Der Börsen-TagFed-Meeting im Blick: Zweifel an straffer US-Geldpolitik
Die US-Notenbank strafft ihre Geldpolitik nach Meinung einer Gruppe von US-Ökonomen zu schnell. Bei einer Forschungskonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) sagte Olivier Coibion von der University of Texas in Austin, die Fed betreibe ihre Geldpolitik in der irrigen Annahme, dass die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten bereits voll ausgelastet seien. Diese Annahme beruhe aber auf der Verwendung fehlerhafter Modelle zur Schätzung des Produktionspotenzials.
Laut Coibion werden diese Schätzungen zu stark von den Schwankungen der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Produktion beeinflusst. Dabei werde aber nicht hinreichend unterschieden zwischen den beiden möglichen Ursachen des Wachstumsschocks. Sind sie vor allem nachfragegetrieben, sind sie als vorübergehend zu betrachten, und ihr Einfluss auf das Produktionspotenzial zu vernachlässigen. Sind sie dagegen angebotsseitig, haben sie längerfristige Auswirkungen für das Produktionspotenzial.
Fed-Chef Jerome Powell eröffnet heute das turnusmäßige FOMC-Meeting. Die Mehrheit der Analysten erwartet für morgen die achte Zinserhöhung im aktuellen Zinszyklus. Demnach sollte die US-Notenbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte in die Spanne zwischen 2,0 Prozent und 2,25 Prozent anheben.
Offen ist noch die Frage, wie weit die Währungshüter die Geldpolitik noch straffen werdn. Der Konsens der Volkswirte sieht den Gipfel bei 3,0 Prozent. Als gemeinhin sicher gilt, dass die Fed im Dezember noch ein weiteres Mal an der Zinsschraube drehen dürfte.
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