwa in Haushaltsfragen, wie dies bereits im Baskenland der Fall ist.
Nikkei startet mit guter Laune in die Woche
Nach dem "Tag des Sports" beginnt die feiertagsbedingt verkürzte Börsenwoche in Tokio im Plus: Der japanische Aktienmarkt ignoriert die schwachen Vorgaben aus den USA und verzeichnet leichte Gewinne.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging mit einem Kursplus von 0,6 Prozent auf 20.824 Punkte aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix schloss mit 1695 Zählern auf dem höchsten Stand seit Mitte 2015. Der Index für Aktien außerhalb Japans legte gut ein halbes Prozent zu. Händler begründen den leichten Auftrieb mit einem schwächeren Kurs des Yen zum Dollar. Ein starker Dollar nützt vor allem exportorientierten Unternehmen.
Für japanische Anleger ist es der erste Handelstag der zweiten Oktoberwoche: Am Montag hatte die Tokioter Börse feiertagsbedingt geschlossen. Bei den Einzelwerten legen die Aktien von Toyota 1,5 Prozent zu. Mitsubishi Motors verteuern sich um 1,7 Prozent. Die Papiere von Tokyo Electron gewinnen 1,6 Prozent. Vom Handel ausgesetzt wurden Anteilscheine von Kobe Steel. Der drittgrößte japanische Stahlhersteller hat eingeräumt, einige Produktdaten gefälscht zu haben. Die Papiere waren mit einem Abschlag von 22 Prozent mit Abstand größter Verlierer im Nikkei-Index.
Euro schiebt sich in den Tag
Der Euro hält sich am frühen Morgen stabil unterhalb der Marke von 1,18 Dollar.
Im asiatisch geprägten Handel verzeichnen Beobachter für den Euro weitgehend unveränderte Kurse um 1,7768 Dollar.
Zum Yen notiert die US-Währung in Tokio bei 112,66 Yen.
Der Schweizer Franken wird mit 0,9780 Franken je Dollar und 1,1514 Franken je Euro gehandelt.
Zu Wochenbeginn war der Kurs des Euro gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1746 US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8514 Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89195 (0,89535) britische Pfund, 132,36 (132,23) japanische Yen und 1,1497 (1,1473) Schweizer Franken fest.
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