Kommentare

Das Publikum schweigt Trump feiert sich selbst

Zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos kommt Donald Trump mit jeder Menge Eigenlob im Gepäck. Das kommt dort zwar nicht besonders gut an, doch das ist dem US-Präsidenten herzlich egal.

Für Donald Trump hat sich die Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos gelohnt. Der US-Präsident darf sich in ungeteilter Aufmerksamkeit sonnen - und nutzt die Gelegenheit, in den Schweizer Alpen eine regelrechte Wahlkampfrede zu halten. Eine halbe Stunde wird Trump nicht müde, sich selbst zu loben und seine Amtszeit als unvergleichliche Erfolgstory darzustellen. Der wesentliche Unterschied zu seinen Auftritten in den USA: Das Publikum schweigt.

Das ändert allerdings nichts daran, dass Trump seinen Auftritt genossen haben dürfte. Er liebt diese Atmosphäre: die geballte Anwesenheit von Geld und Macht - er mittendrin, und alle hören ihm zu. Ihm kommt offenbar nicht in den Sinn, dass es beim Weltwirtschaftsforum nicht um ihn allein geht. Und so prahlt er etwa mit gestiegenen Börsenkursen, niedriger Arbeitslosigkeit sowie höheren Löhnen in den USA - durch ihn erreicht. Seine Botschaft an die Zuhörer im Saal und die Amerikaner zu Hause: "Die USA sind bei Weitem die stärkste Wirtschaftsmacht."

"Der amerikanische Traum ist zurück", jubelt Trump. Und zwar "größer, besser und stärker als jemals". In den USA erfreuten sich Arbeiter und der Mittelstand an einem solchen Boom, wie es ihn noch nie in der amerikanischen Geschichte gegeben habe. Das ist insofern korrekt, wenn man die amerikanische Geschichte auf die Amtszeit Trumps beschränkt. Da wuchs die US-Wirtschaft pro Quartal aufs Jahr hochgerechnet im Schnitt 2,6 Prozent. In den vergangenen 50 Jahren beträgt die Zahl im Schnitt allerdings 2,8 Prozent.

Doch was sind schon Fakten in dem Universum Donald Trumps? "Amerika gewinnt wieder, so wie es noch nie gewonnen hat", tönt der US-Präsident mit Blick auf die von ihm angezettelten Handelskonflikte. Hier könnte man mit dem Ökonomen Kenneth Rogoff einwenden: Die Situation stellt sich für die USA hier tatsächlich besser dar als noch vor wenigen Monaten. Es sei in etwa so, als ob man aufhören würde, mit dem eigenen Kopf gegen die Wand zu schlagen, so der Nobelpreisträger. Das fühle sich dann tatsächlich angenehmer an als vorher.

"Erben der dummen Wahrsager von gestern"

Während andere auf dem Gipfel Zusammenarbeit beschwören, huldigt Trump unbeirrt seinem Motto "America first". Wie es sich für eine Wahlkampfrede gehört, teilt der Präsident in Richtung seiner Gegner aus und bezeichnet sie als "ewige Propheten des Untergangs", "Alarmisten" und höhnt über "Erben der dummen Wahrsager von gestern" mit ihren Untergangsszenarien.

Der Applaus am Ende der Rede ist dürftig. Trump versichert Reportern im Nachhinein allerdings, dass sie bei den Zuhörern sehr gut ankam. Die Meinung dürfte der Präsident nahezu exklusiv haben. Oder wie es Star-Ökonom Joseph Stiglitz ausdrückt: "Er hat absolut nichts über den Klimawandel gesagt. Derweil werden wir geröstet."

Quelle: ntv.de