Marktberichte

Zwischen Hoffen und Bangen Börsen droht Sommergewitter

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Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist immer für eine Überraschung gut.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Trump bleibt für die Börsen unberechenbar, hinzukommen die Nachwirkungen der Europawahl. Außerdem tritt am Freitag die britische Premierministerin May zurück, die Börsenwoche wird spannend.

Politische Störfeuer dürften Anlegern das Leben auch in der neuen Woche schwer machen. "An den Finanzmärkten sagt man: 'Politische Börsen haben kurze Beine' - und meint damit, dass die Auswirkungen politischer Veränderungen im Regelfall eine kurze Halbwertzeit haben", sagt Weberbank-Analyst Daniel Schär. "Spätestens seit Beginn der Ära Trump gilt der Wortlaut leider nur noch eingeschränkt."

Der Zollstreit zwischen den USA und China tauche Anleger seit Monaten in ein Wechselbad der Gefühle. "Keimt an einem Tag Hoffnung auf, nachdem ein positiver Twitter-Beitrag von US-Präsident Donald Trump veröffentlicht wird, so wird am nächsten Tag durch neue Sanktionen der USA alles infrage gestellt", fügt Schär hinzu. Am Freitag überraschte Trump Anleger mit der Androhung von Strafzöllen auf mexikanische Waren. Vor diesem Hintergrund büßte der Dax in der alten Woche 2,4 Prozent ein. Der US-Leitindex Dow Jones verlor an der Wall Street sogar drei Prozent, es war die sechste Verlustwoche in Folge. Im gesamten Mai gab der Dow 6,7 Prozent nach.

Auch die Europawahl wirke noch nach, sagt Anlagestratege Felix Herrmann vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Investoren warteten gespannt auf die Entscheidung um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Die hat Implikationen für die Vergabe anderer wichtiger Posten. Insbesondere für die des EZB-Chefsessels." Sollte der Chef der Christdemokraten im Europäischen Parlament, Manfred Weber, leer ausgehen, steigen Experten zufolge die Chancen, dass Bundesbank-Chef Jens Weidmann Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) beerbt.

Vor diesem Hintergrund werden Anleger die Pressekonferenz Draghis nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag besonders aufmerksam verfolgen. Eine Leitzinsänderung gilt unter Börsianer als ausgeschlossen. Sie rechneten stattdessen mit Details zu den geplanten neuen Billig-Krediten für Geschäftsbanken (TLTRO).

Senkt die Fed die Zinsen?

Auch die US-Geldpolitik sorgt in der neuen Woche wieder für Gesprächsstoff, da immer mehr Anleger auf eine Zinssenkung der Federal Reserve vor dem Jahresende spekulieren. Hinweise auf den Fed-Kurs erhoffen sie sich unter anderem vom sogenannten Beige Book. Der Konjunkturbericht der US-Notenbank wird am Mittwoch veröffentlicht. Daneben warten Börsianer gespannt auf die US-Beschäftigtendaten am Freitag. Einen Vorgeschmack liefern zwei Tage zuvor die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP. Die Konjunkturdaten der neuen Woche würden die jüngsten Spekulationen auf eine Abschwächung des US-Aufschwungs sicher dämpfen, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Daneben treibt der für Freitag geplante Rücktritt der britischen Premierministerin Theresa May Börsianer um. Sie sehen Ex-Außenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson als aussichtsreichsten Nachfolger. "Zum jetzigen Zeitpunkt scheinen die Extremoptionen eines 'No Deal'-Brexit oder 'No Brexit' wahrscheinlicher zu sein als ein ausgehandelter, geregelter Brexit", sagt Anlagestrategin Seema Shah vom Vermögensverwalter Principal Global.

Kopfzerbrechen bereitet Börsianern darüber hinaus der erneut heraufziehende Haushaltsstreit zwischen der EU-Kommission und der Regierung in Rom. Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini werde nach dem Erfolg seiner rechtspopulistischen Lega voraussichtlich auf Neuwahlen dringen, um zum Regierungschef aufzusteigen, prognostiziert Martin Hüfner, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Assenagon. Für einen Austritt aus dem Euro oder der EU habe Salvini zwar nicht den Rückhalt in der Bevölkerung. Es wird jedoch verschärft Streit über die Fiskaldisziplin und den Ausbau der Union geben. Die Gemeinschaft wackelt.

Quelle: n-tv.de, Hakan Ersen, rts

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