Marktberichte

Dow Jones schließt im Minus Angst vor Pandemie an Wall Street lässt nach

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Stimmung hellt sich wieder auf, nachdem die WHO keinen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Furcht vor wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie durch das neue Coronavirus in China belastet die Börsen. Nach den Höchstständen entschließen sich einige Aktienanleger zu Gewinnmitnahmen. Allerdings hellt sich die Stimmung nach einer Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation wieder auf.

Angesichts von neuen Rekordständen an der Wall Street ist die Luft für weitere Aufschläge dünner geworden. Gebremst wurden die US-Börsen von der Befürchtung einer Pandemie in Asien. Allerdings hellte sich die Stimmung auf, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt hatte, wegen des neuartigen Coronavirus zunächst keinen internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen.

Der Dow-Jones-Index sank um 0,1 Prozent auf 29.160 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite gewannen 0,1 und 0,2 Prozent. Den 1.481 (Mittwoch: 1.451) Kursgewinnern standen 1.453 (1.458) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 71 (96) Titel.

Die Furcht vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus hatte in Asien und dort vor allem an den chinesischen Börsen zu heftigen Kursverlusten geführt, denen die Wall Street mit etwas verminderter Dynamik folgte. Kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest und damit erhöhter Reisetätigkeit beherrscht die Angst vor einer möglichen Pandemie die Aktienmärkte. China hat Wuhan, wo das Coronavirus erstmals aufgetreten ist, und einige andere Millionenstädte praktisch abgeriegelt. Bewohner dürften die Städte nur noch mit einer Sondergenehmigung verlassen.

"Die Abriegelungen in China wegen der Ausbreitung des Virus' lasten auf den Aktienmärkten", sagte Chefmarktanalyst Peter Cardillo von Spartan Capital Securities. Allerdings scheint die laufende Berichtsperiode Anleger zumindest in den USA derzeit mehr zu interessieren als die mögliche Gefahr einer Pandemie. Eine erste Bilanz fällt positiv aus: Von den 74 Unternehmen, die bis Donnerstag ihre Zahlen vorgelegt haben, hätten 70 Prozent die Erwartungen übertroffen, meldete Factset. Und auch die Beschäftigungslage sieht gut aus. Zwar wurden in der vergangenen Woche mehr Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung gestellt als in der Vorwoche, doch hatten Volkswirte höhere Werte vorausgesagt. Insgesamt liegt die Zahl der Erstanträge auf niedrigem Niveau.

Procter & Gamble
Procter & Gamble 101,00

Die Aktien des Konsumgüterriesen Procter & Gamble verloren 1,0 Prozent. Der Umsatzanstieg verfehlte die Prognosen des Marktes. Allerdings machten Händler Erholungspotenzial aus, denn das Unternehmen hat nach einem guten zweiten Quartal den Wachstums- und Gewinnausblick abermals angehoben. Travelers fielen um 5,1 Prozent. Der Versicherungskonzern enttäuschte mit dem Neuprämienaufkommen

Southwest Airlines machten anfängliche Verluste wett und stiegen um 3,6 Prozent. Der Gewinnausweis der Gesellschaft lag zwar unter der Erwartung des Marktes, doch trat CEO Gary Kelly am Markt kursierenden Spekulationen über den möglichen Kauf eines Wettbewerbers entgegen. Die Kapazitätsengpässe aufgrund des Flugverbots für die Boeing 737 MAX zwängen Southwest nicht zu Übernahmen, sagte er und fügte hinzu, sein Unternehmen würde keinen überzogenen Preis zahlen. Die Wettbewerbertitel von Jetblue Airways zogen um 6,4 Prozent an, die Fluggesellschaft schnitt in der vierten Periode besser als erwartet ab. Aktien von Fluggesellschaften hatten an den vorigen Handelstagen unter der Angst vor den Folgen des Coronavirus gelitten.

Netflix
Netflix 325,40

Nach Geschäftszahlen oberhalb der Marktvorhersagen fielen die Titel des Kabelnetzbetreibers Comcast um 3,8 Prozent. Händler verwiesen auf fallende Kundenzahlen. Die Aktien des Streamingdienstes Netflix, die am Vortag mit deutlichen Kursverlusten auf die eigenen Zahlen reagiert hatten, legten nun um 7,2 Prozent zu. Analyst Scott Devitt von Stifel sieht Netflix als Nutznießer, wenn Kunden in wachsendem Maße Kabelnetzbetreibern wie Comcast oder Anbietern von Satellitenfernsehen den Rücken kehren.
Papiere des Bezahldienstleisters Paypal gewannen 2,1 Prozent.

Die Gesellschaft hat eine Kooperation mit der chinesischen Unionpay International vereinbart. Der Chiphersteller Texas Instruments hat im vierten Quartal zwar einen Gewinn- und Umsatzrückgang verbucht, allerdings seine zuvor gesenkten Prognosen und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Papiere stiegen um 0,7 Prozent.

Die Befürchtung einer Wachstumsdelle wegen einer möglichen Pandemie in Asien stützte den US-Rentenmarkt. Im Gegenzug fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 4,2 Basispunkte auf 1,73 Prozent. Die Rendite des 30-jährigen Langläufers sank auf ein Sechswochentief von 2,18 Prozent.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,10

Am Devisenmarkt neigte der Euro zur Schwäche. Die Europäische Zentralbank hat wie erwartet ihr Leitzinsniveau bestätigt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde machte unterdessen klar, dass eine sehr akkommodierende Geldpolitik noch längere Zeit erforderlich bleiben wird. Marktbeobachter betonten die taubenhaften Töne in ihren Aussagen. Der Euro wertete auf etwa 1,1055 US-Dollar ab, nachdem er kurzzeitig bis auf 1,1109 gesprungen war. Am Erdölmarkt fielen die Preise weiter. Händler verwiesen vor allem auf Konjunktursorgen wegen der drohenden Pandemie in Asien.

Dass das US-Energieministerium einen etwas stärkeren Rückgang der Rohölvorräte gemeldet hatte als erwartet, linderte den Verkaufsdruck etwas. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 2 Prozent auf 55,59 Dollar, zeitweise hatte der WTI-Preis mehr als 3 Prozent nachgegeben. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent ermäßigte sich um 1,9 Prozent auf 62,04 Dollar.

Der Goldpreis drehte mit den taubenhaften Äußerungen von EZB-Präsidentin Lagarde ins Plus. Außerdem stützte die allgemeine Risikoaversion das Edelmetall. Auch die sinkenden Marktzinsen halfen dem zinslosen Gold. Der Preis für die Feinunze des Edelmetalls stieg um 0,2 Prozent auf 1.562 Dollar.

Quelle: ntv.de, jki/DJ