Der Börsen-TagZwischen KI-Blase und Rekord-Shutdown

Im Mittelpunkt dieser Börsenwoche stehen Spekulationen auf eine Lösung des längsten Haushaltsstreits der US-Geschichte. Sorgen über die konjunkturellen Folgen des daraus resultierenden teilweisen Behördenstillstands für die weltgrößte Volkswirtschaft belasten seit Langem die Aktienmärkte. "Es gibt gewisse Hoffnungszeichen, dass sich die Politik bewegt und eine Lösung näher rückt", so die Commerzbank-Ökonomen. "Immerhin ist eine politische Hürde aus dem Weg geräumt, nachdem einige Regionalwahlen stattgefunden haben. Vor diesen Abstimmungen wollte wohl keine Seite größere Zugeständnisse machen." So erhöhe der Wahlerfolg der Demokraten bei den Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey die Bereitschaft der Politiker zu einer Einigung. Für wachsenden Druck sorgten zugleich knapper werdende Mittel des US-Lebensmittelhilfsprogramms und drohende Einschränkungen im Flugverkehr. Die Experten der Helaba zeigen sich hingegen skeptisch: "Selbst wenn in den kommenden Tagen ein Kompromiss gefunden wird, dürfte dieser nur die Form einer temporären Überbrückungsfinanzierung bis Ende Dezember annehmen."
Auf die Aktienmärkte drückt zugleich seit mehreren Tagen die Furcht der Anleger vor einer Aktienpreisblase im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Bis auf Nvidia haben alle wichtigen US-Technologieunternehmen ihre Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt - inklusive ungewöhnlich hoher KI-Investitionskosten. Die Börsianer fragen sich nun, "ob 'Mr. Big Short' Michael Burry dieses Mal falsch liegt", sagt Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. "Seine Wette gegen KI-Unternehmen wie Nvidia lässt zumindest aufhorchen. Denn er war es auch, der 2008 auf ein Platzen der Immobilienblase spekuliert hatte und gewann." Das Rätselraten drückte den Dax auf 23.570 Punkte und damit um fast 1,5 Prozent unter das Vorwochenniveau.
Auf die Stimmung drückten zudem nach wie vor Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen des US-Zollstreits mit China. In dieser Woche warten die Börsianer daher mit Spannung auf die für Freitag geplanten Zahlen zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen in der Volksrepublik. Commerzbank-Ökonom Tommy Wu zeigt sich vorsichtig: Das jüngste US-China-Handelsabkommen könne die chinesischen Ausfuhren und damit die Industrie trotz einer schwachen Binnennachfrage zwar kurzfristig stützen. "Auf etwas längere Sicht dürfte es den chinesischen Unternehmen allerdings schwerfallen, den weiterhin erschwerten Zugang zum US-Markt durch höhere Exporte in andere Länder auszugleichen."
Auf der Unternehmensseite legen erneut mehrere Dax-Konzerne Zahlen vor. Einen Blick in ihre Bücher gewähren etwa Hannover Rück, Münchener Rück, Porsche SE, E.ON, RWE, Infineon, Brenntag, Merck, die Deutsche Telekom, Siemens, Allianz und Siemens Energy. In den USA stehen hingegen nur noch wenige Bilanzen wichtiger Unternehmen an, darunter die des Netzwerkausrüsters Cisco am Mittwoch.
Das Fehlen von US-Daten wegen des Shutdowns beschert zugleich europäischen Konjunkturzahlen eine größere Aufmerksamkeit. Anleger blicken etwa auf das Barometer der Beratungsfirma Sentix für November. Dieses zeigt zum Wochenstart an, wie Börsianer auf die Konjunktur in der Eurozone blicken.
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