Der Börsen-Tag"Vergessen Sie die Weihnachtsrally"
Der stramme Zinserhöhungskurs der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) macht die Hoffnung vieler Anleger auf einen Jahresendspurt am Aktienmarkt zunichte. "Vergessen Sie die Weihnachtsrally", sagt John Leiper, Investmentchef von Titan Asset Management. "Die Fed ähnelt in dieser Weihnachtszeit eher dem Grinch."
Die EZB dämpfte ebenso wie die Fed Spekulationen auf ein Ende der Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte 2023. "EZB-Präsidentin Christine Lagarde fiel mit einer für ihre Verhältnisse sehr aggressiven Wortwahl in Richtung Inflation und den Kampf dagegen auf", sagt Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. "Einer Trendwende oder gar einer Pause im Zinserhöhungszyklus erteilte sie mehr als deutlich eine Absage."
Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der strafferen Geldpolitik hatte dem DAX in der vergangenen Handelswoche dem größten Verlust seit etwa dreieinhalb Monaten beschert. Allein am Donnerstag war es mehr als 470 Punkte abwärts gegangen. Am Freitag büßte der DAX noch einmal fast 100 Zähler ein, verabschiedete sich mit 13.893 Punkten ins Wochenende. Aktuell wird er nun wieder etwas fester taxiert - in etwa um die 14.000er-Marke.
In der neuen Woche stehen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm. Den Auftakt macht am Montag der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Analysten erwarten für Dezember einen leichten Anstieg auf 87 Punkte von 86 Zählern.
Unternehmensseitig steht die außerordentliche Hauptversammlung von Uniper im Fokus. Dort sollen die Aktionäre über die geplante Verstaatlichung des verlustreichen größten deutschen Gaskonzerns abstimmen. In der alten Woche wurden vier neue Mitglieder für den Aufsichtsrat nominiert, die die Vertreter des scheidenden finnischen Mutterkonzerns ersetzen. Der Versorger aus Düsseldorf hatte wegen des russischen Gaslieferstopps in den ersten neun Monaten dieses Jahres ein Minus von etwa 40 Milliarden Euro eingefahren. Das war einer der größten Nettoverluste eines börsennotierten Unternehmens weltweit.