Der Börsen-TagMiese Stimmung nicht nur an der Tankstelle
Das lange Osterwochenende dürfte den aufgewühlten Dax-Anlegern nur eine kleine Atempause verschafft haben. "Die Stimmung ist schlecht – an der Tankstelle wie am Aktienmarkt", sagt Helaba-Stratege Adrian Keppler. Der vom Iran-Krieg ausgehende Energiepreisschock trifft die Weltwirtschaft und beunruhigt die Investoren zunehmend. Zudem bleiben sie vor dem Hintergrund widersprüchlicher Signale von US-Präsident Donald Trump im Ungewissen. "Angesichts einer Flut von Widersprüchen ist es derzeit nicht so einfach, echte Signale von Störgeräuschen zu unterscheiden, so wie man es normalerweise erwarten würde. Die Märkte haben dadurch das Gefühl, sich auf Messers Schneide zu bewegen", sagt Mark Dowding, Anlageexperte für festverzinsliche Wertpapiere bei RBC BlueBay Asset Management.
Am Montag hatte Trump mit erneuten Drohgebärden gegenüber dem Iran aufgewartet. Trump sagte am Nachmittag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus: "Iran könnte in einer Nacht ausgeschaltet sein – und diese Nacht könnte morgen sein". Der US-Präsident bekräftigte, die iranische Regierung müsse sich bis Dienstagabend auf ein Abkommen mit den USA einlassen. Dies schürte die Befürchtung, dass es zu längeren Unterbrechungen der Ölversorgung kommen könnte. Zuvor hatten Aussagen Trumps die Investoren noch auf ein absehbares Kriegsende hoffen lassen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones verabschiedete sich daraufhin mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 46.669,88 Punkten aus dem Handel. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 6.611,83 Zähler, und der technologielastige Nasdaq zog um 0,5 Prozent auf 21.996,34 Stellen an.
Solange der Ölhandel beeinträchtigt bleibt, wird laut Dowding jeder schnelle Ausweg anhaltende und ungewisse wirtschaftliche sowie geopolitische Auswirkungen haben. "Der anhaltende Konflikt im Iran und die Störungen beim Transport von Energie durch die Straße von Hormus betreffen rund 20 Prozent des weltweiten Energieangebots", fasst Tiffany Wilding, Ökonomin bei Pimco, zusammen. Dies schürte die Befürchtung, dass es zu längeren Unterbrechungen der Ölversorgung kommen könnte. Zuvor hatten Aussagen Trumps die Investoren noch auf ein absehbares Kriegsende hoffen lassen.
Die Aktienmärkte seien bislang noch vergleichsweise ruhig geblieben, da kurzfristige Lösungen eingepreist wurden und Lagerbestände die unmittelbaren Auswirkungen abfederten, sagen die Pimco-Experten. "Mit anhaltenden Unterbrechungen könnten jedoch Rezessionsrisiken, ein Rückgang der Nachfrage und steigende Anleiheprämien zunehmen", warnt Ökonomin Wilding.
Vor dem Hintergrund des veränderten Inflationsumfeldes haben sich auch die Zinserwartungen deutlich verschoben. Zu Jahresbeginn hatten Marktteilnehmer noch zwei Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed eingepreist. Inzwischen wird bis Ende 2026 keine Zinssenkung mehr erwartet. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank das Protokoll ihrer Sitzung von Mitte März, was Hinweise auf die Stimmungslage der Zentralbanker liefern dürfte.
Heute steht der PMI-Index für Dienstleistungen in Europa und für Deutschland auf dem Programm. Die ansonsten in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten aus Deutschland stammen aus dem Februar und zeichnen somit ein Bild der Lage vor Ausbruch des Krieges.
Bei den Unternehmen herrscht noch die Ruhe vor der nächsten Quartalssaison. Wie sich die höheren Energiepreise auf die Gewinnperspektiven auswirken, werde sich also erst in den kommenden Wochen zeigen, sagt die LBBW.
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