Marktberichte

Sommer-Rally nicht in Sicht Börsen im Bann von Trump und Xi

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Trump und Xi wollen wieder verhandeln. Ein Durchbruch in der Sache ist das nicht.

(Foto: REUTERS)

Börsianer sehen den Burgfrieden zwischen den USA und China im Handelsstreit skeptisch. Der Kampf der Großmächte dürfte weitergehen. Kommende Woche will US-Präsident Trump eine Erklärung abgeben. Spannend dürften die Daten zur US-Handelsbilanz werden.

Die Chancen für eine Sommer-Rally an den Börsen sind laut Experten gering. Grund hierfür sei der Handelskonflikt mit den USA, der Anleger noch längere Zeit beschäftigen werde, sagt Jean-Marie Mercadal, Chef-Anleger des Vermögensverwalters OFI. "Die Märkte sollten sich auf eine Neuauflage des Kalten Krieges einstellen. Denn beim Zollstreit geht es im Grunde um die weltweite Vormachtstellung und Einflusssphären, um Wirtschafts- und Finanzkraft, Währungshoheit und technologische Dominanz."

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Größere Kursrückschläge seien aber nicht zu erwarten, prognostiziert Bernd Meyer, Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank. Schließlich hätten die großen Notenbanken bereits signalisiert, der Konjunktur durch Zinssenkungen und Geldspritzen unter die Arme zu greifen.

"Auch die chinesische Regierung dürfte bei Bedarf weitere Maßnahmen zur Stimulierung des Wachstums beschließen." Er rechne für die Sommermonate zwar mit kurzfristigen Schwankungen, insgesamt aber mit kaum veränderten Kursen. Zum Ende der alten Woche hatten sich Dax und Wall Street nur leicht positiv gezeigt: Investoren schwankten in Erwartung des Treffens von US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping im Rahmen des G20-Gipfels in Osaka zwischen Hoffen und Bangen.

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Für Erleichterung dürfte daher in der neuen Woche die Erklärung von Trump sorgen, zunächst auf weitere Strafzölle verzichten und neue Gespräche aufnehmen zu wollen. Experten hatten für den Fall eines Scheiterns des Treffens vor Kursverlusten gewarnt.

Konjunkturdaten im Licht der Geldpolitik

In der neuen Woche stehen zahlreiche Konjunkturdaten auf dem Terminplan, die Börsianer auf mögliche Auswirkungen auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed oder der Europäischen Zentralbank (EZB) abklopfen werden. Das Highlight sind die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Nach der Enttäuschung im Vormonat rechne er wieder mit einem größeren Stellenaufbau, sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten liefern am Mittwoch die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP. Am selben Tag wird zudem die US-Handelsbilanz veröffentlicht. Hohe Defizite könnten erneut den Zorn Trumps heraufbeschwören. Spekulationen um neue Strafzölle wären die Folge.

In Europa stehen die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager (Montag) an. Hinzu kommen die deutschen Einzelhandelsumsätze (Dienstag). Bei den Auftragseingängen für die deutsche Industrie (Freitag) müsse mit einem erneuten Rückgang gerechnet werden, sagt Commerzbank-Experte Balz.

Umfragen: Griechenlanf vor Regierungswechsel

Unabhängig davon wirft die vorgezogene Parlamentswahl in Griechenland ihre Schatten voraus. Umfragen zufolge wird die konservative Nea Demokratia ihren Erfolg der Europawahlen wiederholen und am 7. Juli zur stärksten Kraft aufsteigen. Deren Chef Kyriakos Mitsotakis könnte dann Alexis Tsipras von der linken Syriza als Ministerpräsident ablösen. Spekulationen auf eine wirtschaftsfreundlichere Politik einer neuen Mitte-Rechts-Regierung trieb den Athener Leitindex in der alten Woche auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Außerdem beraten die Opec und ihre Verbündeten zum Auftakt der neuen Woche über ihre Rohöl-Förderpolitik. "Hier ist eine Verlängerung der aktuellen Kürzungen von 1,2 Millionen Barrel pro Tag bis Ende 2019 wahrscheinlich", sagt Frank Schallenberger, Chef-Rohstoffanalyst der LBBW.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

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