Der Börsen-TagVon hohen Zinsen, Offerten und Erwartungen
Das ist mal ein ordentlicher Wochenstart gewesen: Der Dax schließt gestern mit einem Plus von rund 260 Stellen oder 1,1 Prozent und einem Stand von 24.894 Punkten. Bereits am Freitag hatte der deutsche Börsenleitindex rund 425 Punkte oder 1,8 Prozent zugelegt. Die da noch kurstreibende Hoffnung auf eine sich abzeichnende Lösung im Iran-Krieg hatte sich über das Wochenende verstärkt. Am Freitag sollen nun Nägel mit Köpfen gemacht werden. Damit wäre eine Blockade der wirtschaftlich wichtigen Straße von Hormus beendet. Das hob gestern die Stimmung der Anleger.
Heute richtet sich der Blick der Anleger zunächst nach Japan. Die dortige Notenbank steuert auf die erste Zinserhöhung im laufenden Jahr zu. Experten erwarten, dass der Leitzins um einen Viertelpunkt auf 1,0 Prozent angehoben wird - das höchste Niveau seit 1995. Mit einem strafferen Kurs dürfte sich die Bank of Japan (BOJ) gegen die im Zuge des Nahostkonflikts gestiegenen Inflationsgefahren stemmen. Den erkrankten BOJ-Chef Kazuo Ueda wird Vize-Gouverneur Shinichi Uchida auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid vertreten. Dabei achten Investoren besonders auf Signale zum weiteren geldpolitischen Kurs. Volkswirte erwarten für das vierte Quartal eine weitere Anhebung der Zinsen.
Hierzulande legt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Umfrage zur Konjunktureinschätzung der Investoren im Juni vor. Ökonomen erwarten, dass Börsenprofis die Aussichten für die deutsche Wirtschaft weniger skeptisch sehen. Das Barometer dürfte demnach auf minus 6,0 Punkte von minus 10,2 Zählern steigen. Die Finanzexperten hatten bereits im Mai etwas optimistischer auf die hiesige Konjunktur geblickt - auch wegen der Hoffnung auf ein Kriegsende in Nahost. Dieses scheint mit der jüngsten Ankündigung eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran in greifbare Nähe zu rücken.
Unternehmensseitig läuft heute die Annahmefrist für die Übernahmeofferte der italienischen Großbank für die Commerzbank ab. UniCredit hat sich bereits mehr als 13 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert und überspringt die Hürde von 30 Prozent. Bereits vor Beginn des Aktientauschs hielten die Italiener 26,8 Prozent an der Commerzbank, deren Führung sich weiter heftig gegen eine Übernahme wehrt. Da die Offerte formal erfolgreich ist, schließt sich eine zweiwöchige Nachfrist an, die am Freitag (20. Juni) beginnt und in der UniCredit weitere Commerzbank-Aktien einsammeln könnte.
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