Marktberichte

Maue Konjunktur bremst Wall Street Anleger machen nach Dax-Rekord Kasse

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Börsen sind in beeindruckender Verfassung: In Frankfurt und New York jagt ein Allzeithoch das nächste. Viele Anleger trauen dem Überschwang aber nicht und gehen vor dem Wochenende lieber auf Nummer sicher. Der Einzelhandel bremst die Wall Street.

Nach dem dritten Jahreshoch in Folge haben die Anleger zum Wochenausklang Gewinne mitgenommen. Der Dax ging 0,3 Prozent zurück auf 10.713,43 Punkte. Der MDax ging bei 21.837,61 Zähler nahezu unverändert aus dem Handel. Der TecDax schloss 0,4 Prozent schwächer bei 1.737,55 Stellen. "Fast könnte man meinen, geopolitisch und konjunkturell sei alles in bester Ordnung. Dem ist keineswegs so, auch die Konjunkturdaten sind lediglich in den USA in Ordnung", sagt Daniel Saurenz von Feingold Research. "Viele Indikatoren zeigen ersteinmal eine Sommerpause an und diese wäre nach der Rally der letzten Wochen auch keinesfalls schlecht."

Merck fielen nach einer Herabstufung durch Berenberg 1,1 Prozent. Der Kurs der Merck-Aktie sei in den vergangenen Monaten deutlich stärker gestiegen als der Dax und das weitere Potenzial nach oben sei begrenzt, begründeten die Experten ihre Entscheidung. Grundsätzlich sei Berenberg aber zuversichtlich, was die Geschäftsentwicklung von Merck angehe. Wegen des überraschenden Erfolgs eines Fruchtbarkeitsmittels in den USA hob Merck kürzlich seine Prognosen für Umsatz und Gewinn an. Bereits 2015 hatte Merck ein Rekordergebnis eingefahren.

Ansonsten standen Werte aus der zweiten Börsenliga im Blickpunkt: Die Pfandbriefbank musste Abschläge von rund 6,8 Prozent verkraften. Sie kassierte ihr Neugeschäftsziel, weil ihr der harte Wettbewerb im Immobilienmarkt zu schaffen macht. "Auch die Pfandbriefbank leidet unter dem Niedrigzinsumfeld", so ein Marktteilnehmer. Talanx verloren rund 1,0 Prozent. Deutschlands drittgrößter Versicherer verdiente im ersten Halbjahr zwar deutlich mehr, blieb aber im zweiten Geschäftsquartal hinter den Erwartungen zurück.

Deutsche Wohnen hat die Jahresprognose für die sogenannten Funds From Operations erhöht. Das stützte die Aktie aber nicht, sie schloss nahezu unverändert. Seit Jahresbeginn hat das Papier allerdings 38 Prozent gewonnen. Für die GfK-Aktie ging es 1,2 Prozent nach oben. Wie der Konsumforscher mitteilte, wird Konzernchef Matthias Hartmann aus dem Vorstand ausscheiden wegen "unterschiedlicher Ansichten zur langfristigen geschäftspolitischen Ausrichtung mit dem Großaktionär GfK Verein". Aufsichtsratschef Arno Mahlert verlässt bereits zum 12. September ebenfalls die Brücke. Vergangene Woche hatte GfK erneut mit schlechten Zahlen überrascht, die Aktie verlor in den folgenden Tagen 20 Prozent an Wert.

Gestützt wurde die grundsätzlich positive Stimmung an den Aktienmärkten von überraschend guten Konjunkturdaten aus Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu. Das war mehr als Ökonomen erwartet hatten. Vor allem die Exporteure schlugen sich gut und lieferten wichtige Wachstumsimpulse. Nicht so gut lief es dagegen in Italien. Dort stagnierte die Wirtschaft im zweiten Quartal. Analysten hatten dagegen mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent gerechnet.

Maue Konjunktur dämpft die Wall Street

In den USA beendeten enttäuschende Konjunkturdaten vorerst die Rekordjagd an den US-Börsen. Der Dow-Jones-Index verlor 0,2 Prozent auf 18.576 Punkte. Der S&P-500 gab rund 0,1 Prozent ab auf 2184 Zähler. Der Nasdaq 100 trat bei 4807 Punkten auf der Stelle.

Besonders die Einzelhandelsumsätze verfehlten mit einer Stagnation im Juli die Erwartungen. Volkswirte hatten sie auf Monatssicht um 0,5 Prozent wachsen sehen. Auch die Erzeugerpreise lieferten ein schwaches Bild. Sie sanken im vergangenen Monat verglichen mit dem Juni um 0,4 Prozent, während Volkswirte ein Plus von 0,1 Prozent erwartet hatten. Auch die Stimmung der US-Verbraucher hellte sich weniger auf als erwartet. Der Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan stieg geringer als Experten vorhergesagt hatten.

Die Aktien von Ruby Tuesday brachen um 13,1 Prozent ein, nachdem der Restaurantbetreiber von rückläufigen Gästezahlen und einem sinkenden Umsatz berichtete. Die Firma wird deshalb mehr als jedes zehnte seiner Restaurants schließen. Für Acacia Communications ging es um 41,3 Prozent nach oben, nachdem Quartalszahlen und Ausblick die Erwartungen des Marktes übertroffen hatten.

Asien: Sharp-Aktie explodiert nach Übernahme

Nikkei
Nikkei 22.945,50

Die gestrigen Rekorde an der Wall Street beflügelten zum Wochenschluss die ostasiatischen Aktienmärkte. Zusätzlicher Flankenschutz kam vom festen Ölpreis und vor allem für Tokio vom wieder etwas nachgebenden Yen, der dem japanischen Export in die Hände spielt. Neue Konjunkturdaten aus China spielten eher eine untergeordnete Rolle.

Der Nikkei-Index in Tokio legte um 1,1 Prozent auf 16.920 Punkte zu, auch mit Nachholbedarf nach der Feiertagspause am Donnerstag. Toyota-Aktien stiegen 0,9 Prozent. Mazda gewann 2,2 Prozent. Toshiba steigerten sich um 3,8 Prozent, nachdem das Unternehmen erstmals seit sechs Quartalen in die Gewinnzone vorgeprescht ist.

Sharp schossen um 19 Prozent nach oben, nachdem die chinesischen Kartell-Behörden dem Kauf des japanischen Elektronikkonzerns durch den in Taiwan gelisteten Telekomausrüster Foxconn, auch bekannt als Hon Hai, zugestimmt haben. Foxconn zahlt umgerechnet rund 3 Milliarden Euro für rund zwei Drittel des Herstellers von Elektronikgeräten. Zugleich war Foxconn aus einem anderen Grund in den Schlagzeilen: Der Apple-Zulieferer hat im zweiten Quartal deutlich schlechter abgeschnitten als erwartet. Die Aktie verlor 3,7 Prozent.

In Seoul fiel die Samsung-Aktie um 0,9 Prozent. Der Konzern übernimmt die Dacor Inc., ein auf Luxushaushaltsgeräte spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Kalifornien. Angaben zum Preis machte Samsung nicht. Der Gesamtmarkt in Seoul legte minimal zu.

Am australischen Markt ging es leicht aufwärts, getragen von zum Teil starken Gewinnen im Energiesektor. Woodside Petroleum gewannen 0,9 Prozent, Oil Search 0,5 Prozent, Santos 4 Prozent und Origin Energy 2,4 Prozent. Auch die Rohstoffproduzenten legten zu, so BHP Billiton um 2,1 Prozent. Bei den Bankenwerten gaben Westpac erneut nach, nachdem am Vortag Zahlen enttäuscht hatten, unter anderem wegen gestiegener Kreditausfälle.

Die chinesischen Börsen legten ebenfalls zu. Der Gesamtmarkt in Hongkong kletterte um 0,8 Prozent. Die chinesische Industrieproduktion lag im Juli zwar unter den Erwartungen, sorgte aber kaum für Verstimmung. Auch hier stehe eher die Politik der Notenbanken im Fokus und weniger die fundamentale Lage, hieß es dazu.

Rohstoffe: Öl-Rally verliert an Schwung

Gold zieht kräftig an und steigt um 1,0 Prozent auf 1.352 Dollar je Feinunze. Die Erholung der Ölpreise, die am Donnerstag maßgeblichen Anteil am Anstieg der Aktienkurse hatte, setzt sich fort, allerdings verlangsamt sich der Anstieg. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI erhöhte sich um 2,3 Prozent auf 44,49 Dollar. Die Nordsee-Sorte Brent kletterte 2,0 Prozent auf 46,97 Dollar je Barrel, nach einer fast fünfprozentigen Rally am Vortag. Hintergrund ist, dass Saudi-Arabien seine Bereitschaft zu Stabilisierungsmaßnahmen am Ölmarkt erklärt hat. Dies könnte im September beschlossen werden, wenn sich das Erdölkartell Opec in Algerien mit Nicht-Mitgliedsstaaten trifft.

Devisen: Pfund bleibt schwach

Der Euro legt nach den schwachen US-Konjunkturdaten auf 1,1160 Dollar zu. Das britische Pfund handelt derweil weiter klar unter der Marke von 1,3000 Dollar. Die Schwierigkeiten der Bank of England (BoE) ausreichend Anleihen für ihr wieder aufgelegtes Kaufprogramm zu finden hat auf die Renditen britischer Anleihen gedrückt, was wiederum die britische Währung belastet. Das dürfte aber nur ein temporäres Problem sein. Denn wie die Commerzbank anmerkt, mache es für die BoE letztlich keinen Unterschied zu welchem Preis sie die Anleihen kaufe.

Quelle: ntv.de, mbo/hvg/DJ/rts